Novartis hat seinen Geschäftsbereich Grippeimpfstoffe an CLS verkauft.

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31.10.14
Deals

M&A-Deals: Novartis, Bayer CropScience, Douglas

Der Pharmariese Novartis krempelt sein Portfolio weiter um und trennt sich von seinem Grippeimpfstoff-Geschäft, Bayer CropScience verstärkt sich in Nordamerika und Douglas hat seine Schmuckkette Christ verkauft. Die M&A-Deals, M&A-News und Personalien der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Novartis trennt sich von Grippeimpfstoffen

Novartis baut sein Portfolio weiter um und verkauft den Geschäftsbereich Grippeimpfstoff für 275 Millionen Dollar an die australische Firma CLS. Da der Erlös unter dem Buchwert des Geschäfts liegt, muss der Schweizer Pharmariese eine Wertberichtigung von rund 1,1 Milliarden Dollar vornehmen. CLS ist im Bereich Blutplasma-Produkte tätig und wird nach eigenen Angaben nun zum zweitgrößten Anbieter von Grippeimpfstoffen. Der Deal soll im zweiten Halbjahr 2015 abgeschlossen werden. Im April begann Novartis mit dem Umbau seines Portfolios, damals erwarb es für 14,5 Milliarden Dollar die Krebsmedikamentensparte von der britischen Glaxo Smith Kline (GSK) und verkaufte im Gegenzug für 7,1 Milliarden Dollar plus Lizenzgebühren sein Impfstoffgeschäft an die Briten, ausgenommen der Grippeimpfstoffe. Außerdem  verkaufte Novartis den Bereich Tiergesundheit für 5,4 Milliarden Dollar an den US-Wettbewerber Eli Lilly. Im November vergangenen Jahres hatte das Unternehmen bereits den Geschäftsbereich Bluttransfusions-Diagnostik für 1,675 Milliarden Dollar an die spanische Grifols verkauft. 

Aktionäre stimmen Fusion von Tui und Tui Travel zu

Die Fusion von Tui und Tui Travel ist endgültig beschlossen: Die Tui-Aktionäre haben mit knapp 99 Prozent den Bedingungen für den Zusammenschluss zugestimmt, notwendig war eine Dreiviertelmehrheit. Die Aktionäre haben unter anderem der geplanten Erweiterung des Aufsichtsrates von TUI von 16 auf 20 Mitglieder zugestimmt.  Auch die Anteilseigner der Tui Travel in London machten den Weg frei für die Fusion: Sie stimmten mit knapp 80 Prozent den Bedingungen zu.

Douglas verkauft Christ

Douglas hat seine Schmuckkette Christ an PE-Investor 3i verkauft. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Christ setzte im Geschäftsjahr 2013/2014 mit 220 Filialen einen Umsatz von rund 400 Millionen Euro um. Der Verkauf ist Teil der Portfolio-Bereinigung des Private-Equity-Hauses Advent, das Douglas für den Börsengang fit machen will. Im März erst verkaufte Douglas des Süßwarenhersteller Hussel an PE-Investor Emeram.  Ashurst hat ein internationales Konsortium aus Commerzbank Aktiengesellschaft, ING Bank, IKB Deutsche Industriebank und Société Générale bei der Finanzierung des Erwerbs durch 3i beraten. Federführend waren Bernd Egbers und Anne Grewlich. 3i hatte zur Finanzierung Clifford Chance unter der Federführung von Partnerin Alexandra Hagelüken mandatiert. Auf der Corporate-Seite wurde der Verkäufer von Willkie Farr & Gallagher begleitet. Milbank hat Advent im Rahmen der Herauslösung von Christ aus dem Douglas-Konzern beraten.

Bayer CropScience expandiert mit DuPont Crop Protection

Bayer CropScience mit Sitz in Monheim am Rhein erwirbt bestimmte Vermögenswerte des Landmanagementgeschäfts von DuPont Crop Protection in den USA, Mexiko, Australien und Neuseeland. Die Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus, der Abschluss des M&A-Deals wird noch dieses Jahr erwartet. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Bayer CropScience ist ein selbstständiger Teilkonzern der Bayer AG im Bereich Agrargeschäft, er erwirtschaftete im vergangenen Jahr einem Umsatz von 8,8 Milliarden Euro und beschäftigt mehr als 22.000 Mitarbeiter. Mit der Transaktion will sich Bayer einen Zugang zu Weideflächen und Forstwirtschaft in Nordamerika sichern. DuPont liefert Herbizide für das sogenannte Landmanagement, die Landbewirtschaftern und Förstern bei der Bekämpfung von Unkräutern und Gestrüpp helfen. Das Landmanagement-Produktportfolio von DuPont beinhaltet rund 30 Herbizide.

