Solarworld-Gründer Frank Asbeck hat offenbar einen zweistelligen Millionenbetrag in den Photovoltaikkonzern gesteckt, um die Bonner zu retten.

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14.08.17
Deals

Solarworld: Asbeck investiert zweistelligen Millionenbetrag

Solarworld-Gründer Frank Asbeck steckt einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in das insolvente Unternehmen. Sein neuer Plan für die Bonner ist ambitioniert – und knapp kalkuliert.

Seit der vergangenen Woche ist klar, dass Frank Asbeck den Photovoltaikkonzern Solarworld retten soll. Der Gründer und CEO übernimmt den insolventen Solarkonzern mit Partnern aus Katar. Der Übernahme hatte die Gläubigerversammlung am vergangenen Freitag zugestimmt.

Frank Asbeck hält künftig 51 Prozent an Solarworld

Nun sind weitere Details zu dem M&A-Deal bekanntgeworden. So schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung, dass Asbeck nun direkt und indirekt 51 Prozent des Unternehmens halte. Der Gründer des einst größten deutschen Solarkonzerns investiere hierfür einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag, zitiert die F.A.Z. einen Sprecher Asbecks. Den Betrag zahle Asbeck aus Eigenmitteln, zudem verzichte er auf Forderungen und Mieten.

Die restlichen Solarworld-Anteile gehören fortan Qatar Solar Technologies, die im Gegenzug auf einen mit Pfandrechten abgesicherten Kredit über 50 Millionen Euro verzichten. Der Gesamtwert des Deals inklusive Barkomponente beläuft sich auf 96 Millionen Euro. Qatar Solar hatte Asbeck 2013 geholfen, Solarworld vor der Insolvenz zu bewahren.

Wie ernst die Lage bei Solarworld zuletzt war, geht aus Aussagen des Insolvenzverwalters Horst Piepenburg hervor. Gegenüber der F.A.Z. sagte er, das Unternehmen habe „praktisch keine Liquidität“ mehr gehabt. Die Pfandrechte lagen demnach nicht nur auf Konten und Geschäftsanteilen, sondern auch auf Vorräten und Produktionsmitteln.

Solarworld will Kosten senken und Produktivität erhöhen

Die einzige Alternative zu dem Verkauf an Frank Asbeck sei daher „die Schließung und Abwicklung der Firma gewesen“ gewesen, sagt der Insolvenzverwalter. Es habe zwar weitere Angebote gegeben, allerdings konnte Piepenburg zufolge nur Asbeck die Finanzierung von Solarworld kurzfristig sicherstellen. Der Insolvenzverwalter räumt den Gläubigern von Solarworld noch Chancen auf eine anteilige Rückzahlung ihres Investments ein, auch wenn sie auf einen großen Teil ihrer Forderungen wohl werden verzichten müssen. Die Aktionäre gehen wie bereits bekannt leer aus.

Solarworld will sich in Zukunft strategisch neu aufstellen. Von den zuletzt 1.800 Mitarbeitern bleiben mit 515 nur etwas mehr als ein Viertel erhalten. Die Produktionskapazität soll trotzdem nur um ein Drittel sinken.

Asbecks Plan für Solarworld ist ambitioniert, er selbst nennt ihn „knapp, aber genau kalkuliert.“ Das Nachfolgeunternehmen der Solarworld AG, die Solarworld Industries GmbH, soll weniger selbst fertigen und nur die Zell- und Modulfertigung weiterführen. Dadurch sollen die Kosten sinken. Gleichzeitig will Solarworld weiter Premiumqualität liefern, so Asbeck.

Solarworld-Insolvenverwalter sucht Käufer für US-Tochter

Durch die Insolvenz ist zumindest die Klage des US-amerikanischen Siliziumherstellers Hemlock vom Tisch, der wegen eines nicht erfüllten Liefervertrags 700 Millionen Euro Schadenersatz gefordert hatte. Wie die F.A.Z. schreibt, könne Hemlock die Ansprüche im Insolvenzverfahren nicht geltend machen.

Aus der insolventen AG will Insolvenzverwalter Piepenburg nun vor allem noch die US-Tochter verwerten. Der Verkaufsprozess laufe derzeit, „die ersten Angebot sind da“, sagte Piepenburg der F.A.Z.. Zudem verwertet Piepenburg derzeit die Solarworld-Töchter Solarparc und die Deutsche Lithium.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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