M&A-Deals: Der Hamburger Reedereikonzern Hapag-Lloyd plant den Zusammenschluss mit UASC.

Hapag-Lloyd

01.07.16
Deals

M&A-Deals: Hapag-Lloyd, Scope, Flixbus

Die Reederei Hapag-Lloyd hat die Fusion mit UASC festgezurrt, die Ratingagenturen Scope und Feri wollen sich zusammenschließen und Flixbus kauft das Europageschäft von Megabus. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Hapag-Lloyd bereitet Fusion vor

Die geplante Fusion der Reederei Hapag-Lloyd mit der United Arab Shipping Company (UASC) ist festgezurrt. Die beiden Konzerne haben sich auf die Bedingungen eines Vertrages über den Zusammenschluss verständigt, hieß es in einer Mitteilung der Hamburger. UASC bringe demnach alle Aktien in Hapag-Lloyd ein. Der Aufsichtsrat Hapag-Lloyds hat dieser Transaktion unter dem Vorbehalt zugestimmt, dass die Ankeraktionäre der Hapag-Lloyd und der UASC die für sie in dem Business Combination Agreement (BCA) vorgesehenen Verpflichtungen übernehmen. Außerdem sei der Abschluss der verbindlichen Verträge von der Zustimmung der Gesellschafter der UASC abhängig.

Scope übernimmt Rating-Sparte von Feri

Die Ratingagentur Scope übernimmt mit Wirkung zum 1. August den Wettbewerber Feri EuroRating Services. Mit dem M&A-Deal erweitert Scope sein Angebot um die Bereiche Sovereign Credit Ratings, Investmentfondsanalysen und Immobilienresearch. Auf diese Weise will sich Scope als Alternative zu den US-amerikanischen Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch etablieren. Die Feri Gruppe will sich mit dem Verkauf seines Ratinggeschäfts auf ihr Kerngeschäft als Investmenthaus konzentrieren. Als Berater hatte Feri GSK Stockmann & Kollegen unter Federführung von Uwe Jäger mandatiert.

Flixbus macht M&A-Deal mit Megabus

Der Fernbusanbieter Flixbus kauft dem Wettbewerber Megabus das Geschäft auf dem europäischen Kontinent ab. Die Geschäftsaktivitäten sollen schon zum Juli-Beginn in das Flixbus-Angebot integriert werden. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

Megabus gehört bislang zur Stagecoach Group, einem Verkehrsunternehmen mit Fokus auf Großbritannien und Nordamerika. Erst Anfang 2015 hatten Flixbus und der Konkurrent MeinFernbus sich auf dem deutschen Markt zusammengetan. Bei der aktuellen Transaktion wird Flixbus durch die Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells unter Federführung von Nikolas Zirngibl beraten.

US-Investor Guy Wyser-Pratte steigt bei Stada ein

Der US-amerikanische Investor Guy Wyser-Pratte hat sich an dem Arzneimittelhersteller Stada beteiligt, wie das Handelsblatt berichtete. Der aktivistische Investor hält demzufolge bislang zwar noch weniger als 3 Prozent der Aktien, will seinen Anteil jedoch ausbauen. Bei Stada habe er dem Bericht zufolge bereits bemängelt, dass das Unternehmen zu klein und zu lokal aufgestellt sei. Er fordert einen Zusammenschluss mit einem international tätigen Unternehmen. Stada war in den vergangenen Wochen bereits ins Visier von dem aktivistischen Aktionär Active Ownership geraten. Zudem haben zwei Kinder der Familie Retzlaff sich jeweils von Aktien über rund 130.000 Euro getrennt.

Fusion in der Stahlbranche steht bevor

Der Stahlkonzern ThyssenKrupp bereitet einen Zusammenschluss mit der Stahlsparte des indischen Konzerns Tata vor, wie das „Manager Magazin“ berichtete. Die Gerüchte um die Fusion halten sich schon seit Wochen hartnäckig. Demnach könne bereits in wenigen Wochen eine grundsätzliche Einigung getroffen werden. ThyssenKrupp und Tata wollen ein Gemeinschaftsunternehmen gründen, an dem beide mit je der Hälfte beteiligt sein sollen.

Sanofi und Boehringer Ingelheim schließen M&A-Deal ab

Die Pharmakonzerne Sanofi und Boehringer Ingelheim haben sich vertraglich auf den geplanten Tausch zweier Sparten geeinigt. Boehringer Ingelheim übernimmt in diesem Zuge das Tiermedizingeschäft von Sanofi und gibt dafür sein Geschäft mit rezeptfreien Mitteln ab. Der M&A-Deal soll bis Jahresende vollzogen werden, die Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus.

Boehringer zahlt im Rahmen des Tauschgeschäfts zusätzlich noch 4,7 Milliarden Euro, um den Wertunterschied der Sparten auszugleichen. Die Sanofi-Sparte Merial, die Boehringer übernimmt, wird mit 11,4 Milliarden Euro bewertet. Die Konzerne hatten ihre M&A-Pläne bereits Ende letzten Jahres angekündigt. Beide wollen sich auf diese Weise stärker spezialisieren. Boehringer Ingelheim wurde bei der Transaktion durch die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer unter Leitung von Jennifer Bethlehem und Jochen Dieselhorst beraten.

