M&A-Deals: Helvetia und Nationale Suisse wollen zur Nummer Drei im Schweizer Versicherungsmarkt warden.

Helvetia

11.07.14
Deals

M&A-Deals: Helvetia, LafargeHolcim, Weltbild

Die Nationale Suisse öffnet sich für den Zusammenschluss mit der Helvetia, die Zementkonzerne Lafarge und Holcim haben auf dem Weg zu ihrem Merger eine erste Verkaufsliste vorgelegt und die Verhandlungen von PE-Investor Paragon um Weltbild ziehen sich in die Länge. Die M&A-Deals, M&A-News und Personalien der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Nationale Suisse und Helvetia planen Zusammenschluss

Der Verwaltungsrat der Versicherung Nationale Suisse hat den Aktionären empfohlen, das Übernahmeangebot der Helvetia anzunehmen. Helvetia, die bereits 18,7 Prozent am Target hält, bietet pro Aktie insgesamt 80 Schweizer Franken, was einer Prämie von 26 Prozent entspricht. Der Kaufpreis ist aufgeteilt in eine Barkomponente von 52 Franken sowie eine Aktienkomponenten von 0,068 neu auszugebenden Helvetia-Aktien, die einen Gegenwert von 28 Franken haben. Größter Aktionär der Nationale Suisse war zuletzt die Versicherung Mobiliar, die im April rund 19 Prozent hielt.

Gemeinsam wären die Unternehmen nach eigener Aussage die Nummer Drei im Schweizer Versicherungsmarkt. Zudem sollen Kosteneinsparungen von 100 bis 120 Millionen Franken jährlich realisiert werden. Die Nationale Suisse öffnet sich auch aufgrund innerer Konflikte für den Zusammenschluss. Man habe nach massiven Veränderungen in der Aktionärsstruktur in den Jahren 2012 und 2013 erkennen müssen, dass die Struktur „mit starken, konkurrierenden Kernaktionären nicht nachhaltig ist“, teilte das Unternehmen mit. Vielmehr hätten sich „Schwierigkeiten im täglichen Business, Interessenkonflikte unter den Aktionären und andauernde Übernahmespekulationen“ nachteilig ausgewirkt.

Ein gemeinsames Integrationsteam von Helvetia und Nationale Suisse soll in den kommenden Wochen Wochen die konkrete Umsetzung des M&A-Deals vorbereiten. Der Vollzug ist für Oktober geplant. Nationale Suisse wird bei der Transaktion durch die Credit Suisse und N+1 Swiss Capital beraten.

Wild Flavors geht für 2,3 Milliarden Euro an ADM

Die Gerüchte kursierten schon länger, seit dieser Woche ist es offiziell: Der US-Konzern Archer Daniels Midland (ADM) übernimmt für 2,3 Milliarden Euro den Aromenproduzenten Wild Flavors. ADM zahlt 2,2 Milliarden Euro an die Anteilseigner Hans-Peter Wild sowie den PE-Investor KKR und übernimmt 0,1 Milliarden Euro an Schulden. An dem Deal soll auch der japanische Gewürzhersteller Ajinomoto interessiert gewesen sein.

Der PE-Investor KKR, dem nun der Exit gelingt, war 2010 mit mehr als einem Drittel der Anteile beim Unternehmen Wild Flavors eingestiegen, dessen damaliger Alleineigentümer Hans-Peter Wild keinen Nachfolger gefunden hatte. Zu diesem Zeitpunkt wurden auch IPO-Pläne geprüft. Das Unternehmen ist seitdem gewachsen, erst kürzlich hatte Wild Flavors seine Finanzierungsquellen diversifiziert, um die Basis für weitere Expansionen zu festigen. Die F.A.Z. berichtete unter Berufung auf Finanzkreise, dass Wild für 2014 ein Ebitda von rund 135 Millionen Euro erwartet, auf Basis des laufenden Jahres ergäbe dies einen Verkaufspreis vom 17-fachen des Ebitda. KKR habe mit dem Verkauf dem Vernehmen nach das eingesetzte Kapital mehr als verdreifacht, hieß es weiter.

Wild Flavors wird einer Mitteilung zufolge in diesem Jahr voraussichtlich rund 1 Milliarde Euro Umsatz machen. Der Zusammenschluss soll in drei Jahren in Kosten- und Umsatzsynergien von jährlich 100 Millionen Euro führen. Die Kartellbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen, der M&A-Deal soll bis zum Jahresende abgeschlossen werden. Barclays begleitet ADM bei der Transaktion als Finanzberater, als Rechtsberater ist die Kanzlei Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom (Federführung Matthias Horbach, Frankfurt, Richard C. Witzel Jr., Chicago) mandatiert. Die Verkäufer werden von Freshfields Bruckhaus Deringer beraten.

