Könnte Osram bald einem Finanzinvestor gehören? Bain Capital soll Interesse an dem Konzern haben.

Osram

27.11.18
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Bain Capital erwägt offenbar Osram-Übernahme

Mehrere Finanzinvestoren, darunter wohl auch Bain Capital, sollen ein Auge auf Osram geworfen haben. Die gebeutelte Aktie des im Umbau befindlichen Lichtkonzerns schnellt in die Höhe.

Osram ist offenbar ins Visier mehrerer Finanzinvestoren geraten: Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen berichtet, erwägt der Private-Equity-Investor Bain Capital eine Übernahme des gebeutelten Lichtkonzerns. Sowohl Bain als auch Osram kommentierten die Gerüchte bislang öffentlich nicht.

Bain Capital arbeitet derzeit daran, mit Finanzberatern den Wert von Osram einzuschätzen, heißt es bei der Agentur weiter. Die Marktkapitalisierung der ehemaligen Siemens-Tochter lag zuletzt bei rund 3,3 Milliarden Euro. Auch andere Finanzinvestoren sollen an Osram interessiert sein, konkrete Namen kursieren jedoch noch nicht.

Der US-Investor Bain hat erst vor kurzem eine große Transaktion in Deutschland getätigt: Gemeinsam mit dem Finanzinvestor Cinven hatte er den Generikahersteller Stada übernommen. Der aktivistische Investor Elliott hatte zuvor den Preis der Transaktion in die Höhe getrieben

FINANCE-Köpfe

Ingo Bank, Osram Licht AG

Ingo Bank beginnt seine Karriere 1995 bei Philips in der Hamburger Niederlassung im Bereich Audit. Schnell zieht es den Manager in die niederländische Zentrale, wo er in der M&A-Abteilung arbeitet. Später folgen Stationen als CFO einzelner Geschäftsbereiche im japanischen Kobe und in Hongkong, wo er das Geschäft mit Flüssigkristallanzeigen (LCD) in der Region für den Konzern aufbaut.

Von 2005 bis 2009 ist Bank als Finanzchef zweier Geschäftseinheiten beim direkten Osram-Konkurrenten Philips Lighting in Eindhoven aktiv, der Lichttochter des Elektronikkonzerns. Nach einer Zwischenstation im Audit zieht es den Manager 2011 in die Vereinigten Staaten, wo er als Finanzchef für Philips Healthcare arbeitet.

2013 verlässt Bank den niederländischen Philips-Konzern nach fast 20 Jahren und wird CFO des US-amerikanischen Pharmadienstleisters Parexel. Im September 2016 tritt er die Position des Finanzvorstands bei dem Münchener Lichtkonzern Osram an.

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Osram immer wieder Übernahmeziel

Osram ist in der Vergangenheit wiederholt zum Übernahmekandidaten geworden: 2016 beispielsweise sondierte der chinesische Konzern San’an einen Einstieg bei dem deutschen Unternehmen, dem jedoch keine Transaktion folgte.

Einen Großaktionär, der die Übernahme erschweren könnte, hat Osram nicht: Die ehemalige Mutter Siemens hat Anfang des Jahres ihre letzte Beteiligung von rund 17 Prozent verkauft. Seitdem liegen die Anteile mehrheitlich im Streubesitz, die größten Aktionäre sind mit je rund 5 Prozent die Allianz und die Deutsche Bank.

Im Zuge der jüngsten Übernahmegerüchte machte die Osram-Aktie einen deutlichen Sprung um zeitweise 17 Prozent auf 40 Euro. Der Kurs befindet nach zwei Gewinnwarnungen innerhalb dieses Jahres auf Talfahrt und hat sich seit Jahresanfang mehr als halbiert. In einem Interview mit FINANCE gab CFO Ingo Bank kürzlich zu, dass die Kritik der Investoren gerechtfertigt sei: „Wir müssen unsere Planungs- und Prognosesicherheit weiter verbessern“, räumte der Finanzchef ein. 

Osram-Aktie auf Talfahrt seit Jahresbeginn

Osram steckt mitten im Umbau

Das Unternehmen befindet sich schon seit einigen Jahren im Umbau und versucht unter anderem, sich stärker von der Autoindustrie zu lösen, die selbst mit Absatzproblemen kämpft. Finanzchef Bank will Osram in Zukunft zum „Photonic-Champion“ machen und sämtliche Funktionen des Lichts nachbilden und für Produkte nutzen, beispielsweise für Visualisierungen oder die Wachstumsförderung von Pflanzen sowie für Sensorik. Aktuell stehen daher das Servicegeschäft in den USA und das Leuchtengeschäft zum Verkauf. Die Lampentochter Ledvance hat Osram bereits vor zwei Jahren verkauft. 

Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2018, die Osram Anfang November veröffentlicht hat, sahen eher mau aus: Der Konzernumsatz stagniert verglichen mit dem Vorjahr bei 4,1 Milliarden Euro, der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank um 13 Prozent auf 605 Millionen Euro. Unter dem Strich halbierte sich der Gewinn beinahe auf 142 Millionen Euro. Immerhin erreichte das Unternehmen die gesenkte Jahresprognose.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Erfahren Sie mehr über die bisherige Karriere des Osram-CFOs auf dem Profil von Ingo Bank.