Hannes Winkler übernimmt Frauenthal Holding

Die Frauenthal Holding hat einen neuen Mehrheitseigner. Der stellvertretende Aufsichtsratschef Hannes Winkler kontrolliert den österreichischen Automobilzulieferer künftig über seine Beteiligungsunternehmen Ventana Holding und EPE European Private Equity.

Diese Unternehmen haben die Tridelta Heal Beteiligungsgesellschaft übernommen, der wiederum die Hauptaktionärin von Frauenthal, die FT Holding, gehört. Die FT Holding hält 74,24 Prozent der Anteile an der Frauenthal Holding. Die Ventana Holding wird nun ein Pflichtangebot zur Übernahme der restlichen Aktien abgeben.

Kuka einigt sich mit chinesischem Investor Midea

Der Roboterhersteller Kuka geht offenbar doch in chinesische Hände über: Das Unternehmen hat einen Investorenvertrag mit dem Hausgerätehersteller Midea abgeschlossen. Kuka bekomme demnach langfristige Garantien für weltweite Standorte und Stellen und wird bis 2023 weitgehend unabhängig bleiben. Deutsche Politiker hatten in den vergangenen Wochen immer wieder Bedenken geäußert, dass durch die Übernahme deutsche Know-how ins Ausland abwandern könnte und Arbeitsplätze verloren gehen könnten.

Bislang hält Midea über 13 Prozent der Kuka-Anteile. Für die übrigen Aktien zahlt Midea je 115 Euro. Für den Maschinen- und Anlagenbauer Voith, dem 25,1 Prozent der Anteile gehören, würde dies einen Erlös von rund 1,15 Milliarden Euro bedeuten.

Carlyle beteiligt sich an Schön Klinik

Der US-Finanzinvestor Carlyle will sich mit einer Minderheit an der Krankenhauskette Schön Klinik beteiligen. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Auf diese Weise will das bayerische Unternehmen seine Expansion finanzieren. Details der Beteiligung sind nicht bekannt.

Der Wert der Schön Klinik soll Insidern zufolge bei rund 1,5 Milliarden Euro liegen. Auch die Investoren CVC und EQT waren dem Bericht zufolge an einer Beteiligung interessiert.

Daimler kauft Flottenmanager Athlon Car Lease

Daimler Financial Services kauft für 1,1 Milliarden Euro das niederländische Unternehmen Athlon Car Lease International. Der Flottenmanager gehört bislang der Rabobank-Tochter De Lage Landen International Gruppe.

Mit dem M&A-Deal will Daimler sein Portfolio an betreuten Fahrzeugen im Geschäftsfeld Fleet Management vervierfachen – auf rund 340.000 Fahrzeuge. Der Zukauf muss noch von den Kartellbehörden und verschiedenen Gremien abgesegnet werden. Daimler Financial Services strebt den Abschluss des Deals im vierten Quartal an.

M&A-Personalien

Florian Breitreiner und Matthias Nordmann werden zum 1. Juli neue Partner der Wirtschaftskanzlei Dentons. Sie wechseln von Norton Rose Fulbright. Breitreiter berät unter anderem mittelständische Unternehmen bei M&A-Deals. Nordmann ist auf Kartellrecht spezialisiert, wo er unter anderem Fusionskontrollverfahren begleitet.

Weitere M&A-Deals

Die indische Somani Group will sich im Rahmen einer finanziellen Restrukturierung an SKW Stahl-Metallurgie beteiligen. Dafür soll das Grundkapital von SKW Stahl zuerst herabgesetzt und anschließend durch eine Barkapitalerhöhung erhöht werden. Auf diesem Weg will Somani mindestens 51 Prozent der Anteile an SKW Stahl erhalten. Zudem führt Somani Gespräche mit dem Hauptaktionär First Holding über eine Beteiligung an der Kapitalmaßnahme.

Der Energiekonzern RWE hat einen Namen für sein vor der Abspaltung stehendes Geschäft mit Netzen, Vertrieb und Ökostrom gefunden. Das neue Unternehmen soll Innogy heißen. Der Name stehe für Inovation und Technologie im Energiemarkt. Wenn es nach dem Konzern geht, soll die Sparte noch in diesem Jahr an die Börse gehen. In einem ersten Schritt sollen rund 10 Prozent der Anteile im Rahmen einer Kapitalerhöhung veräußert werden.

Der PE-Investor Perusa Partners Fund II verkauft seine Mehrheitsbeteiligung an dem schwedischen IT-Sicherheitsunternehmen Coresec. Die Anteile übernehmen Investcorp und sein Beteiligungsunternehmen Securelink Group. Coresec erzielt einen Umsatz von rund 90,5 Millionen Euro.