Zukunft von Weltbild weiter ungewiss

Die Verhandlungen zwischen Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz und dem Münchener PE-Investor Paragon um die Verlagsgruppe Weltbild ziehen sich in die Länge. Berichten zufolge hat Paragon in dieser Woche das Angebot nachgebessert, dieses werde nun geprüft. Details wurden bislang nicht bekannt. Der PE-Investor hatte dem ursprünglichen Zeitplan zufolge schon im Mai über eine Kapitalerhöhung mehrheitlich bei Weltbild einsteigen wollen. Weltbild war im Januar in die Insolvenz gegangen.

LafargeHolcim legt erste Verkaufsliste vor

Im Zuge des Zusammenschlusses der Zementkonzerne Lafarge und Holcim haben die Unternehmen eine Reihe von Aktiva zum Verkauf gestellt. Medienberichten zufolge haben die Verkäufe ein Volumen von rund 3,5 Milliarden Euro. Der im April angekündigte Merger muss von den Kartellbehörden abgesegnet werden. Um diesen entgegen zu kommen, werden einige Geschäftsteile verkauft. Beide Unternehmen haben ein gemeinsames Divestment Committee gebildet, das die Ausgliederungen vorantreibt. Gerüchte um Interessenten für abgestoßene Sparten kursieren bereits seit mehreren Wochen.

Die in dieser Woche veröffentlichte Liste soll noch erweitert werden, umfasst den Unternehmen zufolge aber bereits einen großen Teil der geplanten Verkäufe. Die Liste umfasst Geschäftsbereiche in sieben europäischen Ländern sowie in Kanada, Brasilien, Mauritius und den Philippinen. In Deutschland sollen die Lafarge-Aktivitäten verkauft werden. Der Vollzug des geplanten Zusammenschlusses wird im ersten Halbjahr 2015 erwartet.

Stadtwerke-Konsortium plant Komplettübernahme der Steag

Ein Bündnis aus Stadtwerken in Nordrhein-Westfalen will über die kommunale Beteiligungsgesellschaft KSBG die restlichen 49 Prozent der früheren Evonik-Tochter Steag übernehmen. Der Kaufpreis liegt Berichten zufolge bei rund 580 Millionen Euro, die Übernahme soll im Herbst abgeschlossen werden. Die Stadtwerke sind seit 2010 mehrheitlich an der Steag beteiligt und zahlten 649 Millionen Euro für die ersten 51 Prozent der Anteile.

Lufthansa und Air China planen Joint Venture

Die Airlines Lufthansa und Air China wollen ihre Zusammenarbeit im Rahmen eines Joint Ventures vertiefen. Ein entsprechendes Memorandum haben die Unternehmen in dieser Woche unterzeichnet. Den Kunden soll die Kooperation zusätzliche Verbindungen bieten, außerdem haben die Konzerne eine Absichtserklärung zur vertieften Zusammenarbeit im Bereich von Reparatur- und Instandhaltungsdienstleistungen unterschrieben. Das neue Partnerschaftsabkommen soll zum Start des Winterflugplans Ende Oktober in Kraft treten.

PE-Investor Corona verliert Leuchten Manufactur

Die Beteiligungsgesellschaft Corona Equity Partner verliert die Tochtergesellschaft Leuchten Manufactur in Wurzen. Die Leuchten Manufactur stellte in dieser Woche den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Einer Mitteilung zufolge sei der Schritt „unumgänglich“ gewesen, nachdem die Gesellschaft im ersten Halbjahr 2014 die Gewinnzone verfehlt hatte.

Die Leuchten Manufactur soll unter Aufsicht eines Sachwalters fortgeführt werden, der Geschäftsbetrieb läuft weiter. Auf die Geschäfte von Corona Equity Partner und deren weiteren Tochtergesellschaften habe die Insolvenz keinen Einfluss, teilte die Beteiligungsgesellschaft mit. 

ATS setzt sich im Bieterverfahren für M+W-Automationsgeschäft durch

Der Stuttgarter Anlagenbauer M+W Group hat das internationale Automationsgeschäft für rund 255 Millionen Euro an die kanadische ATS Automation Tooling Systems verkauft. M+W begründet die Trennung vom Automationsgeschäft mit einer Fokussierung der Aktivitäten auf den Kernbereich Anlagenbau. Zum Gesamtumsatz der M+W Group von 2,56 Milliarden Euro im Jahr 2013 steuerte das Automationsgeschäft zuletzt rund 170 Millionen Euro bei. In einem Bieterverfahren setzte sich die kanadische ATS nach mehreren Runden durch. M+W teilte mit, es hätten Unternehmen aus der Industrie sowie „eine Reihe von Finanzinvestoren“ Interesse bekundet. Die Kartellbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen. Die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer hat ATS bei dem M&A-Deal beraten.

