Der Verpackungshersteller Gerresheimer will sein Wachstum in der Schweiz forcieren und übernimmt Sensile Medical.

Gerresheimer AG

13.07.18
Deals

M&A-Deals: Gerresheimer, Comdirect, Messer

Gerresheimer kauft Sensile Medical, Comdirect trennt sich von seiner Tochter Ebase und Messer könnte kurz vor der Übernahme von Linde- und Praxair-Teilen stehen. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Gerresheimer kauft Sensile Medical

Der Verpackungshersteller Gerresheimer kauft die Schweizer Medizintechnikfirma Sensile Medical. Der Kaufpreis soll sich eigenen Angaben zufolge auf maximal 350 Millionen Euro belaufen. Der finale Betrag sei von vertraglich festgelegten Zielen abhängig. Gerresheimer wird in einer ersten Tranche 175 Millionen Euro an die bisherigen Eigentümer überweisen. Wie das Düsseldorfer Unternehmen mitteilte, soll mit dem Zukauf das Geschäft mit Mikropumpen für medizinische Anwendungen ausgebaut werden.

Comdirect verkauft Tochter Ebase

Die Commerzbank-Tochter Comdirect verkauft ihre Tochtergesellschaft, die European Bank for Financial Services (Ebase). Käufer ist der britische Finanztechnologieanbieter FNZ. Der Kaufpreis beträgt laut eigenen Angaben 151 Millionen Euro. Der M&A-Deal, der noch von der Bankenaufsicht und den Kartellbehörden freigegeben werden muss, soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Comdirect wurde vom M&A-Team des Bankhauses Lampe und der Kanzlei Noerr beraten. FNZ wurde von Kirkland & Ellis (Federführung: Gavin Gordon und Bernhard Guthy) beraten. Ebase war seit 2009 Teil der Comdirect-Gruppe und verwaltete ein Kundenvermögen von rund 31 Milliarden Euro.

Messer soll Linde- und Praxair-Teile übernehmen

Der Industriegaseproduzent Messer und der Finanzinvestor CVC sollen Geschäftsteile von Linde und Praxair kaufen. Wie Linde mitteilte, würde über die Veräußerung von „überwiegenden Teilen“ des Nordamerikageschäfts des Münchener Konzerns verhandelt. Außerdem würden auch Verkaufsgespräche über Teile des Südamerikageschäfts von Linde und Praxair geführt. Die beiden Gas-Konzerne Linde und Praxair haben sich im Dezember 2016 auf eine milliardenschwere Fusion geeinigt. Beide Unternehmen gehen davon aus, dass sie im Zuge des Zusammenschlusses Teile ihres Geschäfts verkaufen müssen, um die Freigabe der Kartellbehörden zu erhalten.  

PE-Investor EQT schafft Exit bei Schweizer Sportradar

Die schwedische Private-Equity-Gesellschaft EQT hat ihre 35-Prozent-Beteiligung an dem Schweizer Sportdatenanbieter Sportradar verkauft. Neben EQT haben auch weitere Minderheitsaktionäre ihre Beteiligungen abgestoßen. Bei den Käufern handelt es sich um ein Konsortium bestehend aus der Private-Equity-Gesellschaft TCV und dem Canadian Pension Plan Investment Board (CPPIB). Gemeinsam halten TVC und CPPIB nun 50 Prozent der Anteile an Sportradar. Die Transaktion wird mit 2,4 Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Euro) bewertet. Sportradar-Mehrheitseigner Carsten Koerl und EQT hatten sich bereits im März auf die Einleitung des Verkaufsprozesses geeinigt. Freshfields Bruckhaus Deringer hat EQT bei dem Verkauf beraten. Sportradar wurde bei der Transaktion von Brandl & Talos (Federführung: Thomas Talos und Roman Rericha) unterstützt.

Evonik treibt Verkauf von Methacrylat-Geschäft voran

Der Spezialchemiekonzern Evonik hat offenbar weitere Vorbereitungen für den Verkauf seines Methacrylat-Geschäfts getroffen. Das Unternehmen habe erste Informationsprospekte verschickt, berichtet die Nachrichtenagentur „Reuters“ unter Berufung auf mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen. Die Prospekte sollen sowohl an Unternehmen aus der Chemiebranche wie etwa Sabic oder die chinesische Wanhua, als auch an Finanzinvestoren wie Advent, Carlyle und Blackstone gegangen sein. Dem Bericht zufolge wird mit Offerten von 2,5 bis 3 Milliarden Euro gerechnet. Erste Gebote sollen im Oktober abgebeben werden, Gespräche mit ernsthaften Interessenten im Herbst beginnen. Evonik wird laut „Reuters“ bei der Transaktion von Barclays beraten.  

Weitere Meldungen

Der Energiekonzern E.on hat sich weitere 5,5 Prozent an der RWE-Tochter Innogy gesichert. Durch den Zukauf bauen die Essener ihren Anteil an Innogy auf knapp 82,3 Prozent aus. E.on bot den Anteilseignern 38,40 Euro je Aktie. Eine zweite Angebotsfrist mit den gleichen Konditionen läuft noch bis zum 25. Juli. E.on hatte sich bereits im März die Mehrheit bei Innogy gesichert, nachdem der Konzern 76,8 Prozent der Anteile von RWE übernommen hatte.

Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) hat dem Kauf der angeschlagenen Steinhoff-Tochter Kika/Leiner durch den Immobilieninvestor René Benko offenbar zugestimmt. Aufgrund der Dringlichkeit habe die BWB den Zusammenschluss noch vor Fristablauf freigegeben, berichtet der österreichische „Standard“ und bezieht sich dabei auf Aussagen des BWB-Chefs Theodor Thanner. Erst vor wenigen Wochen gab Benko den Kauf Kika/Leiners über seine Signa-Gruppe bekannt. Offiziell ist über den Kaufpreis nichts bekannt, übereinstimmenden Medienberichten zufolge soll sich dieser jedoch auf rund 500 Millionen Euro belaufen.

Der deutsche Baukonzern Hochtief hat für die Übernahme des spanischen Autobahnbetreibers Abertis nun auch die Genehmigung der zuständigen Behörden in Brüssel erhalten. Nach einer Prüfung werfe das geplante Geschäft keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken auf, heißt es in einer Mitteilung der Wettbewerbshüter. Laut früheren Angaben des Unternehmens soll der Kaufpreis für Abertis bei 18,2 Milliarden Euro liegen. Hochtief hatte sich im März mit seinem Mutterkonzern ACS und dem italienischen Autobauer Atlantia darauf geeinigt, Abertis gemeinsam zu übernehmen.

Eine bevorstehende Fusion zwischen den Kaufhausketten Kaufhof und Karstadt stehe laut Kaufhof-Mutter Hudsond’s Bay Company (HBC) offenbar noch nicht endgültig fest. Es würden zwar Gespräche geführt, jedoch gebe es „keine Garantie, dass solche Verhandlungen letztendlich zu einer Transaktion führen werden“, teilte HBC mit. Vergangene Woche wurde bekannt, dass HBC und der Karstadt-Eigentümer René Benko eine entsprechende Absichtserklärung unterschrieben haben.

Der IT-Anbieter Bechtle übernimmt vom US-Konzern Systemax dessen französische Tochter Inmac Wstore. Eine entsprechende Vereinbarung sei am Mittwoch unterzeichnet worden, teilte Bechtle mit. Eigenen Angaben zufolge ist dies die größte Übernahme in der Firmengeschichte des Unternehmens aus Neckarsulm bei Heilbronn. Laut „Handelsblatt“-Informationen beziffert ein Sprecher den Kaufpreis auf einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. Inmac Wstore verzeichnete 2017 mit mehr als 400 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 420 Millionen Euro. Bechtle wurde bei der Transaktion von der Wirtschaftskanzlei CMS (Federführung: Tobias Schneider) beraten.

Der Systemanbieter für Elektromobilität Voltabox übernimmt den amerikanischen Batteriesystemhersteller Navitas Systems. Der Zukauf beläuft sich auf ein Volumen von 43 Millionen Dollar (rund 36,5 Millionen Euro) und muss noch von den amerikanischen Behörden genehmigt werden. Voltabox wurde bei der Transaktion von der Wirtschaftskanzlei Norton Rose Fulbright (Federführung: Frank Peter Regelin und Justin Long) beraten. Im Geschäftsjahr 2017 betrug der Umsatz von Voltabox, hinter dem der PE-Investor Paragon steht, eigenen Angaben zufolge rund 27 Millionen Euro.

Die Klinikgruppe Median, ein Portfoliounternehmen des PE-Investors Waterland, hat das nordhessische Klinikzentrum Mühlengrad erworben. Der Kaufvertrag sei Ende Juni unterzeichnet worden, heißt es in einer Pressemitteilung. Vorbehaltlich der kontrollrechtlichen Freigaben soll Mühlengrad noch in diesem Jahr in Median übergehen. Erstmals investierte Waterland 2011 in die Klinikgruppe (damals noch RHM-Kliniken). Seitdem sei der Umsatz Medians bis heute eigenen Angaben zufolge von 70 Millionen auf 1 Milliarde Euro gestiegen.

Das in Indien und in den USA ansässige Technologieunternehmen HCL Technologies hat den deutschen IT- und Engineering-Dienstleister H&D International Group übernommen. Dazu zählen neben den insgesamt 15 Konzerngesellschaften auch die Tochtergesellschaften in den USA und der Tschechischen Republik. HCL wurde bei der Übernahme von DLA Piper (Federführung: Isaschar Nicolaysen und Benjamin Parameswaran) beraten.

Die M&A-Boutique Alantra übernimmt den Geschäftsbereich Portfolio Solutions von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG Großbritannien. Die Sparte ist auf die Beratung von Finanzdienstleistern mit Blick auf nicht zum Kerngeschäft gehörende notleidende Vermögenswerte spezialisiert. Die Transaktion muss noch von den Behörden genehmigt werden. Der Deal passt zu der aktuellen Strategie von Alantra, die vor allem den Ausbau des Debt-Advisory vorsieht.

Die Beteiligungsgesellschaft Premium Equity Partners hat den Folienproduzenten Clarus Films mit Sitz in Dietzenbach bei Frankfurt übernommen. Der Finanzinvestor wurde bei der Transaktion von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ebner Stolz und der Wirtschaftskanzlei CMS (Federführung: Tobias Schneider) beraten.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.