Fraport übernimmt Ljubljana vollständig

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport will seinen Flughafen in Sloweniens Hauptstadt Ljubljana nun komplett übernehmen. Wie dpa berichtet, gab das MDax-Unternehmen ein Übernahmeangebot für die restlichen 24,5 Prozent ab. Das Unternehmen bietet nun bis zum 20. November 61,75 Euro je Anteilsschein, insgesamt hätte Fraport dann 234,4 Millionen Euro für den Flughafen Ljubljana bezahlt. Im September hatte Fraport für 177,1 Millionen Euro 75,5 Prozent des börsennotierten Flughafens der slowenischen Hauptstadt Ljubljana gekauft.

Continental erwägt Zukäufe

Nachdem Continental Anfang dieses Jahres den amerikanischen Kautschukspezialisten Veyance Technologies für rund 1,4 Milliarden  Euro übernommen hatte, erwägt der Automobilzulieferer offenbar wieder Zukäufe. In einem Interview mit der Börsen-Zeitung sagte CFO Wolfgang Schäfer, dass eine Übernahme in ähnlicher Größenordnung in Asien denkbar wäre. „Ideal wäre es, wenn mit dem Zukauf auch die Präsenz in einer Region gestärkt werden könnte, in der wir heute unterrepräsentiert sind“, so Schäfer. Außerdem wären Akquisitionen in Bereichen gut, die Continental vom zyklischen Automobilgeschäft unabhängiger machen. Dabei könne der Konzern einen Erwerb in Höhe von 1 bis 2 Milliarden Euro „gut verkraften“, so Schäfer weiter. Den Kauf von TRW durch ZF Friedrichshafen, wodurch ZF zu einem der größten Automobilzulieferer wird, sieht Schäfer indes gelassen, wie er der Börsen-Zeitung verrät.

M&A-Personalien

Die Deutsche Mittelstandsfinanz erweitert ihr Beratungsportfolio im Bereich M&A. Michael Dirkes wird das Führungsteam als weiterer Managing Director ergänzen, der Volks- und Politikwissenschaftler hat Erfahrungen im Bereich Strategienentwicklung und –implementierung, Restrukturierung und Krisenmanagement. Durch die Erweiterung der Beratungsportfolios um diese Segmente will die Deutsche Mittelstandsfinanz ihre Beratung unter anderem bei M&A-Transaktionen verbessern.

Alexander Dibelius tritt bei Goldman Sachs kürzer und tritt von seinem Posten als Deutschlandchef ab. Er bleibt der Bank als Co-Chairman erhalten und soll weiterhin große Kunden von Goldman Sachs bei M&A-Transaktionen beraten. Seine Nachfolger sind Wolfgang Fink und Jörg Kukies, beide Eigengewächse von Goldman Sachs.

Michael Hinderer, Mitgründer der Corporate-Finance-Beratung Altium Capital, will sich aus der Führung und dem operativen Geschäft zurückziehen. Er stand vor allem für das M&A-Geschäft der Münchener. Er wird aber weiterhin als Mitglied des Unternehmensbeirats tätig sein. 

Weitere M&A-Deals

Der insolvente Waschmittelhersteller Domal Wittol hat mit der polnischen Global Cosmed Gruppe einen neuen Eigentümer gefunden. Beraten wurde der Insolvenzverwalter von Concentro.

Der französische Vermögensverwalter Amundi übernimmt die Bawag P.S.K. Invest, eine Tochter für Vermögensverwaltung der Bawag P.S.K. (Bank für Arbeit und Wirtschaft und Österreichische Postsparkasse). Sie managt insgesamt 78 Publikumsfonds und Fonds für institutionelle Anleger mit einem Volumen von insgesamt 4,6 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank war Finanzberater und BPV Hügel Rechtsberater der Bawag. Morgan Stanley war als Finanzberater und Baker Mackenzie als Rechtsberater für Amundi tätig.