M&A-News: Personalien

Martin Hörstel wird zum 1. Oktober dieses Jahres Leiter der Firmenkundenbetreuung im Bereich Banking bei der HSBC in Düsseldorf. Er arbeitet seit mehr als 20 Jahren im Investmentbanking und war zuletzt bei JP Morgan und zuvor bei der Deutschen Bank. Hörstel soll seine Transaktionserfahrung bei M&A-Deals und Kapitalmarkttransaktionen bei der HSBC einbringen. Der Wechsel ist Teil einer Initiative, mit der die Bank ihr Firmenkundengeschäft stärken will.

Fünf Gründer aus der Private-Equity- und M&A-Branche haben mit Beyond Capital Partners einen neuen PE-Investor in Frankfurt gegründet. Hinter der Neugründung, zu der auch ein illustrer Kreis an Senior Advisors gehört, stehen Karsten Eibes, zuletzt bei der Industrieholding Adcuram für die Beteiligungen in Deutschland verantwortlich, sowie Christoph Kauter, bekannt als Co-Founder von Trigon Equity Partners, Volker Oschkinat, der seit 2004 als freier Unternehmensberater mit Schwerpunkt M&A arbeitete, Alexander Wiegelmann, der als Vice President bei Fox Corporate Finance in München Finanzierungsprojekte mit börsennotierten und privaten Unternehmen verantwortete, sowie Dominique Manu, der zuletzt beim Familienunternehmen Berner Gruppe das Geschäft mit M&A-Deals verantwortete.

Weitere M&A-Deals

Siemens hat den Anlagenbauer Steinmüller Engineering an den japanischen Mischkonzern IHI Corporation verkauft. Über finanzielle Details wurde nichts bekannt. Ein international besetztes Team von White & Case hat IHI bei der Übernahme beraten.

Der Energiekonzern EnBW treibt sein Desinvestitionsprogramm weiter voran. Der Konzern verkaufte das Unternehmen OSD Schäfer an eine Gesellschaft der Unternehmensgruppe Kötter. EnBW hat im Rahmen einer Neuausrichtung alle nicht-strategischen Beteiligungen auf den Prüfstand gestellt. Über Einzelheiten des M&A-Deals wurde Stillschweigen vereinbart.

Die TWD Gruppe, ein Unternehmen der Chemiefaserindustrie aus der Gruppe Daun & Cie., denkt über den Zusammenschluss mit einem Wettbewerber nach. Die Gesellschafter seien im Rahmen von „Konzentrationstendenzen in der Branche“ auf mögliche strategische Partnerschaften angesprochen worden, heißt es in einer Mitteilung. Angermann M&A International ist beauftrag, diese Angebote zu sondieren.

Das niederländische Unternehmen für Oberflächenbehandlungen Aalberts Industries hat ein freiwilliges öffentliches Kaufangebot an die Aktionäre von Impreglon abgegeben. Einer Mitteilung zufolge wurde „mit wesentlichen Aktionären“ bereits die Zustimmung zum Kaufangebot vereinbart.  Dem Angebot liegt eine Bewertung des ausstehenden Aktienkapitals von etwa 119 Millionen Euro zugrunde. Hengeler Mueller berät Aalberts Industries mit einem Team um die Partner Matthias Hentzen und Bernd Wirbel.

Das Unternehmen Thursday Holding hat 74,9 Prozent der Anteile am deutschen Reiseunternehmen Raiffeisen Touristik Group übernommen. Finanzielle Details wurden nicht bekannt. ValueTrust hat die Thursday Holding bei der Übernahme beraten.

Die französische Gruppe Dynamique Hotels hat ein Portfolio von zehn Hotels in Deutschland an die Louvre Hotels Group. Für die Louvre Hotels Group bringt der M&A-Deal den Markteintritt in Deutschland. Die Gruppe übernimmt die Hotels in einem Joint Venture gemeinsam mit dem PE-Investor A Capital.  Die Louvre Hotels Group wurde von CMS Hasche Sigle (Leitung Andreas Otto und Jochen Reuter) beraten. Die Kanzlei Baker & McKenzie (Leitung Ulrich Hennings) hat die Verkäufer zu transaktionsrelevanten Rechtsfragen sowie zum Steuerrecht beraten.

