Siemens Energy kauft den Netzdigitalisierer Euto Energy
Siemens Energy übernimmt die Euto-Energy-Gruppe, einen spezialisierten Netz-Entwickler mit Standorten in den Niederlanden und der Türkei. Mit dem Zukauf will der Konzern die Digitalisierung von Umspannwerken und die Automatisierung von Stromnetzen ausbauen, um moderne Netzarchitekturen im globalen Maßstab anzubieten.
Strategisch zielt die Transaktion darauf ab, den Softwareanteil im Umspannwerksgeschäft zu erhöhen. Softwaredefinierte Netzarchitekturen versprechen typischerweise höhere Margen als das klassische Hardwaregeschäft. Für Siemens Energy fügt sich der Zukauf in eine breitere Strategie ein, die Netzsparte mit digitalen Lösungen für Netzbetreiber weltweit zu stärken.
Entscheidend ist dabei die bestehende globale Kundenbasis: Über diesen Zugang soll Euto Energys Softwareplattform künftig schneller bei Netzbetreibern weltweit eingeführt werden können, was margenstarke Lizenz- und Wartungserlöse verspricht. Rödl & Partner beriet Siemens Energy bei der Transaktion auf rechtlicher, steuerlicher und finanzieller Ebene.
Infineon verkauft Speichersparte für eine Milliarde an Winbond
Infineon trennt sich von seinem NOR-Flash- und F-RAM-Geschäft und verkauft es für 1,12 Milliarden US-Dollar (rund 985 Millionen Euro) an den taiwanischen Halbleiterhersteller Winbond. NOR-Flash- und F-RAM sind nichtflüchtige Speichertypen. Sie behalten ihre Daten auch nach dem Ausschalten der Stromversorgung.
Die Transaktion erfolgt vollständig in bar auf Cash-free- und Debt-free-Basis. Das veräußerte Portfolio bedient Kunden in der Automobil-, Industrie- und Infrastrukturbranche. Winbond wird das Geschäft als eigenständige Einheit mit Hauptsitz im Silicon Valley betreiben. Der Abschluss ist für die zweite Jahreshälfte 2027 geplant, vorbehaltlich regulatorischer Genehmigungen.
Für Infineon ist der Verkauf ein Schritt zur Konzentration auf Kernwachstumsbereiche. Der Münchner Konzern behält ein Portfolio an Spezialspeicherlösungen, darunter SRAM, HYPERRAM sowie strahlungsgehärtete Speicher für Luft- und Raumfahrt- sowie Verteidigungsanwendungen. Für Winbond bedeutet der Zukauf eine Erweiterung des bestehenden Speicherportfolios um ein komplementäres NOR-Flash- und F-RAM-Angebot mit etablierter Kundenbasis.
Sazerac greift nach Berentzen für Spirituosenplattform
Der US-amerikanische Spirituosenkonzern Sazerac kündigt ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für alle Aktien der Berentzen-Gruppe an. Der Angebotspreis beträgt 5,55 Euro je Aktie, was einem Aufschlag von 68 Prozent auf den volumengewichteten Dreimonatsdurchschnittskurs vor dem 16. September 2026 entspricht und einem Gesamtvolumen von rund 53,3 Millionen Euro gleichkommt.
Vorstand und Aufsichtsrat von Berentzen unterstützen das Angebot und empfehlen den Aktionären die Annahme. Das Angebot steht unter dem Vorbehalt einer Mindestannahmequote von 50 Prozent plus einer Aktie. Regulatorische Genehmigungen sind nicht erforderlich. Der Abschluss wird im vierten Quartal 2026 erwartet, anschließend plant Sazerac das Delisting von Berentzen.
Strategisch zielt die Transaktion auf den Aufbau einer Spirituosenplattform für den europäischen Markt. Das 1850 gegründete Familienunternehmen Sazerac verfügt über mehr als 525 Marken. Berentzen bringt Marken wie Apfelkorn, Puschkin Vodka und Bommerlunder sowie Produktionskapazitäten und Vertriebsstrukturen in Europa mit.
Sazerac will die bestehenden Standorte erhalten und zusätzlich investieren. Künftig sollen auch eigene Sazerac-Marken vom deutschen Team produziert und vertrieben werden. Nomura begleitet Sazerac als Finanzberater und Lark als Rechtsberater. Die Kanzlei Osborne Clarke agierte aufseiten der Berentzen-Gruppe.
Weitere M&A-Deals
Rohde & Schwarz übernimmt gleich zwei Dresdner Spezialisten für Satellitenkommunikation: Neosat, 2018 an der Universität der Bundeswehr München gegründet, entwickelt Mehrantennen-Satellitensysteme und satellitengestützte IoT-Konnektivität. Phytronic, gegründet 2023, arbeitet an Wellenformdesign für Raumfahrt- und Avionik-Kommunikationssysteme. Mit den Zukäufen baut der Münchner Technologiekonzern seine Raumfahrtsparte aus und stärkt seine Position im Bereich sicherer Kommunikationssysteme für Bundeswehr und kritische Infrastrukturen.