Der Versicherungskonzern Allianz hat sich im Rahmen einer Kapitalerhöhung an dem Start-up Simplesurance beteiligt. Das Unternehmen bietet E-Commerce-Cross-Selling-Lösungen für den digitalen Vertrieb von Versicherungsprodukten an. Bei der Transaktion wurde die Allianz durch die Kanzlei Gütt Olk Feldhaus unter Federführung von Heiner Feldhaus beraten.  

Der Schweizer Vermögensverwalter GAM Holding kauft Cantab Capital Partners, einen Multi-Strategie-Manager mit Sitz in Großbritannien. Der Kaufpreis umfasst eine Barkomponente in Höhe von 217 Millionen Euro sowie eine aufgeschobene Zahlung, die von zukünftigen Erträgen abhängig ist. Die Übernahme soll in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen werden. Mit dem M&A-Deal diversifiziert GAM seine Anlagelösungen. Zudem lanciert das Unternehmen GAM Systematic, eine Plattform für quantitative Anlagestrategien.

Der Chemiehandelskonzern Brenntag übernimmt das südafrikanische Unternehmen Warren Chem, einen Distributeur für Spezialchemikalien. Warren Chem erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 26,6 Millionen Euro. Die Übernahme soll in den kommenden Monaten abgeschlossen werden.

Der Konzern Südzucker will über sein österreichisches Tochterunternehmen Agrana eine strategische Partnerschaft mit dem serbischen Unternehmen Sunoko eingehen. In diesem Zuge will Agrana eine Mehrheitsbeteiligung an Sunoko erwerben. Allerdings sind noch Due-Diligence-Prüfungen sowie die Zustimmung des jeweiligen Aufsichtsrats erforderlich. Auch die kartellrechtliche Freigabe steht noch aus.

Der von dem Beteiligungsunternehmen ECM Equity Capital verwaltete Fonds German Equity Partners IV hat die Mehrheit an dem Sprachdienstleister Wieners+Wieners erworben. Abgegeben hat die Anteile das Beteiligungsunternehmen Caldec Holding, das allerdings genau wie das Management weiterhin beteiligt bleibt. Der Deal wird zum 30. Juni abgeschlossen. Die Käuferseite wurde durch Ernst & Young, Allen & Overy, King & Wood Mallesons, Goetzpartners und Willis beraten. Für Caldec waren Freshfields Bruckhaus Deringer, William Blair und Deloitte tätig.

Die Versicherungsgruppe Die Bayerische übernimmt sämtliche Anteile an dem Schweizer E-Commerce-Unternehmen Sum.cumo. Der Deal ist Teil der Digitalisierungsstrategie des Konzerns. Weitere Details sind jedoch nicht bekannt.

Der österreichische Automobilzulieferer Megatech Industries hat den Branchenkollegen Boshoku Automotive Europe von Toyota Boshoku Europe übernommen. Die Höhe des Kaufpreises ist nicht bekannt. Als Berater hatte Megatech Industries ein Team von Eisenberger & Herzog unter der Leitung von Marcus Benes, Marco Steiner, Saša Stojanović und Laurenz Liedermann sowie ein Team von Beiten Burkhard um Axel Goetz, Michael Ziegler und Markus Ley beauftragt.

Der PE-Investor VR Equitypartner hat sich mit einer Minderheit an dem Medizintechnikunternehmen Schwa-Medico Gruppe beteiligt. Das Unternehmen erwirtschaftete einen Umsatz von rund 45 Millionen Euro. Die Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus. Beraten wurde VR Equitypartner bei der Transaktion durch Baker Tilly Roelfs unter Leitung von Dietmar Flügel und Henning Heuser.

Bei Steinhoff scheitert nach der geplanten Darty-Übernahme erneut ein M&A-Deal. Der Möbelhändler hat mitgeteilt, dass die britische Handelskette Poundland das Übernahmeangebot abgelehnt hat. Der Konzern überdenkt seine Position und wird weitere Schritte ankündigen.

Das auf Förder- und Aufbereitungstechnik spezialisierte Unternehmen Rema Tip Top hat das Fördertechnikunternehmen H. Gulich’s Nachf. Fördertechnik übernommen. Dabei wurde die Verkäuferseite durch Rödl & Partner unter Leitung von Michael Wiehl und Christian Hellbardt sowie durch die Ossig Steuerberatungsgesellschaft beraten. Für Rema Tip Top war dbs Delta Business Service tätig.

Der Finanzinvestor Aurelius hat Working Links, einen Anbieter von Sozial- und Wiedereingliederungsleistungen, übernommen. Das Unternehmen ist in Großbritannien, Irland und im Nahen Osten tätig. Den Kaufpreis nannten die Unternehmen nicht. Der Umsatz von Working Links liegt bei rund 160 Millionen Euro.

Der Automobilzulieferer Schaufler Tooling fusioniert mit der Fischer Tool & Die Corp. Das Bankenkonsortium, das den Deal finanziert, wurde durch die Kanzlei P+P Pöllath + Partners und Karl F. Balz beraten.

Das auf digitale Zahlungslösungen spezialisierte Unternehmen Sandpiper Digital Payments hat seine Beteiligung an Intercard auf über 50 Prozent ausgebaut. Details des Deals sind nicht bekannt.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.