Für 2,3 Milliarden Euro will Fortum die Hedgefonds bei Uniper rauskaufen und zum 70-Prozent-Aktionär werden.

Uniper

08.10.19
Deals

Fortum kauft Hedgefonds bei Uniper heraus

Für 2,3 Milliarden Euro will Großaktionär Fortum das Uniper-Aktienpaket der Hedgefonds Elliott und Knight Vinke übernehmen. Zwischen Helsinki, Düsseldorf und Moskau wird jetzt um Unipers Zukunft gefeilscht – die FINANCE-Dealanalyse.

Mit einem gewaltigen finanziellen Einsatz versucht Fortum, den gordischen Knoten bei dem deutschen Energieversorger Uniper zu durchschlagen. Mit Hilfe eines zusätzlichen Investments von 2,3 Milliarden Euro will der finnische Großaktionär die Aktionärsstruktur bereinigen und gleichzeitig die Fusionsblockaden der russischen Behörden sowie der Uniper-Führung und -Arbeitnehmer beenden.

Hedgefonds machen guten Schnitt bei Uniper

Für die 2,3 Milliarden Euro will Fortum die 20,5-Prozent-Beteiligung von Elliott und Knight Vinke übernehmen. Die beiden Hedgefonds hatten ihre Positionen um die Jahreswende 2017/18 aufgebaut, als die Finnen gerade ein großes Aktienpaket des früheren Uniper-Eigentümers E.on übernommen hatten. Sie setzten auf einen deutlich höheren Preis als die 22 Euro je Aktie, die E.on von Fortum erhalten hatte.

Diese Spekulation scheint nun aufzugehen: Der Verkaufsvertrag mit Fortum beruht auf einem Preis von 29,93 Euro je Aktie. Zum Zeitpunkt ihres Einstiegs schwankte die Uniper-Aktie um die 25-Euro-Marke, seitdem kassierten die Hedgefonds zwei Dividenden im Umfang von zusammen 1,64 Euro je Aktie. Somit könnten die US-Aktivisten, die von Anfang an Uniper zu einem Zusammenrücken mit Fortum gedrängt hatten, mit ihrer Merger-Arbitrage einen Wertzuwachs von etwa 25 bis 30 Prozent erzielen – sofern es tatsächlich gelänge, die großen Stolpersteine aus dem Weg zu räumen, die Uniper bislang die Unabhängigkeit von Fortum garantiert hatten.

Fortum wagt neue Initiative in Moskau

Denn die „Giftpille“, mit der Uniper bis heute erfolgreich die Mehrheitsübernahme durch die Finnen verhindern konnte, liegt in Russland. Dort betreiben die Düsseldorfer eine Wasseraufbereitungsanlage, die Moskau als „strategische“ Infrastruktur betrachtet. Diese Anlage soll nicht unter den Einfluss einer ausländischen Regierung fallen, und Fortum befindet sich mehrheitlich im Besitz des finnischen Staates.

Doch Fortum unternimmt nun direkt in Moskau einen neuen Anlauf, um diese Hürde aus dem Weg zu schaffen. „Wir befinden uns in Gesprächen mit den russischen Behörden und haben bereits eine Voranmeldung bei der russischen Antimonopolbehörde eingereicht“, erklärte Fortum am heutigen Dienstagmorgen. Zudem hat es offenbar auch schon ein direktes Gespräch zwischen Fortum-Chef Pekka Lundmark und Russlands Staatschef Wladimir Putin zu diesem Thema gegeben. Auch in den USA müssen die Behörden noch grünes Licht geben, Brüssel hat das bereits getan. Fortum zeigt sich siegessicher und „erwartet“ die Freigaben bis zum Ende des ersten Quartals nächsten Jahres.

„Wir befinden uns in Gesprächen mit den russischen Behörden.“

Fortum

Fortum erhöht den Druck auf Uniper

Den verschiedenen Akteuren bei Uniper begegnen die Finnen mit einer Mischung aus subtilem Druck und Charmeoffensive. Kernstück ihres heute formulierten Angebots an Uniper ist die Zusage, für mindestens zwei Jahre keinen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag anzustreben – obwohl sie nach einer Freigabe der Anteilsaufstockung leicht die dafür nötige Hauptversammlungsmehrheit von 75 Prozent in der Tasche hätten. Zudem soll die Uniper-Zentrale in Düsseldorf erhalten bleiben, auch betriebsbedingte Kündigungen schließt Fortum aus. Uniper hat rund 11.000 Mitarbeiter. So hoffen die Finnen, die Arbeitnehmer, den Vorstand und den Aufsichtsrat auf ihre Seite zu ziehen.

