M&A-Deals: Rheinmetall, DHL, Bilfinger

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Rheinmetall hat ein Satelliten-Joint-Venture mit Iceye gegründet. Foto: gguy – stock.adobe.com
Rheinmetall hat ein Satelliten-Joint-Venture mit Iceye gegründet. Foto: gguy – stock.adobe.com

Rheinmetall gründet Joint Venture und prüft „Power Systems“

Rheinmetall gründet ein Joint Venture mit dem Satellitenhersteller Iceye, um gemeinsam Satelliten zu produzieren. An dem Gemeinschaftsunternehmen, das Iceye Space Solutions heißt, wird Rheinmetall 60 Prozent halten, die übrigen 40 Prozent entfallen auf den kalifornischen SAR-Satellitenhersteller (Synthetic Aperture Radar).

Das Joint Venture soll zunächst SAR-Satelliten fertigen, die unabhängig von Wetterbedingungen oder der Tageszeit hochauflösende Bilder erzeugen können. In Zukunft will Iceye Space Solutions aber auch weitere Lösungen anbieten. Die Produktion wird am Standort Neuss erfolgen, der Start ist für das zweite Quartal 2026 angedacht. Die Behörden müssen die Gründung des Joint Ventures noch genehmigen. Rheinmetall und Iceye arbeiten bereits länger zusammen, zuletzt wurde die Kooperation Ende 2024 im Zusammenhang mit Unterstützungsmaßnahmen für die Ukraine vertieft.

Darüber hinaus könnte sich Rheinmetall bald von dem zivilen Geschäft „Power Systems“ trennen. „Rheinmetall erhält seit einiger Zeit Kaufanfragen von potentiellen Interessenten und führt mit diesen Gespräche“, so Rheinmetall-Chef Armin Papperger. Alle Anfragen würden ernsthaft geprüft. „Power Systems“ fertigt Teile für die Autoindustrie und gehört laut dem CEO nicht mehr zum Kerngeschäft. Einzelne Werke der Sparte sollen auf die Rüstungsindustrie umgestellt werden.

DHL formt Joint Venture mit Evri

Die Deutsche Post gründet ein Gemeinschaftsunternehmen im Bereich E-Commerce-Logistik. Die Joint-Venture-Parteien sind dabei auf der einen Seite DHL Ecommerce sowie der britische Paketdienstleister Evri, hinter dem der Finanzinvestor Apollo steht. An Evri beteiligt sich die DHL Group mit einer „bedeutenden“ Minderheit, Apollo bleibt Mehrheitsgesellschafter.

Gemeinsam wollen die Unternehmen jeweils mehr als 1 Milliarde Pakete und Geschäftsbriefe zustellen und dabei von dem Netzwerk des Joint-Venture-Partners profitieren. Auch das Produkt- und Serviceangebot soll erweitert werden. So steigt Evri erstmals in den britischen Geschäftsbriefmarkt ein.

Bilfinger stärkt UK-Präsenz mit Bolt-on-Akquisition

Zukauf in Großbritannien: Bilfinger übernimmt Nzero, einen Spezialisten für Systemlösungen und Technologien im Bereich Energie und Gas. Teil des Deals sind die beiden Tochtergesellschaften Orbital Gas Systems und Thyson Technology und die Büros in Ellesmere Port sowie Standorte in Staffordshire und Bristol.

Nzero beschäftigt 240 Mitarbeiter und erzielte 2024 einen Umsatz in Höhe von 30 Millionen Pfund (umgerechnet rund 35 Millionen Euro). Mit dem Zukauf will Bilfinger die Präsenz im Gas- und Wasserstoffsektor in Großbritannien ausbauen. Signing und Closing erfolgten parallel am vergangenen Montag. Das Nzero-Team soll „nahtlos“ in die Bilfinger-Organisation integriert werden.

Blick in den M&A-Markt

Gemäß dem aktuellen „Deal Drivers Report“ von Datasite und Mergermarket wurden in der DACH-Region im ersten Quartal dieses Jahres 472 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 37,2 Milliarden Euro angekündigt. Im Vergleich zum Vorjahresquartal haben sich beide Werte dabei gegenläufig entwickelt: Während das Deal-Volumen um fast ein Drittel eingebrochen ist (29,2 Prozent), hat sich die Anzahl der Transaktionen mehr als verdoppelt (plus 51,3 Prozent).

Die meisten Transaktionen haben dabei im TMT-Sektor stattgefunden, auf ihn entfielen Deals im Volumen von 7,8 Milliarden Euro. Auf Platz Zwei steht der Finanzdienstleistungssektor mit Transaktionen im Wert von insgesamt 5,6 Milliarden Euro, dicht gefolgt von der Pharmabranche mit 5,2 Milliarden Euro Deal-Volumen.

Die größten angekündigten Transaktionen im ersten Quartal waren das geplante Delisting von Metro durch den tschechischen Investor Daniel Kretinsky für mehr als 4 Milliarden Euro, der Verkauf von Apleona an Bain und Mubadala für rund 4 Milliarden Euro sowie die Übernahme von Viridium durch ein Käuferkonsortium bestehend aus Hannover Rück, Allianz, Blackrock, T&D sowie Generali für 3,5 Milliarden Euro.

Weitere M&A-Deals

Grünes Licht für die Abu Dhabi National Oil Company (Adnoc) und Covestro: Die Europäische Kommission hat die geplante Übernahme des Chemiekonzerns in dieser Woche freigegeben. Die Behörde sieht keine Wettbewerbseinschränkungen, speziell, da Adnoc und Covestro auf unterschiedlichen Ebenen der Chemie- und Petrochemie-Lieferkette operierten und es keine bedeutende Überschneidung der Aktivitäten beider Konzerne gebe. Nach monatelangen Verhandlungen wurde im vergangenen Oktober bekannt, dass Adnoc Covestro für mehr als 10 Milliarden Euro übernehmen will.