Die Gesellschafter von Garpa Garten & Park Einrichtungen haben 75 Prozent der Gesellschaftsanteile an die Schweizer DK Investments, einer Tochter der Diethelm Keller Group, veräußert. Über finanzielle Details des M&A-Deals wurde Stillschweigen vereinbart. Die Diethelm Keller Group ist eine international tätige Schweizer Familienholding, einen Umsatz von über 1,5 Milliarden Schweizer Franken erwirtschaftet. Beraten wurden die Verkäufer von Lincoln International.

Die Winkelmann Gruppe hat 100 Prozent der Anteile an der Sinus Unternehmensgruppe von deren Gesellschaftern Wolfgang Strautmann und Thomas Meyer-Lüters erworben. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Sinus mit Sitz im münsterländischen Wettringen ist ein Anbieter intelligenter Verteilertechnik für den Anlagebau. Winkelmann mit Hauptsitz in Ahlen/Westfalen ist in den drei Geschäftsbereichen Heizung und Wasser, Automobil und Flowforming tätig. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen mit 3.000 Mitarbeitern rund 500 Millionen Euro Umsatz. Die Transaktion soll im Laufe dieses Jahres abgeschlossen werden. Beraten wurde die Käufer von VR Corporate Finance, dem M&A-Beratungshaus der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken.

Die L.B. Foster Company mit Sitz in Pittsburgh, Anbieter für Lösungen im Reibungsmanagement in der Schienenindustrie, übernimmt das Fahrwegoptimierungsgeschäft der Balfour Beatty Rail mit Sitz in Bochum. Das Unternehmen bietet Schienenschmier- und Zungenrollsysteme für internationale Schienenanwendungsbereiche. Damit will sich L.B. Forster im europäischen Raum verstärken. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt.

Die Gesellschafter des Vliesstoff-Herstellers J.H. Ziegler mit Sitz in Achern haben das Unternehmen an DPE Deutsche Private Equity beratene Fonds veräußert. Gesellschafter sind die Codex Zweite Beteiligungsgesellschaft, Staufen.Invest und Ralf Stokar von Neuforn. Ziegler produziert Vliesstoffe für automobile Anwendungen und weitere industrielle Nischensegmente. Beraten wurden die Verkäufer von Lincoln International. Clifford Chance hat unter der Federführung von Thomas Weitkamp die Commerzbank und die Landesbank Baden-Württemberg bei der Finanzierung der Übernahme beraten.

Die RT / Raiffeinsenbank Touristik hat ihren Anteil an der teNeues Digital Medien von 26 Prozent auf 40 Prozent aufgestockt. Beraten wurde die RT / Raiffeinsenbank Touristik von einem CMS Hasche Sigle-Team um Eva Annett Grigoleit und Igor Stenzel.

Die kanadische Premier Tech übernimmt Rewatec und Rota, zwei deutsche Unternehmen, die im Bereich Regenwasserauffangsysteme und dezentraler Abwasserbehandlung tätig sind. Die Einheiten mit Sitz in Hamburg und Berlin werden Teil von Premier Tech Aqua sein. Weitere Details sind nicht bekannt.

Die Schweizer MCH Group übernimmt die restlichen 40 Prozent der Aktien der Asian Art Fairs in Hong Kong, an welcher sie seit Juli 2011 zu 60 Prozent beteiligt ist. Mit der damaligen Übernahme der Aktienmehrheit war die Option verbunden, die Gesellschaft 2014 vollständig zu übernehmen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Die Schweizer Anbieter von Cleantech-Lösungen OTI Greentech Group übernimmt 51 Prozent der Aktien der norwegischen Visionaire Energy. Zudem hat sie eine Kaufoption über die restlichen 51 Prozent erhalten. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Visionaire ist ein Anbieter von Dienstleistungen für den Öl- und Gassektor sowie für die Offshore- und Marineindustrie.

Fahnen Kössinger, tätig in der Herstellung, Bedruckung und Bestickung von Fahnen, Flaggen, Bannern und Bändern, hat einen neuen Eigentümer. Es handelt sich um „einen Existenzgründer mit mehrjähriger Erfahrung in verschiedenen führenden Positionen bei mittelständischen Unternehmen“. Beraten wurde Fahnen Kössinger von Axanta.

julia.becker[at]finance-magazin.de

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