Die Eignerfamilie Hueck prüft offenbar den Verkauf ihrer Mehrheitsbeteiligung am Automobilzulieferer Hella.

Hella

27.04.21
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Eignerfamilie prüft Verkauf von Hella

Die Industriellenfamilie Hueck will sich offenbar von ihrer Mehrheitsbeteiligung am Autozulieferer Hella trennen. Wer greift zu: Ein Stratege oder Private Equity?

Der Automobilzulieferer Hella könnte bald den Besitzer wechseln. Wie das „Manager Magazin“ am heutigen Dienstag unter Berufung auf eine mit der Sache vertraute Person berichtet, plant die Eignerfamilie Hueck den Verkauf ihrer Anteile von 60 Prozent an dem Unternehmen. Das M&A-Mandat hat demnach die Investmentbank Rothschild. Weder das Unternehmen noch der Gesellschafterausschuss wollten sich gegenüber dem Magazin zu dem Bericht äußern.

Hella ist 5,5 Milliarden Euro wert

Da ab einem Anteilserwerb von 30 Prozent ein Pflichtangebot fällig wird, könnte Hella vor dem Abschied von der Börse stehen, sollte sich die Familie tatsächlich zum Ausstieg entscheiden. An den Markt kam der Zulieferer im Herbst 2014 zum Preis von 27,50 Euro, infolge des Magazinberichts stieg die Aktie heute Nachmittag um 11 Prozent von 45 auf 51 Euro.

Damit steigt der Börsenwert auf über 5,5 Milliarden Euro. Da sich Finanzschulden und Kassenbestand nahezu ausgleichen, entspricht dies auch dem aktuellen Unternehmenswert. Die übrigen 40 Prozent der Anteile befinden sich im Streubesitz.

Hella-Verkauf: Vorteil für Private Equity

Die Ostwestfalen sind in einigen der wachstumsstärksten Nischen des Automobilgeschäfts vertreten und erzielten selbst zwischen Juni 2020 und Februar 2021 inmitten der Coronawirren eine Ebit-Marge von 8 Prozent. Traditionell erwirtschaftet das Familienunternehmen solide Cashflows. Hellas Produktschwerpunkt liegt auf Lichtsystemen und Fahrzeugelektronik, der Konzern beschäftigt 36.000 Mitarbeiter. Im jüngsten abgeschlossenen Geschäftsjahr 2019/20 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 5,8 Milliarden Euro. CFO ist der frühere Nordex-Finanzchef Bernard Schäferbarthold.

Den Zugriff auf dieses Unternehmen zu bekommen, dürfte für viele potentielle Käufer verlockend sein. Interessiert sein dürften praktisch alle Largecap-Private-Equity-Fonds. Auch für zahlreiche große Autozulieferer wäre Hella eine attraktive Ergänzung ihrer Portfolios. Allerdings haben die Strategen einen Nachteil: Sie alle leiden unter den finanziellen Folgen der Coronakrise und kämpfen fast ausnahmslos noch mit ihren eigenen Restrukturierungen.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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