United Internet will den Anteil an dem Mobilfunkbetreiber 1&1 ausbauen. Wie das Unternehmen mitteilte, will es die Beteiligung von aktuell knapp 81 Prozent auf bis zu 90 Prozent erhöhen. Für rund 16,25 Millionen Aktien bietet United Internet 18,50 Euro, das wären gut 300 Millionen Euro für 9 Prozent der Anteile. Der 1&1-Kurs rauschte infolgedessen am heutigen Freitagvormittag um knapp 20 Prozent auf gut 18,20 Euro in die Höhe. Laut United Internet entspricht die Offerte einer Prämie von 20 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs des Papiers sowie einem Aufschlag von 29 Prozent gemessen am Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate. Der Mutterkonzern strebt keinen Beherrschungs- oder Gewinnabführungsvertrag an.

Exit bei Triton: Der Private-Equity-Investor veräußert den Spezialisten für Raumluft und Kühlung Fläktgroup für 1,5 Milliarden Euro an Samsung Electronics. Das Unternehmen ging 2016 aus dem Zusammenschluss von Denco Happel und Fläktwoods hervor. Der Jahresumsatz der Gruppe betrug zuletzt 700 Millionen Euro. Weltweit beschäftigt das Unternehmen 3.300 Mitarbeiter.

Im Machtkampf um ProSiebenSat.1 hat sich eine weitere Partei eingeschaltet. Der zweitgrößte Aktionär des Fernsehsenders, PPF, hat ein öffentliches Angebot unterbreitet, mit dem Ziel, den eigenen Anteil auf bis zu 29,99 Prozent aufzustocken. Derzeit halten die Tschechen 15 Prozent an dem Medienkonzern. Damit torpediert PPF die Übernahmepläne der Berlusconi-Holding MFE, die derzeit weniger bietet als PPF.

Sollte es zu einem offiziellen Angebot der Unicredit für die Commerzbank kommen, müssen die Italiener wohl mit Gegenwind von der neuen Bundesregierung rechnen. „Wir setzen auf die Eigenständigkeit der Commerzbank“, zitiert die Deutsche Presseagentur Finanzminister Lars Klingbeil. Ein „unfreundliches Vorgehen wie das der Unicredit“ sei inakzeptabel. Dies gelte besonders, wenn es sich um eine systemrelevante Bank wie die Commerzbank handelt, so der Politiker weiter.

M&A-Berater-News

Nach dem Neustart von Goetzpartners unter dem Namen Fortlane Partners hat sich die Corporate-Finance-Beratung den ersten prominenten Neuzugang geholt. Dabei hat sich das Haus bei der Konkurrenz bedient: Der M&A-Experte kommt von Oaklins. Zuletzt musste Fortlane mit Jochen Vogel aber auch einen Managing Director aus dem Bereich Restrukturierung ziehen lassen.

Einen Abgang auf Partnerebene gab es unterdessen bei der M&A-Beratung IMAP, wie Sie hier nachlesen können. Dafür hat IMAP das Debt Advisory zuletzt mit drei Kollegen von Grant Thornton aufgestockt.

M&A-Gerüchteküche

Der M&A-Prozess für den Hamburger Modehändler Peek & Cloppenburg (P&C) geht wohl in die heiße Phase. Wie die „Wirtschaftswoche“ mit Verweis auf Finanzkreise berichtet, sollen bereits mehrere Angebote eingegangen sein. Die Zeitung zitiert aus einer Präsentation, in welcher der Verkauf des gesamten Geschäfts einschließlich aller Segmente vorgestellt wird. Teil einer Transaktion könnten also sowohl das stationäre Geschäft mit 42 Filialen als auch die Online-Marke Van Graaf sein. Eine Sprecherin wollte auf Nachfrage der „Wirtschaftswoche“ „keine Auskünfte geben und Gerüchte nicht kommentieren“.

M&A-Neuigkeiten gibt es auch in der Welt der Wirtschaftsprüfer. So soll sich Grant Thornton immer konkreter mit dem Einstieg eines Finanzinvestors auseinandersetzen und hat dafür auch schon eine prominente Investmentbank mandatiert. Zu einem weiteren Deal ist es in dieser Woche sogar auch schon gekommen: Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshaus PKF WMS hat sich einen Finanzinvestor ins Boot geholt. Wer es ist, erfahren Sie hier.

Informationen des Portals „Finanz-Szene“ zufolge stehen erhebliche Teile des Kapitalmarktgeschäfts von M.M. Warburg zum Verkauf. Betroffen seien die Einheiten Equity Capital Markets, Aktien Sales & Trading sowie das Aktien-Research. Bereits vor einigen Monaten seien Mitarbeiter über die Pläne informiert worden. Es soll sogar schon konkrete Gespräche mit potentiellen Käufern geben, der Prozess sei in einem „weit fortgeschrittenen Stadium“, wie das Branchenportal Marktkenner zitiert. M.M. Warburg wollte die Gerüchte gegenüber „Finanz-Szene“ nicht kommentieren.

Außerdem soll ABB den Verkauf der Robotik-Sparte als Alternative zu einem Spin-off erwägen. „In Kürze“ werde der Schweizer Industriekonzern Berater für das Dual-Track-Verfahren mandatieren, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Einheit könnte mit 3,5 bis 5 Milliarden US-Dollar bewertet werden. Käme es zu einem Verkauf, dürften vor allem Private-Equity-Investoren Interesse zeigen. ABB hat angekündigt, eingehende Angebote gründlich zu prüfen, sei aber davon überzeugt, dass ein Spin-off die beste Option sei.

Info

Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE sowie Chefin vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.