Rüstungs-Deal auf dem deutschen Markt
Das Münchener Rüstungs-Start-up Helsing hat den bayerischen Flugzeughersteller Grob Aircraft übernommen. Diese Akquisition markiert einen bedeutenden Schritt für Helsing, das sich auf KI-Software für den Verteidigungssektor spezialisiert hat. Mit der Übernahme erweitert Helsing seine Expertise im Bereich der Luftfahrttechnologie, um KI-basierte Drohnen zur Verteidigung herzustellen. Grob Aircraft beliefert die Luftstreitkräfte mehrerer Nationen.
Der Zukauf von Grob Aircraft ermöglicht es Helsing, seine Hardwarekompetenzen zu stärken, da reine Softwarelösungen im Verteidigungssektor selten sind. „Wir sind beide absolut entschlossen, die Souveränität in Europas Verteidigungsindustrie zu stärken“, betonte der Mitgründer und Co-Chef von Helsing, Gundbert Scherf. Finanzielle Details der Transaktion wurden nicht bekannt gegeben.
Ein Noerr-Team (Federführung: Ira Tsoures, Dominik Rompza und Christian Pleister), Norton Rose Fulbright (Federführung: Frank Henkel, Nicolas Daamen und Markus Radbruch) sowie Wirtschaftskanzlei SKW Schwarz haben Grob Aircraft bei dem Verkauf beraten.
Bluesun übernimmt ostdeutschen Spülmittelhersteller Fit
Die spanische Bluesun-Gruppe hat den ostdeutschen Spülmittelhersteller Fit übernommen. Der bisherige Eigentümer Wolfgang Groß zieht sich aus Altersgründen zurück. Die Traditionsmarke Fit bleibt mit ihren rund 290 Beschäftigten am Standort Hirschfelde bei Zittau bestehen. Das Unternehmen erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von 377 Millionen Euro. Neben Fit gehören auch Marken wie Rei in der Tube und Kuschelweich zum Portfolio. Der Kaufpreis bleibt vertraulich.
Bluesun plant, mit der Übernahme neue Märkte zu erschließen und die Präsenz der Fit-Marken in Südeuropa, Frankreich und in weiteren Regionen zu stärken. Die Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells (Federführung: Matthias Jaletzke) hat Wolfgang Groß bei der Veräußerung rechtlich beraten. Noerr (Federführung Dorian Legel, Martina Buller und Andreas Naujoks) hat Bluesun als deutscher Counsel bei der Finanzierung zum Erwerb von Fit rechtlich beraten.
Startschuss des Rennens um ProSieben.Sat1 ist gefallen
Die Aktionäre des Medienkonzerns ProSiebenSat.1 haben seit dem vergangenen Mittwoch die Qual der Wahl, denn die tschechische PPF-Gruppe hat offiziell ein Übernahmeangebot vorgelegt und bietet 7 Euro pro Aktie. Dieses Angebot stellt eine Alternative zum bisherigen Angebot des italienischen Medienkonzerns MFE dar, das aus 4,48 Euro in bar besteht. Die Aktionäre haben bis zum 13. August Zeit, das Angebot von PPF anzunehmen.
PPF, das bereits 16 Prozent der Anteile hält, plant, seinen Anteil auf 29,99 Prozent zu erhöhen. Die Gruppe sieht in ihrem Angebot eine attraktive Möglichkeit für Aktionäre, ihren Beteiligungswert zu realisieren, ohne die Risiken einer Umstrukturierung tragen zu müssen, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Angebotsprospekt hervorgeht.
MFE, unter der Leitung von Pier Silvio Berlusconi, ist derzeit der größte Aktionär von ProSiebenSat.1 und hat mit seinem Angebot die 30-Prozent-Schwelle überschritten, ohne ein Pflichtangebot abgeben zu müssen. Beide Unternehmen drängen darauf, dass ProSiebenSat.1 sich auf das Kerngeschäft TV und Unterhaltung konzentriert. Die Wirtschaftskanzlei Freshfields berät ProSiebenSat.1 bei dem Übernahmeangebot durch den MFE sowie dem Teilerwerbsangebot der PPF Gruppe.
Weitere M&A-Deals
KTM Sportcar, Tochter von KTM, erhält eine neue Eigentümerstruktur durch eine internationale Investorengruppe, deren Namen nicht bekannt ist. Diese fokussiert sich auf Technologie, Innovationen und die Internationalisierung der Marke KTM X-BOW. Besonders die straßenzugelassenen Supersportwagen und ein neu geschaffener Offroad-Bereich sollen gestärkt werden. KTM bleibt als Lizenzgeber verbunden.
Die Hamburger Hafengesellschaft HHLA übernimmt 60 Prozent der Anteile am Eurobridge Intermodal Terminal in Batiovo, Ukraine. Diese strategische Investition unterstreicht die Bedeutung der Ukraine als zentrale Drehscheibe für den europäischen Schienengüterverkehr. Das Terminal wird künftig als Joint Venture mit Fortior Capital betrieben und soll ab dem vierten Quartal 2025 als intermodales Drehkreuz für Containertransporte dienen. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die ukrainische Wettbewerbsbehörde.
