Allianz

01.12.17
Deals

M&A-Deals: Allianz, Niki, Highlight Communications

Die Allianz plant die milliardenschwere Komplettübernahme von Euler Hermes, die Niki-Übernahme durch die Deutsche Lufthansa wackelt, und Highlight Communications will Constantin Medien kaufen. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Allianz bietet 1,8 Milliarden Euro für Euler Hermes

Der Versicherungskonzern Allianz plant die Komplettübernahme des Kreditversicherers Euler Hermes. Insgesamt will der Konzern über 1,8 Milliarden Euro für die ausstehenden Anteile bezahlen. Derzeit hält der Münchner Dax-Konzern 63 Prozent an Euler Hermes. Den Minderheitsaktionären des Kreditversicherers bietet die Allianz 122 Euro je Aktie.

Nach eigenen Angaben habe sich die Allianz von Aktionären 11,34 Prozent der Euler-Hermes-Aktien gesichert und kontrolliere dadurch rund 74,34 Prozent. Wenn die Anteilsschwelle 95 Prozent übersteigt, beabsichtigt der Konzern, Euler Hermes von der Pariser Börse zu nehmen. Sollte der sogenannte Squeeze-out nicht gelingen, will die Allianz eine Verschmelzung mit dem Kreditversicherer prüfen.

Niki-Übernahme durch Lufthansa wackelt

Die geplante Übernahme der Air-Berlin-Tochter Niki durch die Lufthansa könnte doch noch ins Wanken geraten. Wie verschiedene Medien berichten, will die EU-Kommission den Kauf von Niki aus Wettbewerbsgründen untersagen. Neben der größten deutschen Airline waren nach der Pleite von Air Berlin auch Niki Lauda gemeinsam mit Thomas Cook, sowie die British-Airways-Mutter IAG an Niki interessiert. „Wir hoffen, dass die EU-Kommission ein Interesse an fairem Wettbewerb hat“, sagte Condor-Chef Christoph Debus der „FAZ“. Sollten die Kartellwächter intervenieren, plant Niki Lauda einem Bericht der Nachrichtenagentur Dpa zufolge, zusammen mit Thomas Cook erneut für Niki zu bieten.

Scheitert der Deal, droht Niki noch vor Weihnachten die Insolvenz, denn derzeit finanziert die Lufthansa den Betrieb der Airline. Dies geht aus einem Bericht des „Spiegels“ hervor. Darüber hinaus könnte auch die Rückzahlung des Überbrückungskredits an die Förderbank KfW durch Air Berlin gefährdet sein. Schließlich würde der mit der Lufthansa vereinbarte Kaufpreis von 210 Millionen Euro bei einem Veto aus Brüssel nicht fließen.

Die Lufthansa hat nun aber weitere Zugeständnisse angeboten, gab die EU-Kommission bekannt. Damit verlängert sich die Prüfungsphase bis zum 21. Dezember. Dann könnte Brüssel den Niki-Deal entweder unter Auflagen freigeben oder eine vertiefte Prüfung einleiten, die dann weitere 90 Arbeitstage dauern würde.

Highlight Communications will Constantin übernehmen

Der Schweizer Medienkonzern Highlight Communications will seine ehemalige Konzernmutter Constantin Medien übernehmen. Der Kaufpreis könnte bis zu 151 Millionen Euro umfassen. Highlight hält derzeit 30 Prozent der Constantin-Aktien. Gemeinsam mit der Familie Studhalter bieten die Schweizer nun den übrigen Aktionären 2,30 Euro je Aktie. Im Oktober hatte Highlight noch Gerüchte dementiert, wonach das Schweizer Unternehmen bereits ein Übernahmeangebot für Constantin vorgelegt hätte.

Die Turbulenzen zwischen Highlight und Constantin scheinen somit zu Ende zu gehen. Highlight-CEO Bernhard Burgener, hatte sich einen langwierigen Machtkampf mit dem im August zurückgetretenen Constantin-Aufsichtsrats-Chef Dieter Hahn geliefert. Hahn wollte das Filmgeschäft abspalten und das Unternehmen auf die Sportberichterstattung konzentrieren. Burgener hingegen will das Unternehmen als Ganzes erhalten. 

Neuer Favorit für Übernahme der HSH Nordbank

Im Bieterrennen um die angeschlagene HSH Nordbank hat sich offenbar ein neuer Favorit für die Übernahme herauskristallisiert. Laut der Nachrichtenagentur „Reuters“ soll es sich dabei um den in Deutschland eher unbekannten Finanzinvestor Socrates Capital aus London handeln. Der Agentur zufolge soll der Investor das wirtschaftlich attraktivste Angebot vorleget haben.

