Condor muss zittern. Nach der geplatzten Übernahme durch Lot braucht die Airline anderweitige Hilfen, zum Beispiel den Einstieg des Staats.

Condor

14.04.20
Deals

Geplatzte Condor-Übernahme: Wie geht es weiter?

Die polnische Airline Lot hat den geplanten Kauf von Condor abgesagt. Jetzt muss wohl der Bund den Ferienflieger über Wasser halten. Doch was kommt danach?

Die Rettung von Condor durch Lot ist geplatzt: Die polnische Staats-Airline hat am gestrigen Montag die Übernahme ohne Begründung abgeblasen. Eigentlich sollte der Deal, der Ende Januar unterzeichnet wurde, in dieser Woche über die Bühne gehen. Der Grund dafür dürfte sein, dass Lot selbst in Folge der Coronakrise Staatshilfe braucht.

Für Condor und für den Bund ist der Rückzieher der Polen ein Problem, hätte Condor den Kauferlös doch für die an diesem Mittwoch fällige Rückzahlung eines KfW-Kredits über 380 Millionen Euro nebst Zinsen gebraucht. Eine Verlängerung der Kreditlinie, mit der sich Condor seit der Pleite des Mutterkonzerns Thomas Cook Ende September über Wasser hielt, hat die Airline nach eigenen Angaben aber noch nicht beantragt. Stattdessen setzt Condor wohl auf eine Notfinanzierung der öffentlichen Hand aus dem Coronavirus-Krisentopf. Zusätzlich könnten noch Barmittel von einem Treuhandkonto kommen, auf das seit dem 1. April Ticketerlöse fließen.

Durch den Absprung von Lot dürfte das Schutzschirmverfahren, in dessen Rahmen der Sanierer Lucas Flöther zur Condor-Führung hinzu gestoßen ist, in Kürze enden. Ein Condor-Sprecher regte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa an, dass nun ein Treuhänder die Regie bei dem Ferienflieger übernehmen könnte.

Übernimmt ein Treuhänder bei Condor?

Diese Perspektive – finanziert vom Staat, geführt vom eigenen Management, verwaltet von einem Treuhänder – könnte für eine längere Zeit der neue Status quo bei Condor werden. Denn selbst wenn der Flugverkehr in absehbarer Zeit wieder anlaufen würde, dürfte es noch lange dauern, bis die Ferienflüge der Condor wieder voll ausgelastet sind. Außerdem werden die im Rahmen des Schutzschirmverfahrens ausgehandelten Kürzungen bei Personal und Gehältern voraussichtlich nicht mehr ausreichen, um Condor in absehbarer Zukunft wieder profitabel wirtschaften zu lassen.

Dies verdüstert auch die Chancen darauf, einen neuen Eigentümer für Condor zu finden, denn auch nach Abebben der Coronapandemie dürfte am M&A-Markt wenig Interesse an einer touristischen Airline bestehen, die auch schon vor der Krise nur sehr niedrige Gewinne eingeflogen hat.

Erst der Staat, dann die Lufthansa?

Dies rückt eine mögliche Lösung ins Blickfeld, die aus kartellrechtlichen Gründen im Winter eigentlich schon verworfen worden war: eine Übernahme von Condor durch die Lufthansa. Die Premium-Airline, die seit Jahren darum kämpft, mit der Tochter Eurowings wieder im Ferienfluggeschäft Fuß zu fassen, signalisierte nach dem Zusammenbruch von Thomas Cook zeitweilig selbst Interesse an Condor. Und auch die Condor-Führung zeigte sich nicht abgeneigt, die Airline wieder unter das Dach der Lufthansa zurückzuführen, wo sie seit ihrer Gründung im Jahr 1956 viele Jahre flog.

Durch die Coronakrise sind in der Zwischenzeit nicht nur Kartellfragen in den Hintergrund gerückt – es sprechen auch noch zwei andere Faktoren für einen Transfer von Condor unter das Dach der Lufthansa: Da wäre zum einen der starke Einfluss, den Berlin in Kürze voraussichtlich bei beiden Airlines ausüben wird, und zum anderen das Thema Flotte.

Denn die Lufthansa könnte der Condor genau das liefern, woran es dort hapert. Condors größter Investitionsbedarf – und damit auch die größte Belastung in jedem M&A-Prozess – ist die überfällige Erneuerung der Langstreckenflotte. Und genau solche Maschinen, wie Condor sie braucht, muss die Lufthansa wegen der absehbaren schwachen Nachfrage nun dauerhaft stilllegen, wie der Konzern vergangene Woche mitteilte.

Einige dieser Flugzeuge könnten künftig für Condor fliegen und damit den Erneuerungsbedarf, der sich auf eine Summe von über 1 Milliarde Euro addiert, zumindest einige Jahre in die Zukunft verlagern. Außerdem setzen beide Konzerne auf der Kurz- und Mittelstrecke auf Jets der Airbus-A320-Familie. Dies lässt auch noch Synergien bei Wartung und Betrieb möglich erscheinen.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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