Bund steigt bei Tennet ein
Es ist beschlossene Sache: Der Bund steigt über die staatliche Förderbank KfW bei Tennet Germany ein und übernimmt 25,1 Prozent der Anteile für rund 3,3 Milliarden Euro. Tennet ist mit einem rund 14.000 Kilometer langen Höchstspannungsnetz der größte Übertragungsnetzbetreiber Deutschlands.
Der Haushaltsausschuss des Bundestags hatte vor zweieinhalb Wochen den Weg für den Einstieg freigemacht und die Mittel bewilligt. Mit dem Deal will die Bundesregierung ihre Kontrolle über die kritische Energieinfrastruktur stärken und die Finanzierung für den Netzausbau sichern.
Die Bundesregierung plant, ihren 25,1-Prozent-Anteil an Tennet auch bei zukünftigen Kapitalerhöhungen zu halten. Im Bundeshaushalt sind dafür bis 2035 rund 1,7 Milliarden Euro vorgesehen, mit weiteren 5,7 Milliarden Euro für die Folgejahre.
Tennet wurde bei der Transaktion von den Banken ABN Amro und Lazard sowie von den Kanzleien De Brauw Blackstone Westbroek und Hengeler Mueller unterstützt. Die KfW wurde von Citi als Finanzberater und von CMS als Rechtsberater begleitet.
AMS-Osram stärkt Bilanz mit Sensorverkauf an Infineon
Nach Gesprächen über den Verkauf einzelner Geschäftsaktivitäten ist es nun offiziell: Der Hersteller von Licht- und Sensorlösungen AMS–Osram verkauft einen Teilbereich seines Sensorgeschäfts an den Halbleiterhersteller Infineon. Der Kaufpreis beträgt 570 Millionen Euro in bar.
Mit dem veräußerten Geschäftsbereich erzielte der Technologiekonzern im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 220 Millionen Euro und ein Ebitda von 60 Millionen Euro. Durch die Transaktion kann AMS-Osram seinen Verschuldungsgrad von 3,3x auf 2,5x reduzieren und gewinnt damit zusätzliche finanzielle Flexibilität.
Der Verkauf betrifft auch Gesellschaften, die rund 130 Millionen Euro an Vermögenswerten halten, welche Wandelanleihen und Senior Notes des Konzerns besichern. Diese Erlöse sollen direkt in den anteiligen Rückkauf dieser Instrumente fließen.
Das klassische Automobil-Lampengeschäft sowie das Ersatzlampengeschäft bleiben Teil des Konzerns. Der Deal soll im zweiten Quartal dieses Jahres vollzogen werden. AMS-Osram wurde bei der Transaktion rechtlich von Linklaters beraten, Infineon wurde von Gleiss Lutz vertreten. Morgan Stanley fungierte als finanzieller Berater.
Henkel übernimmt Stahl Parent
Jetzt ist es offiziell. Nachdem Anfang des Jahres bekannt wurde, dass Henkel mit der französischen Private-Equity-Gesellschaft Wendel über die Übernahme des Beschichtungsunternehmens Stahl Parent verhandelt hatte, meldet der deutsche Konzern nun Erfolg: Henkel übernimmt das niederländische Unternehmen für 2,1 Milliarden Euro. Mit der Übernahme plant das deutsche Unternehmen, das Portfolio um Lederfinish- und Performance-Beschichtungen zu erweitern. Stahl Parent beliefert weltweit Unternehmen in den Bereichen Automobil, Mode und Verpackungen. Das Unternehmen erzielte 2025 einen bereinigten Umsatz von 725 Millionen Euro und beschäftigt rund 1.700 Mitarbeitende.
Norma Group verkauft Geschäftsteil in die USA
Die Norma Group treibt ihre Transformation voran und fokussiert sich weiter auf das Kerngeschäft. Für rund 850 Millionen Euro verkauft das Unternehmen aus Maintal das Wassermanagement-Geschäft an das US-Unternehmen Advanced Drainage Systems. Nach Abzügen fließen etwa 650 Millionen Euro zu, von denen 300 Millionen Euro zur Schuldentilgung und 70 Millionen Euro zur Stärkung des Kerngeschäfts verwendet werden. Die restlichen Mittel werden teilweise an Aktionäre zurückgeführt.
