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XXXLutz will Home24 übernehmen

Home24 gehört bald zu XXXLutz
Home24 gehört bald zu XXXLutz. Foto: Home24

XXXLutz will den Online-Branchenkollegen Home 24 schlucken. Der Zeitpunkt ist günstig, denn weltpolitische Spannungen und eine gedrückte Konsumentenstimmung machen Home24 schon länger zu schaffen, was sich deutlich am Kapitalmarkt niederschlägt: Die Aktie des Berliner Versandhändlers aus dem Hause Rocket Internet war Ende September auf ihr Jahrestief bei kaum über 2,50 Euro gesunken– ein ähnlicher Tiefstand wie zu Beginn der Corona-Lockdowns im März 2020. Beim Börsengang im Mai 2018 wurde das Papier für das Zehnfache gehandelt.

Nun will XXXLutz aus Österreich den Berliner Onlinehändler übernehmen und bietet für alle ausstehenden Aktien 7,50 Euro das Stück. Das entspricht einer Prämie von 124 Prozent auf den XETRA-Schlusskurs vom 4. Oktober.

Management und Aktionäre von Home24 unterstützen den Deal

XXXLutz konnte bereits unwiderrufliche Zusagen von zahlreichen Home24-Aktionäre einsammeln, die ihre Anteile andienen wollen. Dem Möbelriesen seien rund 50 Prozent des derzeitig ausgegebenen Grundkapitals von Home24 sicher, wie XXXLutz bekanntgab.

Um die Wachstumsstrategie und finanzielle Ausstattung von Home24 nachhaltig zu unterstützen, zeichnet XXXLutz eine zehnprozentige Kapitalerhöhung zu einem Aktienpreis von 7,50 Euro. Das Unternehmen rechnet mit einem Erlös von rund 23 Millionen Euro. Zusammen mit den Aktien, die aus der Kapitalerhöhung entstehen werden, sowie bereits getätigten Aktienerwerben kommt der Möbelkonzern derzeit auf etwa 60 Prozent der Anteile.

Der Vorstand und Aufsichtsrat von Home24 begrüßen die Übernahmeofferte der Österreicher. Der Deal soll über die Tochter XXXLutz, die RAS Beteiligungs GmbH, abgeschlossen werden.

Führungsteam und Hauptstandorte von Home24 sollen bleiben

Home24 soll eigenständig bleiben, und zwar in eigener Verantwortung unter Führung des aktuellen Managementteams. Die drei Mitglieder der Geschäftsführung von Home24, Philipp Steinhäuser, Brigitte Wittekind und Marc Appelhoff, haben zeitgleich ihre Vorstandsverträge verlängert und ihre Unterstützung für diese Transaktion bekräftigt.

XXXLutz will laut Pressemitteilung die Wachstumsstrategie von Home24 langfristig, strategisch und finanziell nachhaltig unterstützen. Home24 beschäftigt weltweit knapp 3.000 Menschen. Berlin und die „wesentlichen Standorte“ der Home24-Gruppe sollen erhalten bleiben. Neben großen Märkten in Europa wie Deutschland, Frankreich und Italien ist Home24 zudem in Brasilien aktiv. Auch die Kernmarken der Gruppe wie Home24 und Butlers bleiben danach als unabhängige Marken bestehen.

XXXLutz plant Börsen-Delisting von Home24

Home24 hatte selbst erst Ende 2021 die Butlers-Kette mit zahlreichen Filialen übernommen. Beim Kauf von der Filialkette durch Home24 gab es einige ungewöhnliche Aspekte in der Deal-Struktur. So hatte sich etwa der Butlers-Gründer Wilhelm Josten mit einer Klausel abgesichert: Sollte der Kurs im Jahr 2026 nicht regelmäßig über 18 Euro notieren, erhält er nachträglich einen Cash-Ausgleich von bis zu 5,55 Euro je Aktie. Ob dieses Angebot bestehen bleibt, wollte ein Sprecher von XXXLutz gegenüber FINANCE nicht kommentieren. Home24 indes gibt an, die Vereinbarung werde durch die Transaktion nicht berührt.

Die Klausel im Butlers-Deal könnte nochmal an Relevanz gewinnen. Denn XXXLutz beabsichtigt, die Home24-Aktie nach erfolgreicher Übernahme von der Börse zu nehmen. Hierzu erklärt Home24, XXXLutz und Wilhelm Josten hätten „im Rahmen der unterzeichneten sogenannten Irrevocables vereinbart, abhängig vom weiteren Fortgang des Prozesses (z. B. im Falle eines Delisting) eine gemeinsame Lösung für den Sachverhalt finden zu wollen.“

erika.vonbassewitz@finance-magazin.de | + posts

Erika von Bassewitz ist Redakteurin bei FINANCE. Sie hat Philosophie und Französisch an der Humboldt-Universität in Berlin sowie an der Université de Genève studiert und mit einem Magister Artium abgeschlossen. Vor FINANCE war sie mehr als acht Jahre Redakteurin in der Multimediaredaktion des Medienhauses der EKHN. Davor war sie unter anderem Redakteurin beim HR-Magazin von monster, freie Autorin bei Deutsche Welle TV und freie Mitarbeiterin bei der Westdeutschen Zeitung.