EnBW greift nach Prokon. Im Juli fällt die Entscheidung.

EnBW/Uli Deck

13.05.15
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Prokon-Übernahme: EnBW auf der Zielgeraden

Jetzt ist es offiziell: EnBW will den insolventen Windparkbetreiber Prokon übernehmen. Den PE-Investor Capital Stage hat der Energiekonzern schon ausgestochen – nun muss EnBW die Prokon-Gläubiger hinter sich bringen. Die haben noch eine Alternative in petto.

Es sieht gut aus für EnBW: Im Bieterwettbewerb um den insolventen Windparkbetreiber Prokon hat der Energieversorger den Vorzug vor dem Finanzinvestor Capital Stage erhalten. Der Prokon-Gläubigerausschuss hat EnBW als favorisierten Bieter im M&A-Prozess ausgewählt, teilte Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin gestern Abend mit. Das Angebot von Capital Stage ist damit vom Tisch: „Wir bedauern diese Entscheidung“, sagte Felix Goedhart, CEO von Capital Stage. Der PE-Investor wollte 95 Prozent an Prokon übernehmen.

Das Interesse von EnBW an Prokon war zu Beginn dieser Woche bekannt geworden, inzwischen haben die Baden-Württemberger das Angebot auch offiziell bestätigt: Man biete einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in Form einer Barzahlung, teilten die Baden-Württemberger mit. Informationen des Handelsblatts zufolge soll es sich um einen Kaufbetrag von rund 550 Millionen Euro handeln.

EnBW fiebert auf Gläubigerversammlung im Juli hin

Entschieden ist aber noch nichts: Nun muss EnBW die rund 100.000 Prokon-Gläubiger von seinem Angebot überzeugen. Bei der Gläubigerversammlung Anfang Juli in Hamburg haben diese die Wahl zwischen zwei Sanierungsplänen: Neben dem Verkauf an EnBW ist auch noch ein Modell im Rennen, das die Umwandlung von Prokon in eine Genossenschaft vorsieht.

Kommt diese Variante zum Zug, würden die rund 75.000 Inhaber von Prokon-Genussrechten die 54 Windparks in Deutschland und Polen als Genossenschaft in Eigenregie weiterführen. Die Genussrechte würden in Mitgliedschaftsrechte gewandelt. Außerdem würde bei diesem Modell an alle Genussrechtsinhaber eine Anleihe ausgegeben – durch die Zinszahlung daraus sollen die bereits erlittenen Verluste der Gläubiger zumindest teilweise wieder ausgeglichen werden.

Die Offerte von EnBW hätte dagegen den Charme, dass die Anleger, für die rund 1,4 Milliarden Euro auf dem Spiel stehen, sofort eine Barzahlung bekämen. Nachdem sich die Insolvenz bereits seit fast anderthalb Jahren hinzieht, könnten einige Gläubiger versucht sein, zuzuschlagen. Eine Anleihe wäre in diesem Fall nicht vorgesehen.

„Freunde von Prokon“ begrüßen EnBW-Offerte

Die Chancen für EnBW stehen daher nicht schlecht. Erst recht, da der Verein „Freunde von Prokon“ das Angebot des Energieversorgers begrüßt. Man sehe darin die „Werthaltigkeit der Windkraft- und Stromlieferfirma“ bestätigt, heißt es. Der Verein hat die Genossenschaftslösung maßgeblich vorangetrieben, nach eigenen Angaben gehören ihm 10.368 Genussrechteinhaber an.

Hinzu kommt, dass der Genossenschaftslösung genügend Gläubiger zustimmen müssten, damit überhaupt ausreichend Eigenkapital für die neue Prokon zusammenkäme. Wie viele Genussrechteinhaber mitziehen müssten, könne sie heute noch nicht sagen, erklärte eine Sprecherin des Insolvenzverwalters gegenüber FINANCE. Das werde Inhalt des entsprechenden Insolvenzplans sein, den Penzlin kurzfristig beim zuständigen Insolvenzgericht einreichen werde, hieß es.

Für EnBW, die mit dem Erwerb des Windparkprojektierers den Wandel vom Atomenergiekonzern zum Anbieter für Erneuerbaren Energien vorantreiben wollen, bleibt es wohl bis Juli spannend.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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