Osram und AMS sind sich ein Stück näher gekommen und haben eine Zusammenschlussvereinbarung abgeschlossen.

ams AG

12.11.19
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Osram und AMS einigen sich auf Rahmenbedingungen

Der zähe M&A-Prozess bei Osram hat eine wichtige Hürde genommen. Bieter AMS und die Osram-Gremien haben sich auf einige wichtige Eckpunkte für die Zeit nach der Übernahme verständigt. Doch es gibt immer noch Widerstand.

Der österreichische Chiphersteller AMS hat bei seinem zweiten Gebot für Osram einen Durchbruch erzielt: AMS und der Münchener Lichtkonzern haben eine Zusammenschlussvereinbarung abgeschlossen, wie sie am heutigen Dienstag mitteilten. Die Österreicher sind Osram in einigen Punkten entgegengekommen. Vorstand und Aufsichtsrat der Münchener empfehlen nun ihren Aktionären, das Angebot anzunehmen. Die Annahmefrist läuft noch bis zum 5. Dezember.

Der wichtigste Punkt aus Sicht von CEO Olaf Berlien: Mitarbeiter an den deutschen Standorten sollen durch die Vereinbarung bis Ende 2022 vor fusionsbedingten Kündigungen geschützt sein. AMS unterstütze außerdem ausdrücklich die Photonik-Strategie von Osram. Gerade für die Entwicklung der Sparte Opto Semiconductors sieht die Osram-Führung durch die Fusion Chancen für eine Weiterentwicklung.

Ebenfalls entgegengekommen ist AMS den Münchenern bei der Frage nach der Zukunft der Digitalsparte: AMS wollte die Sparte ursprünglich ganz oder teilweise verkaufen. Diese Absicht soll nun noch einmal geprüft werden.

Osram und AMS teilen Zentralfunktionen auf

Weitere Eckpunkte der Vereinbarung betreffen unter anderem den Unternehmensnamen, der auch den Markennamen Osram reflektieren soll. Zudem wird der Standort München als Co-Zentrale rund die Hälfte der Zentralfunktionen leiten. Von wo aus künftig die Finanzen einer kombinierten Einheit gesteuert würden, ist allerdings noch nicht bekannt.

FINANCE-Köpfe

Ingo Bank, Osram Licht AG

Ingo Bank beginnt seine Karriere 1995 bei Philips in der Hamburger Niederlassung im Bereich Audit. Schnell zieht es den Manager in die niederländische Zentrale, wo er in der M&A-Abteilung arbeitet. Später folgen Stationen als CFO einzelner Geschäftsbereiche im japanischen Kobe und in Hongkong, wo er das Geschäft mit Flüssigkristallanzeigen (LCD) in der Region für den Konzern aufbaut.

Von 2005 bis 2009 ist Bank als Finanzchef zweier Geschäftseinheiten beim direkten Osram-Konkurrenten Philips Lighting in Eindhoven aktiv, der Lichttochter des Elektronikkonzerns. Nach einer Zwischenstation im Audit zieht es den Manager 2011 in die Vereinigten Staaten, wo er als Finanzchef für Philips Healthcare arbeitet.

2013 verlässt Bank den niederländischen Philips-Konzern nach fast 20 Jahren und wird CFO des US-amerikanischen Pharmadienstleisters Parexel. Im September 2016 tritt er die Position des Finanzvorstands bei dem Münchener Lichtkonzern Osram an.

zum Profil

Über die Einhaltung dieser frisch geschlossenen Zusammenschlussvereinbarung wacht Brigitte Ederer als unabhängige Monitorin. Sie war zuvor Vorstandsmitglied bei Siemens und hatte den Aufsichtsratsvorsitz bei der ÖBB inne.

Die erfolgreiche Umsetzung der Integration war ein weiterer Sorgenpunkt für die Osram-Führung gewesen. Vorstand und Aufsichtsrat sahen ein Risiko, da AMS nur wenig Erfahrung mit der Post Merger Integration so großer und komplexer Unternehmen wie Osram habe. Nun ist geplant, gemeinsam einen Post-Merger-Integrationsplan zu entwickeln.

Osram-Betriebsrat weiter gegen AMS-Offerte

Während die Osram-Führung das Angebot von AMS nun unterstützt, wehren sich die Arbeitnehmervertreter weiterhin dagegen. Es gebe nur „geringfügige Verbesserungen“ im Vergleich zum ersten Angebot. Zudem sieht der Betriebsrat ein „rechtlich-prozessuales“ Problem und pocht darauf, dass AMS nach dem gescheiterten ersten Gebot eine Sperrfrist von einem Jahr hätte einhalten müssen.
 
Der Agentur Reuters zufolge hat der Betriebsrat beim Oberlandesgericht Frankfurt Beschwerde gegen die Bafin eingelegt, die das Angebot von AMS zugelassen hat. Das zweite Gebot läuft über eine hundertprozentige Tochter von AMS – damit gibt es formal eine andere Bieterin als beim ersten Versuch.

Osram steckt in den roten Zahlen

Parallel zu dem anhaltenden Übernahmeprozess, der Osram schon seit Monaten beschäftigt, hat das Unternehmen nun auch vorläufige Zahlen für das gerade abgeschlossene Geschäftsjahr verkündet, das am 30. September endete und für die Münchener ein schwieriges war. Im März hatte Osram seine Ziele korrigieren müssen. Der Konzern schrieb einen Verlust von 343 Millionen Euro. Im Vorjahr stand noch ein Gewinn von 188 Millionen Euro zu Buche. Schwierigkeiten bereitet dem Unternehmen unter anderem das schwächelnde Automotive-Geschäft sowie eine Wertberichtigung bei dem Gemeinschaftsunternehmen Osram Continental, teilte Osram mit. Aufgrund dieser Ergebnisse wird es in diesem Jahr keine Dividende für die Osram-Aktionäre geben.

Die Kostensenkungen zeigten allerdings Wirkung. Wie Osram mitteilte, lagen die Einsparungen um 20 Prozent über dem Zielwert. Ebenfalls positiv entwickelte sich der Free Cashflow, der mit 17 Millionen Euro im Plus lag. Im Vorjahr war ein negativer Cashflow von 118 Millionen Euro angefallen.

Für das Geschäftsjahr 2020 rechnet der Konzern mit einer Stabilisierung des Geschäfts. Der Umsatz soll laut Osram-Ausblick auf vergleichbarem Niveau wie zuletzt liegen, der positive Free Cashflow im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Der Vorstand rechnet allerdings weiterhin mit einer „verhaltenen konjunkturellen Entwicklung“. Der Konzern hält zwar an seinen mittelfristigen Zielen fest, verschiebt ihre Erreichung aber um zwei Jahre nach hinten.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de