Der Online-Portal für die Immobilienwirtschaft Immowelt beteiligt sich mehrheitlich am kroatischen Immobilienportal Crozilla. Immowelt betreibt bereits Portale in Österreich und der Schweiz und will weiter wachsen. Details zur Beteiligung wurden nicht genannt.

Die Berlinovo Immobilien Gesellschaft, ein hundertprozentiges Tochterunternehmen des Landes Berlin, hat ein von ihr verwaltetes Immobilienportfolio mit mehr als 15.000 Wohneinheiten an ein Erwerberkonsortium um Westgrund verkauft. Die Transaktion gilt als eine der bislang größten Immobilientransaktionen des Jahres 2014. Berlinovo hatte den Verkaufsprozess für den Asset Deal bereits im vergangenen Jahr initiiert, das Bieterverfahren organisierte Jones Lang LaSalle. Ein Team von CMS Hasche Sigle um den Partner Hermann Stapenhorst hat Berlinovo beraten.

Der Handelsdienstleister Illies Group hat den Geschäftsbetrieb der EKC Machinery & Plants in den Märkten Indonesien und Vietnam übernommen. Gegen EKC war im Juni das Insolvenzverfahren eröffnet worden. GvW Graf von Westphalen hat die Illies Gruppe bei dem Kauf aus der Insolvenz mit einem Team um Christian Mayer-Gießen und Jan Tobias Hartmann begleitet.

Das auf Prozessoptimierung spezialisierte Beratungsunternehmen KPS schließt sich mit dem E-Commerce-Dienstleister Getit-Gruppe zusammen. KPS und die bisherigen Eigentümer der Getit-Gruppe, die Tasaheli Beteiligungsgesellschaft, haben einen entsprechenden Vertrag über die Einbringung und Übertragung sämtlicher Geschäftsanteile der Getit-Gesellschaft geschlossen, im Gegenzug erhält die Beteiligungsgesellschaft neue KPS-Aktien und eine Barvergütung, über deren Höhe Stillschweigen vereinbart wurde. Der Vollzug des M&A-Deals soll bis August erfolgen. Taylor Wessing (Federführung Christian Traichel) hat KPS beim Zusammenschluss beraten. 

Der Konzern Volkswagen übernimmt das europäische Forschungs- und Entwicklungszentrum von Blackberry in Bochum. Der Automobilbauer erweitert mit der neu gegründeten Volkswagen Infotainment seine Kompetenz zur Vernetzung von Fahrzeugen und Umwelt. Finanzielle Details des M&A-Deals wurden nicht bekannt.

Im Rahmen einer übertragenden Sanierung hat der österreichische Logistikdienstleister TGW (Umsatz ca. 390 Millionen Euro) die Firma Klug (Umsatz 2013 ca. 31 Millionen Euro) übernommen. Das Unternehmen firmiert künftig unter TGW Software Services. Klug lieferte bereits Software für TGW-Projekte. Über Klug war im April das vorläufige Insolvenzverfahren eröffnet worden, vorläufiger Insolvenzverwalter war Axel Bierbach (Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen).

Die mehrheitlich engagierte Beteiligungsholding Holtzbrinck Digital und ihre Mitgesellschafter haben das Preisvergleichsportal TopTarif an Wettbewerber Verivox verkauft. Taylor Wessing hat Holtzbrinck Digital unter Federführung von Michael Stein bei der Transaktion rechtlich beraten.

Die Firmengruppe Nothnagel hat eine Liegenschaft in Darmstadt verkauft. Mayland war für den Verkaufsprozess mandatiert. Im Rahmen eines strukturierten Prozesses waren strategische Investoren angesprochen worden, die Transaktion wurde mit dem Verkauf an einen namentlich nicht genannten internationalen Investor abgeschlossen.

Captiva Capital Management hat über seinen Immobilien-Investmentfonds ein 2007 erworbenes Portfolio aus 13 Gesundheitszentren in Leipzig, Berlin und Ingolstadt an die kanadische NorthWest International Healthcare Properties verkauft. Der Wert der Transaktion beträgt rund 35 Millionen Euro.

Die Gesellschafter des Call-Center-Betreibers Tricontes haben das Unternehmen an die britische Capita International verkauft. Der M&A-Deal fand als Share Deal über 100 Prozent der Geschäftsanteile statt. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. DLA Piper hat die Gesellschafter beim Verkauf mit einem Team unter Federführung von Partner Florian Hirschmann beraten. Die Käuferseite wurde von Heisse Kursawe Eversheds (Federführung Jon Cox-Brown) begleitet.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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