M&A-Deals: Secusmart, Tom Tailor, Nobel Biocare

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01.08.14
Deals

M&A-Deals: Secusmart, Tom Tailor, Nobel Biocare

Blackberry übernimmt den Düsseldorfer Anbieter für Telefonsicherheit Secusmart, bei Nobel Biocare haben Kaufinteressenten angeklopft, und Tom Tailor hat einen neuen Großaktionär. Die M&A-Deals, M&A-News und Personalien der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Blackberry übernimmt Secusmart

Der Düsseldorfer Anbieter für Telefonsicherheit Secusmart wird Teil des Konzerns Blackberry. Beide Unternehmen haben in der Vergangenheit bereits zusammengearbeitet. Secusmart entwickelt Abhörschutzlösungen für deutsche Behörden und Organisationen und wurde als Ausrüster des Mobiltelefons der Bundeskanzlerin bekannt. Der M&A-Deal soll dem Unternehmen die internationale Expansion erleichtern.

Beim angeschlagenen Handyhersteller Blackberry passt die Transaktion zu dem zuletzt eingeschlagenen Weg, sich verstärkt bei Firmenkunden zu positionieren. Diese könnten sich mit abhörsicheren Geräten vor Bedrohungen wie Industriespionage schützen. Die Transaktion muss noch von den Regulierungsbehörden freigegeben werden. Über finanzielle Details wurde Stillschweigen vereinbart. Secusmart soll danach als GmbH in Deutschland erhalten bleiben. Ein Beratungsteam von Clifford Chance unter Federführung von Partner Burc Hesse hat BlackBerry bei der Transaktion begleitet.

Nobel Biocare bestätigt Interesse von möglichen Käufern

Der Schweizer Hersteller von Dentalimplantaten Nobel Biocare hat in dieser Woche bestätigt, dass Kaufinteressenten bei dem Konzern vorstellig geworden sind. Zuvor hatte die Agentur Bloomberg unter Berufung auf Insider berichtet, dass Goldman Sachs für eine Transaktion engagiert worden sei. Nobel Biocare bestätigte, dass das Unternehmen „von Drittparteien kontaktiert wurde, die möglicherweise an einem Erwerb des Unternehmens interessiert sind.“ Die Gespräche befänden sich „in einem sehr frühen Stadium“ und es sei unsicher, ob es zum M&A-Deal kommt.

Tom Tailor: Neuer Großaktionär aus China

Die von der chinesischen Beteiligungsgesellschaft Fosun International kontrollierte portugiesische Versicherungsgesellschaft Fidelidade Companhia de Seguros wird neuer Ankeraktionär beim Modeunternehmen Tom Tailor. Der Konzern übernimmt mit weiteren Co-Investoren und unter Beteiligung von einzelnen Vorstandsmitgliedern und Managern der Tom-Tailor-Gruppe ein Aktienpaket über 23,16 Prozent vom bisherigen Großaktionär, der Versorgungs- und Förderungsstiftung Vaduz in Lichtenstein. Ein internationales Team von Latham & Watkins unter Federführung der Partner Wilhelm Reinhardt und Roland Maaß (Frankfurt) sowie Karen Yan (Shanghai) hat Fosun bei der Transaktion begleitet.

Fosun ist im Modebereich unter anderem bereits an den Marken Folli Follie, St. John und Caruso beteiligt. In Deutschland ist Fosun unter anderem an der BHF-Bank beteiligt, die Chinesen stiegen im März als Co-Investoren ein.

Ölproduzent Lukoil verhandelt mit AMIC

Der private russische Ölproduzent Lukoil verhandelt mit dem österreichischen Unternehmen AMIC Energy Management über den Verkauf von 240 Tankstellen und sechs Ölspeichern in der Ukraine. Beide Seiten hätten sich grundsätzlich auf einen Verkauf von 100 Prozent der Anteile verständigt, hieß es. Lukoil teilte mit, die M&A-Verhandlungen seien durch das österreichische Unternehmen ins Rollen gebracht worden, dieses habe Interesse an einer Übernahme der Assets geäußert. Zurzeit laufe die Due Diligence, die Vertragsunterzeichnung sei in Vorbereitung. Lukoil sagte, der Konzern wolle mit dem Verkauf seine Asset- und Vertriebsstruktur in Osteuropa optimieren. Finanzielle Details wurden nicht bekannt.

Spreadshirt kauft in Brasilien zu

Der Online-Textilhändler Spreadshirt (Umsatz ca. 72 Millionen Euro), auf dem Leser selbst bedruckte Kleidungsstücke ordern können, übernimmt das brasilianische E-Commerce-Unternehmen Vitrinepix. Mit dem Einstieg in den brasilianischen Markt will Spreadshirt die Reichweite und das Vermarktungspotential für seine Verkäufer ausweiten. Vitrinepix wird künftig als 100-prozentige Tochter von Spreadshirt geführt.

