RWE könnte von der drohenden Uniper-Zerschlagung profitieren.

Uniper

20.10.17
Deals

RWE soll für Uniper-Deal bereitstehen

RWE hat offenbar ein Auge auf den deutschen Kraftwerkspark von Uniper geworfen. Aus strategischer Sicht würde das sowohl für RWE als auch den Uniper-Käufer Fortum perfekt passen.

Der Energiereise RWE könnte im nächsten Jahr bedeutende Teile des Stromproduzenten Uniper übernehmen. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, interessieren sich die Essener für die deutsche Stromproduktion der E.on-Ausgliederung mit Kohle- und Gaskraftwerken. Zahlreiche Uniper-Kraftwerke könnten auf den Markt kommen, wenn der finnische Versorger Fortum wie geplant Anfang 2018 einen knapp 50-prozentigen Uniper-Anteil übernimmt. RWE stünde als Käufer parat, berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf Konzerninsider.

Diese Entwicklung kommt nicht überraschend. Nachdem die Bilanzsanierung weitgehend abgeschlossen ist, zeigt sich RWE inzwischen wieder offen für Zukäufe. Das Unternehmen rechnet mit steigenden Strompreisen in Deutschland und plant deshalb, seinen Kraftwerkspark auszubauen. „Wir sehen uns als Garanten der Versorgungssicherheit“, skizzierte RWE-CFO Markus Krebber erst vor wenigen Wochen bei FINANCE-TV die Unternehmensstrategie. Zu den damals schon kursierenden Gerüchten um ein RWE-Interesse an Teilen von Uniper antwortete er ausweichend. 

FINANCE-TV

RWE hätte die Firepower für Kauf der Uniper-Kraftwerke

Fortum beteuert, Uniper als Ganzes übernehmen zu wollen. Doch in die Unternehmensstrategie der Finnen, die sich als Anbieter sauberen Stroms positionieren, passen eigentlich nur Unipers Auslandsgeschäfte in Russland und Skandinavien sowie das großvolumige Handelsgeschäft. Zudem ist Fortum mit einem Umsatz von lediglich 3,6 Milliarden Euro ein vergleichsweise kleiner Fisch, und die rund 3,7 Milliarden Euro, die die Finnen E.on für das Uniper-Paket bezahlen wollen, dürften die Bilanz deutlich anspannen. Aus diesem Grund rechnen auch Uniper-Manager damit, dass Fortum früher oder später auf eine Abspaltung des deutschen Uniper-Geschäfts drängen wird.

FINANCE-Köpfe

Dr. Markus Krebber, RWE AG

Nach der Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank und dem Studium startet Markus Krebber seine Laufbahn als Unternehmensberater bei McKinsey. Während dieser Zeit promoviert er an der Humboldt-Universität zu Berlin am Institut für Bank-, Börsen- und Versicherungswesen.

2005 wechselt Krebber zur Commerzbank als Bereichsleiter Business Development im Bereich Privat- und Geschäftskunden. Dort steigt er zunächst zum COO des Privatkundengeschäfts auf und dann zum Bereichsvorstand Group Integration. Nach erfolgreichem Abschluss der Dresdner-Bank-Integration wird er Bereichsvorstand Group Finance.

Ende 2012 verändert sich Krebber als CFO zu RWE Supply & Trading, wo er im März 2015 den Posten als CEO übernimmt. Im Oktober 2016 wird er CFO des Mutterkonzerns RWE.

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Angesichts der schwachen Ertragsaussichten von konventionellen Kraftwerken in Deutschland lohnen sich hingegen für RWE Neubauten nicht – im Gegensatz zu Zukäufen weitgehend wertberichtigter Anlagen wie jener von Uniper. Im FINANCE-TV-Interview sagte Krebber, dass RWE inzwischen schon wieder ohne weiteres über 1 Milliarde Euro für M&A-Manöver mobilisieren könnte. „Wenn sich Gelegenheiten ergeben, werden wir sie nutzen“, bestätigte RWE-Chef Martin Schmitz mit Blick auf M&A-Gelegenheiten.

Das nötige Geld dafür könnte RWE aus seiner über 75 Prozent umfassenden Beteiligung an der Ökostrom- und Netztochter Innogy ziehen. Das Management hat Spielraum, dieses Paket bis auf 50 Prozent abzubauen. Allein diese Reserven beliefen sich auf rund 5 Milliarden Euro. Allerdings sagte Krebber, dass RWE Zuflüsse aus dem Verkauf von Innogy-Aktien nur in ähnlich stabile Ertragsbringer reinvestieren würde. Die deutschen Uniper-Kraftwerke fielen nicht in diese Kategorie, was die Firepower der Essener auf einen geringen Milliardenbetrag begrenzen dürfte. Für den Kauf der ertragsschwachen Uniper-Kraftwerke wäre dies aber mehr als genug.

Uniper-Zerschlagung wird wahrscheinlicher

Für eine mittelfristige Zerschlagung von Uniper spricht auch, dass die Finnen laut Handelsblatt bereits im Juni einen Vorschlag für ein sogenanntes „Business Combination Agreement“ bei Uniper-Chef Schäfer eingereicht haben sollen. Das Papier habe vorgesehen, die Tochtergesellschaften in Russland und Schweden von den restlichen Uniper-Assets zu trennen. Diese sollten eine neue Division im Fortum-Konzern werden. Für die Deutschlanddivision seien jedoch keine Perspektiven aufgezeigt worden. 

Dass der Widerstand des Uniper-Managements gegen den Einstieg von Fortum den Gang der Dinge noch aufhält, ist unwahrscheinlich, da E.on mit Fortum eine Break-up-fee in Höhe von 750 Millionen Euro ausgehandelt hat. Der Verkauf des Pakets an die Börse oder einen anderen Konzern würde sich für E.on daher nur rechnen, wenn der Kurs der Uniper-Aktie über 27 Euro steigt. Heute notiert sie mit einem leichten Minus bei knapp unter 24 Euro.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

RWE und Uniper: Steigende Strompreise treiben die Performance

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