Wienerberger übernimmt MFP Sales, einen Anbieter von Rohrlösungen in Irland, und festigt damit seine Position im irischen und britischen Markt. Die Akquisition folgt auf frühere Übernahmen von Cork Plastics und Floplast und zielt darauf ab, die steigende Nachfrage nach Bau- und Infrastrukturlösungen zu bedienen. MFP wird seine Produktion in das hochmoderne Werk von Wienerberger in Cork verlagern, um Effizienz und Nachhaltigkeit zu steigern.
Die Versicherungsgruppe HUK-Coburg plant, ihre Anteile an der Neodigital Autoversicherung von 51 auf 100 Prozent zu erhöhen und damit die Gesellschaft komplett zu übernehmen. Der erste Schritt zur Erhöhung auf 81 Prozent ist bereits erfolgt, der vollständige Erwerb soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Neodigital Autoversicherung, gegründet im Jahr 2023, hat sich mit über 165.000 versicherten Fahrzeugen im Markt etabliert. Zudem wird ein Joint Venture für IT-Dienstleistungen mit Neodigital Versicherung gegründet. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.
Der Finanzinvestor L Catterton verkauft ein Aktienpaket von über 1 Milliarde US-Dollar des deutschen Sandalenherstellers Birkenstock, behält jedoch die Mehrheit. Das öffentliche Angebot umfasst bis zu 20 Millionen Aktien zu je 52,50 Dollar, was einem Abschlag von 3,3 Prozent zum Schlusskurs an der New Yorker Börse entspricht. Birkenstock plant parallel einen Aktienrückkauf im Wert von 200 Millionen Dollar. Die Investmentbanken Goldman Sachs, JP Morgan und Bank of America sind für die Platzierung verantwortlich.
Sterr-Kölln & Partner, ein mittelständisches Beratungsunternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien, hat sich durch die Fusion mit dem Branchenkollegen Conloop zum 1. Juni 2025 strategisch neu aufgestellt. Der Zusammenschluss stärkt die Position des Unternehmens im Bereich der erneuerbaren Energien und der Wärmemarkt-Transformation. M&A-Spezialist Maik Wassmer, verstärkt das Team und bringt 25 Jahre Erfahrung in Finanztransaktionen mit. Nicola Kyburz, seit März 2025 Partner, ergänzt das Team mit seiner Expertise in Erneuerbare-Energien-Projekten. Mit Andreas Döhrer und seinem siebenköpfigen Team hat Sterr-Kölln & Partner zusätzliches Know-how im Bereich der Wärmeprojekte gewonnen.
M&A-Berater-News
J.P. Morgan hat Fredrik Weege von Goldman Sachs rekrutiert. Er soll als neuer Managing Director und Leiter der Financial Sponsors Group in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) das Geschäft mit Private Equity ausbauen. Die Position wurde neu geschaffen. Weege, der von Frankfurt aus arbeitet, bringt 15 Jahre Erfahrung im Investmentbanking mit. Zudem stößt Peter Maderthoner von der UBS zum Team, um sich als Executive Director Mid-Cap in der DACH-Region um mittelgroße Private-Equity-Kunden zu kümmern.
M&A-Gerüchteküche
Der Finanzinvestor Warburg Pincus hat laut einem Medienbericht der Nachrichtenagentur Bloomberg einen neuen Partner für ein mögliches Übernahmeangebot für den Düsseldorfer Verpackungshersteller Gerresheimer gefunden. Gemeinsam mit KPS Capital Partners soll Warburg Pincus ein Gebot von mindestens 70 Euro je Aktie erwägen. KPS soll ein besonderes Interesse an der Formglas-Sparte haben, die Glasprodukte für die Kosmetik-, Pharma- und Getränkebranche herstellt.
Gerresheimer ist seit Monaten im Fokus von Übernahmegerüchten aufgrund seiner Produktion von Zubehör für die boomenden Abnehmspritzen wie Ozempic oder Wegovy. Zuvor galt ein Konsortium aus dem Finanzinvestor KKR zusammen mit Warburg Pincus als interessiert, wobei im März noch von einer Offerte über fast 90 Euro die Rede war. Aktuell notiert das Gerresheimer-Papier bei 47,70 Euro.
Die Eigentümer des Baumaschinenherstellers Wacker Neuson prüfen wohl einen Verkauf ihrer Anteile, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Die größten Anteilseigner sind die PIN Privatstiftung aus Österreich mit 26 Prozent, die SWRW Verwaltungs-GmbH mit 17 Prozent und die Wacker Familiengesellschaft mit 15 Prozent. Der Marktwert des Unternehmens liegt bei etwa 1,6 Milliarden Euro. Erste Interessenten, darunter Private-Equity-Firmen, sollen bereits Interesse signalisiert haben. Wacker Neuson, mit Sitz in München und rund 6.000 Mitarbeitern, könnte von einem milliardenschweren Infrastrukturpaket der Bundesregierung profitieren, das Investitionen in die Infrastruktur fördert.
Info
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Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.