Laut FINANCE-Informationen befinden sich jedoch auch die Konkurrenten Apollo sowie das Bieter-Konsortium bestehend aus den Finanzinvestoren Cerberus und Christopher Flowers noch im Rennen um das Finanzinstitut. Eine mit der Sache vertraute Person räumt diesen Spielern große Chancen im Wettstreit um die HSH ein. Bereits mit dem Ende der Bieterfrist wurde spekuliert, dass es sich bei den Interessenten für die norddeutsche Bank ausschließlich um Finanzinvestoren handelt.

Hellman & Friedman verkauft weitere Scout24-Aktien

Manager des Kleinanzeigenportals Scout24 und der US-Finanzinvestor Hellman & Friedman haben erneut ein Scout24-Aktienpaket verkauft. Der Private-Equity-Investor Hellman & Friedman treibt somit seinen Ausstieg weiter voran. 10 Millionen Aktien wurden nach eigenen Angaben zu einem Preis von 34,45 Euro je Aktie bei institutionellen Anlegern platziert. Dadurch floss den Verkäufern brutto ein Erlös von rund 344 Millionen Euro zu. Der verkaufte Aktienanteil entspricht rund 9,3 Prozent des Grundkapitals von Scout24.

Die Investmentbanken Credit Suisse und Morgan Stanley waren die Joint Global Coordinators und Joint Bookrunners der Transaktion. Hellman & Friedman sowie die Manager von Scout24 wurden bei der Transaktion von der Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins (Federführung: Roland Maaß) beraten. Außerdem stand die Finanzberatung Rothschild Hellman & Friedman beratend zur Seite.

M&A-Personalien

Dirk Damegger ist neuer Managing Director im Global-Consumer-&-Retail-Investment-Banking-Team der M&A-Beratung Raymond James. Damegger wechselt von der IKB Deutsche Industriebank zu Raymond James. Bei der IKB hatte der 42-Jährige das Industrie-Team Consumer & Retail geleitet. In seiner neuen Position wird er pan-europäische Mandanten bei M&A, Finanzierungen und Kapitalmarkttransaktionen beraten.

Moritz Kopp, Markus Ley, Maik Benedikt Merkens und Julia Thöle sind mit Wirkung zum 1. Januar 2018 zu Salary-Partnern der Wirtschaftskanzlei Beiten Burkhardt ernannt worden. Darüber hinaus ist in diesem Jahr auch Winfried Richardt als Salary Partner zur Wirtschaftskanzlei gewechselt.

Weitere M&A-Deals

Der Chemiekonzern BASF und der Investmentfonds Letter One überlegen, ihre Öl- und Gas-Geschäfte zusammenzulegen. Aktuell hat Letter One diese Unternehmenssparte in der Dea-Gruppe gebündelt. Entsprechende Gespräche würden derzeit geführt, so BASF in einer Pressemitteilung. Geplant sei derzeit, dass der Chemiekonzern die Aktienmehrheit an dem Gemeinschaftsunternehmen halten soll. Mittelfristig wäre auch ein Börsengang denkbar. Eine finale Entscheidung sei bisher nicht gefallen. Der Geschäftsbereich Öl & Gas der BASF-Gruppe verbuchte im Jahr 2016 einen Umsatz von rund 2,8 Milliarden Euro.

Das Versicherungsunternehmen Ergo hat den Verkauf seiner deutschen Lebensversicherungsgesellschaften mit Klassikbeständen eingestellt. Wie das Unternehmen mitteilte, würden die vorliegenden Angebote nicht den aktuellen Wert des Bestands widerspiegeln. Brancheninsidern zufolge soll Ergo einen Kaufpreis von 2 Milliarden Euro für die Versicherungen verlangt haben.

Der Spezialchemiekonzern Evonik übernimmt das Additivgeschäft des US-amerikanischen Technologiekonzerns 3M. Mit dem Zukauf will der Essener Konzern laut eigenen Angaben sowohl sein Produktportfolio als auch seine Kompetenzen im Bereich der Spezialadditive ausbauen. Spezialadditive werden bei der Verarbeitung von Kunststoffen eingesetzt. Der Abschluss der Transaktion wird für das erste Quartal 2018 erwartet. Bei der Transaktion wurde Evonik von der Wirtschaftskanzlei Taylor Wessing (Federführung: Martin Gerner) beraten.

Der Automobilzulieferer Preh übernimmt E-Power, eine Geschäftseinheit des Konkurrenten Kongsberg Automotive. E-Power entwickelt und vermarktet seit 2011 On-Board-Ladegeräte, die im Antriebsstrang von Elektro- und Hybridfahrzeugen zum Einsatz kommen. Die Geschäftseinheit beschäftigt derzeit 20 Mitarbeiter an zwei Entwicklungsstandorten in Schweden. Mit der Übernahme beabsichtigt Preh seine Aktivitäten im Bereich E-Mobility auszubauen. Die Transaktion soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.