Symrise und Diana: Integration beginnt

Die im April bekannt gewordene Übernahme der französischen Diana Group durch den Holzmindener Aromenhersteller Symrise ist in dieser Woche abgeschlossen worden. Arbeitnehmervertretungen und Kartellbehörden haben den 1,3 Milliarden Euro schweren M&A-Deal vollständig genehmigt, teilte Symrise mit. Nun will der Konzern umgehend mit der Integration beginnen. Damit ist auch die Anpassung des Segments Flavor & Nutrition von Symrise verbunden. In der Division Flavors werden künftig die Aromenaktivitäten von Symrise gebündelt. Die Aktivitäten in den Bereichen Consumer Health und Ernährung werden in Diana eingegliedert, Diana bildet künftig die zweite Division des Segments Flavor & Nutrition. Symrise geht davon aus, dass Diana ab 2015 einen Beitrag zum Ergebnis leisten wird. Die Integration wird durch Projektteams umgesetzt, die sich aus Mitarbeitern von Symrise und Diana zusammensetzen.

BNP Paribas übernimmt DAB Bank von UniCredit

Die französische Großbank BNP Paribas hat sich mit der UniCredit-Tochter HypoVereinsbank auf eine Mehrheitsübernahme der DAB Bank geeinigt. Die BNP kauft der UniCredit deren 81,4-prozentigen Anteil der Direktbank für 4,78 Euro je Aktie ab, der Anteil wird damit mit 354 Millionen Euro bewertet. Insgesamt wird die DAB Bank im Rahmen des M&A-Deals mit 435 Millionen Euro bewertet. Ein Team von Clifford Chance (Federführung Thomas Krecek) hat die BNP Paribas bei der Transaktion beraten. Freshfields hat die HypoVereinsbank begleitet.

Flyeralarm baut Portfolio aus

Die Online-Druckerei Flyeralarm beteiligt sich am IT-Unternehmen Rukzuk. Mit dem strategischen Investment will Flyeralarm das Produktportfolio um eine standardisierte Dienstleistung für Webdesign erweitern. Das Unternehmen Seitenbau bleibt bis auf weiteres Mehrheitseigentümer. Flyeralarm will nach eigenen Angaben im Rahmen einer Neuausrichtung zum Komplettanbieter für Marketingdienstleistungen werden. Weitere Beteiligungen seien daher in Zukunft denkbar, teilte das Unternehmen mit.

M&A-News: Personalien

Die Wirtschaftskanzlei Dentons hat Michael Seppelt als Sozius am Berliner Standort verpflichtet, wo er insbesondere im Bereich Distressed M&A tätig sein wird. Seppelt war in der Vergangenheit bereits an den Standorten Berlin und London für die Kanzlei tätig. Er wechselt von KPMG, wo er im Bereich M&A/Tax drei Jahre lang als Manager bei internationalen M&A-Deals beraten hat.

Die auf Insolvenzen und Sanierungen spezialisierte Kanzlei Metzeler von der Fecht erweitert das Management. Maximilian Funk und Christian Krause werden neue geschäftsführende Partner einer frisch gegründeten  Beratungseinheit, die Prozess- und Strategieberatung anbieten soll. Beide haben mehrere Jahre Erfahrung mit Private Equity und M&A-Deals. Funk arbeitete zuvor bei Roland Berger Strategy Consultants sowie bei einem europäischen PE-Investor, Krause sammelte Erfahrung bei Rölfs Partner. Beide arbeiteten bereits gemeinsam als Partner bei Buth & Hermanns.

Sibylle Münch
(43) verstärkt vom 1. Oktober an die Finanzierungspraxis im Frankfurter Büro von White & Case. Münch ist spezialisiert auf Unternehmens- und Akquisitionsfinanzierungen. Bereits von 2002 bis 2013 war sie Teil der Bank Finance Praxis von White & Case, zuletzt arbeitete sei bei Jones Day. Münchs Beratungsschwerpunkt liegt auf der Finanzierung grenzüberschreitender M&A-Deals, sie berät Banken, PE-Investoren und Konzerne.

Weitere M&A-Deals

Der Internet-Anbieter PlusServer baut das Geschäft mit der Vermietung von Server-Platz für Unternehmen durch zwei M&A-Deals aus. Das Unternehmen, das nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz im hohen achtstelligen Bereich macht, kaufte die Firmen Mesh in Düsseldorf sowie Mainlab in Frankfurt. Finanzielle Details wurden nicht genannt.

Die Münchener Beteiligungsgesellschaft Aurelius hat die ungarische Tochter Framochem sowie deren deutsche Vertriebseinheit Isochem Deutschland an VanDeMark Chemical mit Sitz in den USA verkauft, ein Portfoliounternehmen des amerikanischen PE-Investors Uni-World Capital. Aurelius hatte Isochem 2010 vom französischen Staatskonzern SNPE übernommen. Die nicht zum Kerngeschäft von Isochem gehörende Framochem erzielte 2013 einen Jahresumsatz von 27 Millionen Euro. Finanzielle Details zum Verkauf wurden nicht bekannt. Ein CMS-Team aus Deutschland und Ungarn unter der Federführung von Maximilian Grub hat das Inhouse-Team der Aurelius bei der Transaktion beraten.

