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Software AG prüft eigenen Verkauf

Die Software AG schließt eine strategische Partnerschaft mit dem Finanzinvestor Silver Lake ab. Foto: Software AG
Die Software AG schließt eine strategische Partnerschaft mit dem Finanzinvestor Silver Lake ab. Foto: Software AG

Die Software AG aus Darmstadt erwägt offenbar den eigenen Verkauf. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, prüft der IT-Infrastrukturdienstleister seine strategischen Optionen. Dazu gehört auch der Start eines M&A-Prozesses. Bloomberg beruft sich auf die Aussage von mit der Angelegenheit vertrauten Personen, die Software AG kommentiert den Bericht nicht.

Warum es zu einem M&A-Prozess kommen könnte

Beweggründe für einen möglichen Verkauf ließen sich tatsächlich ausmachen. So befindet sich das Darmstädter Unternehmen seit 2019 in einer umfassenden Transformation weg von dem Verkauf von Softwarelizenzen hin zu einem cloudbasierten Abo-Modell.

Das Transformationsprojekt trägt den Namen „Helix“, und es lastet schwer auf den Umsatz- und Gewinnzahlen der Softwareschmiede. Im kommenden Jahr sollen sich positiven Aspekte der Transformation auch in den Bilanzkennzahlen niederschlagen, verspricht das Management. 2023 soll dann erstmals seit mehr als zehn Jahren wieder die Umsatzmarke von 1 Milliarde Euro in Reichweite kommen.

Aber der Markt ist skeptisch: Nach einer Berechnung des Analysehauses Alster Research hat die Aktie der Software AG den Dax in den vergangenen fünf Jahren um 46 Prozent underperformt. Konsequenz: Die Bewertungs-Multiples der Software AG liegen deutlich niedriger als bei den allermeisten Konkurrenten. Aktuell liegt das EV/Ebitda-Multiple bei rund 13x, für das nächste Jahr bei 11x. Entsprechend unzufrieden sind die Aktionäre mit der gegenwärtigen Situation.  

Aktie der Software AG gilt als stark unterbewertet

Nach einem Kurssprung von fast 8 Prozent auf den Bloomberg-Bericht wird der MDax-Konzern mit knapp 2,8 Milliarden Euro bewertet. Abzüglich einer Nettoliquidität von fast 300 Millionen Euro beläuft sich der Unternehmenswert auf 2,5 Milliarden Euro. Damit gehört die Software AG zu den kleinsten Software-Häusern mit internationalem Anspruch.

Aktienkurs der Software AG der vergangenen 5 Jahre

Viele Analysten bewerten das Unternehmen aufgrund seiner starken Cash-Generierung aber deutlich höher. Alster Research zum Beispiel hielte einen Kurs von 48 Euro für angemessen – ohne Einberechnung jedweder Übernahmeprämien. Davon ausgehend könnte ein kompetitiver M&A-Prozess durchaus zu Bewertungen von weit über 60 oder 70 Euro je Aktie führen. Die Alster-Analysten glauben, dass sich derzeit sowohl Strategen als auch Private-Equity-Finanzinvestoren mit einer Übernahme der Software AG beschäftigen, bei der seit Juli 2020 der frühere SAP-Manager Matthias Heiden die Finanzabteilung leitet.

Software AG-Stiftung könnte sich gegen Verkauf stellen

Allerdings gibt es bei der Software AG eine besondere Konstellation, die den Verkauf erschweren könnte, sofern keine extrem attraktiven Kaufangebote eingehen sollten: Der Hauptaktionär des Unternehmens ist die Software AG–Stiftung des Firmengründers Peter Schnell. Sie hält 33 Prozent.

Für den Stiftungszweck ist die Software-AG-Aktie ein ideales Investment: Das Unternehmen ist enorm cash-generativ, die Ausschüttungsquote gleichzeitig nicht besonders hoch. Dies sichert der Stiftung einen sehr verlässlichen und regelmäßigen Dividendenstrom, der nach einem erfolgreichen Abschluss des Helix-Programms auch noch deutlich höher ausfallen könnte. Für die Arbeit einer Stiftung ist eine verlässliche Dividende eine wichtige Voraussetzung.

Hinzu kommt die emotionale Bindung der Stiftung an das gleichnamige Unternehmen, das seinen Sitz in Darmstadt-Eberstadt hat. Der Mathematiker und Informatiker Schnell hat die Software AG 1969 gegründet und war lange Zeit auch deren Vorstandschef. „Die Stiftung dürfte eine gewaltige Prämie aufrufen, bevor sie ihre Aktien verkauft“, erwartet Alster Research.

jan.schuermann[at]finance-magazin.de

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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Jan Schuermann ist Redakteur bei FINANCE und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Gehalt in der Corporate-Finance-Welt. Er hat in Köln Geschichte, Deutsch und North American Studies studiert. Während eines Auslandsaufenthalt an der UC Berkeley hat er zeitweise für den Daily Californian gearbeitet. Bevor Jan Schuermann zum Fachverlag F.A.Z Business Media gestoßen ist, war er für die Nachrichtenagentur Thomson Reuters im polnischen Danzig tätig.