Während der neu formierte Vorstand um CEO Andreas Schierenbeck und den von E.on gekommenen neuen Finanzchef Sascha Bibert deutlich konzilianter auftritt als das Vorgängergespann Klaus Schäfer und Christopher Delbrück, wehren sich die Arbeitnehmer weiter hartnäckig gegen eine Übernahme durch die Finnen. Auch Aufsichtsratschef Bernhard Reutersberg opponiert gegen einen Deal, auf der diesjährigen Hauptversammlung ging er verbal klar auf Distanz zu Fortum. Doch seine Tage im Amt könnten gezählt sein, denn die Geduld der Finnen scheint zu Ende zu gehen: Fortum fordert jetzt unverblümt, „im Einklang mit der Beteiligung zeitnah im Aufsichtsrat von Uniper vertreten zu sein“.

FINANCE-Köpfe

Sascha Bibert, Uniper SE

Sascha Bibert startet seinen beruflichen Werdegang 1999 als Trainee im Asset-Management der Commerzbank, bevor er ein Jahr später zu Allianz Global Investors wechselt und dort Senior-Analyst sowie Fondsmanager mit Sektorschwerpunkt Financials wird. Von 2005 bis 2008 kümmert er sich bei dem Dax-Konzern Munich Re um die Kontakte zu Investoren und Ratingagenturen.

2009 wechselt Bibert zu E.on, wo er fünf Jahre lang die Bereiche Investor Relations, Controlling und Accounting leitet. Parallel übernimmt er eine Board- und Aufsichtsratsrolle beim Unternehmen Energy from Waste, die zum damaligen Zeitpunkt mehrheitlich von der Private-Equity-Gruppe EQT gehalten und später an einen chinesischen Investor verkauft wird. 2014 übernimmt er sein erstes CFO-Mandat und geht dafür in die Türkei zu dem dortigen E.on- und Sabanci Join-Venture Enerjisa, das nach einem Spin-off der Erzeugungs- und Handelsaktivitäten 2018 erfolgreich an der Börse gelistet wird. Im Juni 2019 kommt Bibert zurück nach Deutschland und wird Finanzchef des Energiekonzerns Uniper.

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Diese drei Ziele will Fortum erreichen

Sollten Moskau und Washington den Deal genehmigen, würde Fortum mit der heute angekündigten Transaktion an gleich drei Fronten etwas erreichen: Zum einen wäre es mit der Unruhe und Ungewissheit vorbei, die auf das Konto der Hedgefonds geht. Zuletzt war diesen ihre Ungeduld mit der Pattsituation bei Uniper deutlich anzumerken. Ihre Forderungen an die Uniper-Führung, alternative Wertsteigerungsideen zu verfolgen, wurden lauter.

Die Hedgefonds forderten beispielsweise, Einzelteile zu verkaufen, um stille Reserven aufzudecken, etwa beim wichtigen Russlandgeschäft. Russland ist aber auch für Fortum ein strategisch wichtiger Markt. Ein Rückzug Unipers aus dem Land hätte den strategischen Wert ihrer Uniper-Beteiligung deutlich geschmälert.

Zum zweiten könnte die Aufstockung auf 70 Prozent den Düsseldorfer Widerstand gegen eine tiefere Integration der beiden Unternehmen brechen. Fortum ist überzeugt, „dass die Auflösung der komplexen Beziehungen zwischen allen Beteiligten eine Rückkehr zu Stabilität und einen ausschließlichen Fokus auf das Geschäft ermöglichen wird“.

Zu guter Letzt gäbe es auch noch bilanzielle Auswirkungen: Im Fall einer Genehmigung des Deals könnten die Finnen Uniper voll konsolidieren. Da Uniper deutlich weniger aggressiv finanziert ist, würden sich Fortums Bilanzrelationen trotz der zusätzlichen Belastung durch die an die Hedgefonds fließenden 2,3 Milliarden Euro nicht nennenswert verschlechtern. Die für den Deal nötigen Kredite stellt die britische Barclays Bank.

So reagiert Uniper auf den Fortum-Coup

Die Reaktion der Uniper-Führung auf den Vorstoß aus Finnland ist undurchsichtig. Der Vorstand meldet sich nicht zu Wort. In einer offiziellen Reaktion lässt sich lediglich ein Unternehmenssprecher mit einer Aussage zitieren, die nicht erkennen lässt, wie sich Uniper zu Fortums Griff nach der Mehrheit zu positionieren gedenkt: „Wir gehen davon aus, dass die konstruktiven Gespräche fortgesetzt werden“, ist der Kernsatz der Uniper-Reaktion.

Die Börse hat ihr erstes Urteil dagegen schon gefällt. Aus Enttäuschung darüber, dass der Durchmarsch der Finnen noch mindestens zwei Jahre auf sich warten lässt und die Hedgefonds nicht mehr auf weitere Kursgewinne setzen, sackt die Uniper-Aktie um fast 10 Prozent ab und fällt auf Kurse nahe 27 Euro. Seit Mitte September hatte sie fast durchgängig über 30 Euro notiert.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Mehr Hintergründe zu dem schon lange schwelenden Machtkampf bei dem Düsseldorfer Energiekonzern finden Sie auf der FINANCE-Themenseite zu Uniper.