Das Münchner Radioisotopen-Unternehmen ITM Isotope Technologies Munich geht an den australischen Radiopharmazie-Konzern Telix Pharmaceuticals. Telix übernimmt 100 Prozent der ITM-Anteile für 1,65 Milliarden US-Dollar auf Cash-free- und Debt-free-Basis. Die ITM-Aktionäre erhalten rund 1,25 Milliarden US-Dollar in Telix-Aktien. Hinzu kommen Meilensteinzahlungen von bis zu 700 Millionen US-Dollar, die an regulatorische Zulassungen und Verkaufsziele geknüpft sind. Centerview Partners beriet ITM finanziell, Latham & Watkins rechtlich. Telix wurde von Morgan Stanley sowie den Kanzleien Sidley Austin und Herbert Smith Freehills Kramer begleitet.
Reflexgroup übernimmt den Entgasungsspezialisten Exgas Technology und stärkt damit ihre Marktstellung in der Entgasungstechnologie. Die Ahlener Unternehmensgruppe ergänzt mit dem Zukauf ihr bestehendes Servitec-Portfolio und erschließt neue Anwendungsfelder, darunter Kühl- und Prozesswasserlösungen für Rechenzentren. Exgas soll künftig als Forschungs- und Entwicklungsstandort innerhalb der Gruppe fungieren.
Blick in den M&A-Markt
Der deutsche M&A-Markt hat in den ersten sieben Monaten 2026 deutlich Fahrt aufgenommen. Das geht aus dem aktuellen M&A Report der Boston Consulting Group hervor. Der aggregierte Dealwert stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 122 Prozent und übertraf den Zehnjahresschnitt um 45 Prozent. Damit lässt Deutschland sowohl den globalen Markt mit plus 19 Prozent als auch Europa mit plus 57 Prozent klar hinter sich. Auch das Dealvolumen legte um rund 4 Prozent zu, während es global um 16 Prozent und europaweit um 14 Prozent zurückging. Deutschland gehört damit zu den wenigen großen Märkten, die in beiden Kategorien zulegen konnten.
Getragen wird der Anstieg vor allem von Großtransaktionen. In den ersten sieben Monaten wurden 21 Deals mit einem Volumen von jeweils mindestens 500 Millionen Dollar angekündigt, darunter drei Megadeals oberhalb von 10 Milliarden Dollar. Private Equity war dabei besonders aktiv und entfiel auf rund zwei Drittel des gesamten deutschen Dealwerts. Den Ausblick bewertet BCG als selektiv positiv, erwartet aber eine graduelle statt lineare Erholung, getragen von Nachfolgesituationen, Carve-outs sowie Digitalisierung und Energiewende als strukturelle Treiber.
M&A-Berater-News
Elisa Patricia Suhl verstärkt Carlsquare als Director am Münchner Standort im Bereich Healthcare und Life Sciences. Zuletzt war sie als Head of M&A bei HG Medical tätig, einem Auftragsfertiger für orthopädische Implantate und Portfoliounternehmen von Astorg. Davor war sie mehr als fünf Jahre bei Alantra, zuletzt als Director Healthcare, und davor rund fünf Jahre bei DC Advisory in London und Frankfurt, wo sie sowohl im M&A- als auch im Debt-Advisory-Geschäft arbeitete. Suhl bringt damit mehr als zehn Jahre Transaktionserfahrung im Gesundheitssektor mit, sowohl auf Käufer- als auch auf Verkäuferseite.
Deals in Verhandlung
Die Unternehmensgruppe Theo Müller bestätigt Gespräche über eine mögliche Übernahme der Vogtlandmilch-Molkerei in Plauen. Laut Müller befinden sich die Verhandlungen noch in einem frühen Stadium, eine Transaktion steht unter dem Vorbehalt kartellrechtlicher Genehmigungen. Sachsenmilch, die zur Müller-Gruppe gehört, ist mit 1,7 Milliarden Kilogramm Jahresverarbeitung der größte Milchverarbeiter Sachsens. Vogtlandmilch, im gemeinsamen Besitz der Erzeugergemeinschaft Milch Plauen und der Molkereigenossenschaft Glauchau, gilt als zweitgrößte Molkerei im Freistaat und verarbeitet rund 200 Millionen Kilogramm Milch pro Jahr. Mit dem Zukauf würde die Müller-Gruppe ihre Position auf dem sächsischen Milchmarkt weiter ausbauen.
Der tschechische Unternehmer Daniel Křetínský hat über seine EP-Gruppe ein unverbindliches Angebot für Uniper abgegeben, wie das “Handelsblatt” aus Finanzkreisen erfuhr. EP trete darin als alleiniger Käufer für den Gesamtkonzern auf. Offiziell äußerte sich das Unternehmen nicht. Die von der Bundesregierung gesetzte Frist für unverbindliche Angebote war zuletzt abgelaufen. Neben EP hatten dem Vernehmen nach weitere Finanzinvestoren und strategische Käufer ihr Interesse signalisiert. Parallel treibt Uniper einen Börsengang voran. Die EU hatte den Staatseinstieg unter der Auflage genehmigt, dass der Bund seine Beteiligung bis Ende 2028 auf 25 Prozent reduziert. JP Morgan und UBS beraten die Bundesregierung beim Verkaufsprozess.
Info
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Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