Die im Mineralölhandel und im Chemiesektor tätige Unternehmensgruppe Diersch & Schröder (Umsatz ca. 2,2 Milliarden Euro) hat im Rahmen eines Carve-outs das Unternehmen Tanatex Deutschland übernommen. Der Unternehmensteil war zuvor im Besitz der niederländischen Beteiligungsgesellschaft Egeria und war in den niederländischen Tanatex-Konzern eingebunden. Tanatex Deutschland setzt im Bereich Spezialchemikalien jährlich etwa 43 Millionen Euro um. Die Corporate Finance Mittelstandsberatung (Joachim von Brockhausen und Carsten Häming) hat die Diersch & Schröder Gruppe als M&A-Berater während des Kaufprozesses begleitet.

Mit dem Auslaufen der ersten Phase des Übernahmeangebots in dieser Woche hat Aurea die Mehrheit am Wiener IT-Unternehmen Update Software übernommen. Aurea hat den Großaktionären 3,44 Euro je Aktie geboten. Die Anteilseigner Qino Flagship, Pioneer Investments und Axxion hatten sich bereits zur Annahme verpflichtet. Wolf Theiss hat die Transaktion als Lead Counsel betreut, im deutschen Recht wurde Aurea von der Münchener Kanzlei M Law Group begleitet.

Das spanische Bestattungsunternehmen Grupo ASV hat das Deutschlandgeschäft von SCI International mit Sitz in Houston übernommen. Nach der Akquisition will das spanische Familienunternehmen die Konzernstrukturen der deutschen Aktivitäten von SCI mittelständisch aufstellen. Die Beratungsgesellschaft Mazars hat Grupo ASV mit einem Team um Claus Buhmann (Gesamtprojektleitung), Stefan Kirchmann (Leitung Tax Due Diligence) und Marco Ehlert (Leitung IT Due Diligence) begleitet.

Der Online-Dienst KaufDa übernimmt den Wettbewerber MeinProspekt zu einem nicht genannten Preis. Die Unternehmen wollen ihre Marktposition gemeinsam ausbauen. KaufDa gehört mehrheitlich dem Medienkonzern Axel Springer. Corporate Finance Partners hat MeinProspekt als M&A-Berater begleitet.

Die Beteiligungsgesellschaft Arcus Capital aus München hat das Online-Marketingunternehmen Belboon von der Yoc Gruppe übernommen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Kanzlei Gütt Olk Feldhaus hat Arcus beim Kauf beraten.

Der Meckenheimer Verlagsdienstleister IPS erwirbt den Pressevertrieb des Unternehmens W.E. Saarbach, das zum Verlagshaus Gruner + Jahr gehört und auf den Import ausländischer Zeitschriften spezialisiert ist. Mit der Übernahme will die IPS-Gruppe ihre Position im Vertriebsmarkt weiter ausbauen. Ein Team von Oppenhoff & Partner unter Leitung von Alf Baars berät IPS bei der Transaktion.

Das Biokunststoffunternehmen Sunflower Plastic Compound (SPC) hat mit dem Landwirtschaftsunternehmen Cargill ein Joint Venture zur Herstellung und Verbreitung seines gegründet. In mehreren Phasen soll mit einem insgesamt achtstelligen Investitionsvolumen zunächst eine Pilotanlage gebaut und die Produktion bis 2017 sukzessive ausgeweitet werden. Die Kanzlei Noerr und die IP-Boutique Eisenführ Speiser haben SPC beraten.

Piton Capital und DN Capital haben über ihre Venture Capital Funds in den Berliner Reservierungsdienst Quandoo investiert. Das Unternehmen sammelte in der Finanzierungsrunde insgesamt rund 20 Millionen Euro ein. Taylor Wessing hat Piton Capital und DN Capital beraten.

Das Unternehmen TCG Herrmann Präzisionsdruckguss (Umsatz ca. 45 Millionen Euro) ist aus der Insolvenz heraus an den Wettbewerber Rupf Präzisionsdruckguss verkauft worden. Der neue Investor will den Standort Bretten fortführen und die Mitarbeiter weiter beschäftigen,  teilte Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner von der Kanzlei Brinkmann & Partner mit. Dem M&A-Deal waren laut Insolvenzverwalter mehrere Verhandlungsrunden mit verschiedenen strategischen Interessenten vorausgegangen.

Die Innovative Systems Consulting, Teil der Schweizer Unternehmensgruppe ISC Business Technology, beteiligt sich an dem IT-Dienstleister HRV mit Sitz in Hamburg. Beide Unternehmen arbeiten seit vielen Jahren in unterschiedlichen Projekten zusammen und wollen künftig auch gemeinsame Lösungen entwickeln.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.