Die Münchener Beteiligungsgesellschaft Emeram Capital Partners hat in die Unternehmen Meona und E.Care investiert. Meona bietet eine Software für die Patientenversorgung und das Patientenmanagement an, E.Care entwickelt Software-Lösungen zur Unterstützung von Behandlungsprozessen in Krankenhäusern. Die Meona-Gesellschafter wurden bei der Transaktion von der Wirtschaftskanzlei Friedrich Graf von Westphalen & Partner (Federführung: Hendrik Thies und Frank Jungfleisch) beraten. Die Kanzlei Jones Day, die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Roever Broenner Susat Mazars, die Management-Beratung Codex Partners, die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien und das Beratungsunternehmen Willis Towers Watson haben Emeram Capital Partners bei der Transaktion unterstützt.

Die Private-Equity-Gesellschaft Steadfast Capital hat die AVS-Gruppe, einen Anbieter von Verkehrssicherheitsdienstleistungen, an den PE-Investor Triton und an das AVS Management verkauft. Steadfast Capital hatte das Unternehmen 2013 im Rahmen eines Management Buy-outs übernommen.

Die Beteiligungsgesellschaft Ergon Capital Partners hat die SVT Holding, einen Hersteller von Brandschutzprodukten und –systemen, von dem Private-Equity-Investor IK Investment Partners erworben. Auch das Management von SVT hat sich im Rahmen der Transaktion an dem Unternehmen beteiligt. Nach eigenen Angaben erwirtschaftet SVT mit 450 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 115 Millionen Euro. Die Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins (Federführung: Oliver Felsenstein) hat Ergon Capital Partners bei der Transaktion beraten.

Das Schweizer Spezialchemie-Unternehmen Sika übernimmt die Faist Chemtec Group, einen Anbieter von Akustiksystemen für die Autoindustrie, von der Investmentgesellschaft L-GAM. Das Wormser Unternehmen beschäftigt weltweit 840 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von 190 Millionen Schweizer Franken (rund 163 Millionen Euro). L-GAM wurde beim Verkauf von der M&A-Beratung Rothschild, der Rechtsanwaltskanzlei Milbank, Tweed, Hadley & McCloy sowie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young unterstützt. Die Anwaltskanzlei Baker & McKenzie hat Sika beim Zukauf beraten.

Der Autozulieferer Elring Klinger plant gemeinsam mit dem chinesischen Unternehmen Sichuan Chengfei Integration Technology (CITC) die Gründung eines Joint Ventures. Im Rahmen dieses Gemeinschaftsunternehmens wollen die Unternehmen im Bereich der Batterietechnologie zusammenarbeiten. Im Detail sollen Lithium-Ionen-Batteriemodule für den Automobilmarkt entwickelt, gefertigt und vertrieben werden. Das Joint Venture soll zunächst zehn Jahre laufen.

Conductix-Wampfler, ein Hersteller von Systemen für die Energie- und Datenübertragung, plant die Übernahme von LJU Automatisierungstechnik, ein Anbieter von Steuerungssystemen und Kommunikationslösungen. Ein entsprechender Kaufvertrag ist mit dem Verkäufer Grenzebach Maschinenbau unterzeichnet worden. Die Unternehmen rechnen noch in diesem Jahr mit einem Abschluss der Transaktion. Die Verkäuferseite wurde von der Kanzlei CMS Hasche Sigle (Federführung: Jacob Siebert) beraten, während die Conductix Wampfler von der Wirtschaftskanzlei Friedrich Graf von Westphalen & Partner (Federführung: Barbara Mayer), der US-Kanzlei Koley Jessen und der Kanzlei IPO Pang Xingpu aus Shanghai begleitet wurde.

Der Getriebehersteller Hör Technologie, der zur Private-Equity-Gesellschaft VR Equitypartner gehört, übernimmt den Produzenten von Dreh- und Fräsprodukten Fischer CNC-Technik. Laut eigenen Angaben erwirtschaftete Fischer im Geschäftsjahr 2016 mit 46 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 5,6 Millionen Euro.

Der Hamburger Medienkonzern Bauer Media hat das Frauen-Magazin „Madame“ vom Konkurrenten Media Group Medweth übernommen. Laut eigenen Angaben will Bauer mit dem Zukauf sein Portfolio von Frauen-Magazinen erweitern. Bei der Transaktion wurde das Hamburger Verlagshaus von der Wirtschaftskanzlei Noerr (Federführung: Volker Land und Stephan Schulz) beraten. Der Verkäufer wurde von der Kanzlei Beiten Burkhardt (Federführung: Holger Weimann) und der M&A-Beratung Goetzpartners (Federführung: Gernot Wunderle) begleitet. 


Die beiden Finanzinstitute Sparda-Bank Münster und Sparda-Bank West verhandeln über eine Fusion. Laut eigenen Angaben sei man zuversichtlich, dass die Verhandlungen reibungslos verlaufen werden. Das neu geschaffene Institut soll künftig unter dem Namen Neue Sparda-Bank West firmieren. Einer Mitteilung der Banken zufolge, wird sich die Bilanzsumme des fusionierten Instituts auf rund 11,3 Milliarden Euro belaufen.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

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