Im Zuge der Transformation plant die Norma Group, ihre Organisation zu straffen und die weltweite Präsenz zu optimieren. Ziel ist es, den Kundennutzen zu erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Weitere M&A-Deals
Der Hersteller von Sicherheitstechnik und Gebäudekommunikation Comelit übernimmt die deutsche Türkommunikationsmarke Ritto von Schneider Electrics. Mit der Übernahme will das italienische Unternehmen seine Marktpräsenz in Deutschland stärken und das Produktportfolio erweitern.
Das Healthtech-Unternehmen Kaia Health ist künftig Teil des US-Unternehmens Sword Health. Der Transaktionswert beläuft sich auf rund 240 Millionen Euro. Hogan Lovells war als führender Rechtsberater für Kaia Health tätig.
Innovative Molecules aus München geht eine strategische Partnerschaft mit dem italienischen Pharmaunternehmen Alfasigma ein. Diese umfasst eine weltweite Lizenzierung des antiviralen Medikaments Adibelivir, das zur Behandlung von Infektionen mit dem Herpes-Simplex-Virus (HSV) eingesetzt wird, der Gehirnentzündungen auslösen kann. Im Zuge der Partnerschaft können bis zu 125 Millionen Euro nach München fließen. Baker McKenzie beriet Innovative Molecules bei der Transaktion.
Der Technologiekonzern Körber hat eine Mehrheitsbeteiligung an Stellium, einem Beratungsunternehmen für SAP-Supply-Chain-Management, erworben. Mit Hauptsitz in Houston, Texas, stärkt Stellium Körbers Präsenz in Nordamerika, aber auch im Nahen Osten und Indien. Die Übernahme erweitert Körbers SAP-Portfolio und soll Innovationen in globalen Lieferketten fördern. Das Unternehmen wird künftig als Körber Stellium firmieren.
Bechtle hat den portugiesischen IT-Systemintegrator RIS 2048 – Sistemas Informáticos e Comunicações übernommen. RIS, mit Standorten in Aveiro, Lissabon und Porto, bleibt unter den Marken RIS und Evoware aktiv. Das Unternehmen, das 165 Mitarbeitende beschäftigt und 2025 über 50 Millionen Euro Umsatz erzielte, richtet sich an Enterprise- und Mittelstandskunden. Die Akquisition stärkt Bechtles Position in Portugal und Spanien, wo nun über 1.000 Mitarbeitende tätig sind. CMS agierte beratend auf der Seite von Bechtle während des Deals.
Die Goldschmaus Gruppe aus Garrel übernimmt zum 1. März den insolventen Fleischwarenhersteller Dieter Hein. Im Zuge der Übernahme soll der Produktionsstandort Hasbergen modernisiert und erweitert werden. Mit der Übernahme plant Goldschmaus, die Wertschöpfungskette zu erweitern und das Produktportfolio im Bereich Fleisch- und Wurstwaren zu stärken.
M&A-Berater-News
Der Wirtschaftsprüfer Forvis Mazars besetzt die Führungsspitze der M&A-Praxisgruppe mit einem neuen Duo. Mit Wirkung zum 1. Januar 2026 starteten Philipp Wüllrich, Partner am Standort Köln, sowie Melanie Fillinger, Salary Partnerin in Dresden, in ihren neuen Rollen. Beide begleiteten laut dem Next-Seven-Haus den Ausbau der M&A-Praxis maßgeblich in den vergangenen Jahren.
Zusätzlich gewinnt Forvis Mazars mit Ingo Zils einen Transaktionsexperten im M&A-Bereich, der Anfang Februar zu der Beratung stieß. Zils wird künftig im M&A-Bereich sowie zwischen Gesellschaftsrecht und Corporate Litigation agieren. Neben grenzüberschreitenden Umstrukturierungen, Formwechseln von Gesellschaften sowie gesellschaftsrechtlichen Strukturierungen wird er für Gesellschafterstreitigkeiten einschließlich gerichtlicher Vertretung zuständig sein.
M&A-Gerüchteküche
Bertelsmanns Musiktochter BMG erwägt den Kauf des US-Konkurrenten Concord Music. Eine mögliche Übernahme könnte mit bis zu 7 Milliarden Dollar bewertet werden, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Zusammenschluss würde eines der größten Musikunternehmen weltweit schaffen. BMG plant ein Angebot in bar und in Aktien, jedoch seien die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen.
Info
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Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
