Ardian setzt einen neuen Private-Debt-Fonds auf und sammelt 3 Milliarden Euro ein - und damit 500 Millionen mehr als geplant.

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22.01.20
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Ardian sammelt 3 Milliarden für Private-Debt-Fonds ein

Für seinen vierten Private-Debt-Fonds hat Ardian 3 Milliarden Euro eingeworben. Mit der neuen Firepower will der Finanzinvestor den Banken Marktanteile im Leveraged-Finance-Geschäft abjagen.

Ardian lädt nach: Für seinen vierten Private-Debt-Fonds hat der französische Finanzinvestor 3 Milliarden Euro eingeworben und damit 20 Prozent mehr erreicht als mit 2,5 Milliarden Euro ursprünglich anvisiert. Für den Vorgängerfonds hatte der Finanzinvestor im Jahr 2015 noch 2 Milliarden eingeworben.

Zugleich kündigte Ardian an, mit der neuen Fonds-Runde sein Finanzierungsportfolio um sogenanntes „Stretched Senior Debt“ erweitern. Dabei handelt es sich um eine hybride Finanzierungsstruktur, die Senior und Junior Debt, ähnlich einer Unitranche, in einem Instrument bündelt und vorzugsweise bei M&A-Deals eingesetzt wird.

Bei Stretched Senior reicht der Debt-Fonds beide Tranchen aus – also sowohl den vorrangig besicherten Teil als auch den nachrangigen Teil, in den eine Unitranche untergliedert ist. Bislang war der vorangige Teil eine Domäne der Banken. Allerdings steigt die Zahl der Debt-Fonds, die solche Stretched-Senior-Strukturen anbieten, seit einigen Monaten. Nun zieht auch Ardian nach.

Ardian attackiert Banken mit Stretched Senior Debt

Damit wird auch offensichtlich, wohin die Reise für Ardian mit Fondsgeneration Nummer vier gehen soll: Der Debt-Fonds will den Banken weitere Marktanteile im Mid-Market abjagen: „Wir wollen sukzessive in Bereiche eindringen, die zuvor exklusiv von Banken bedient wurden“, stellt der Private-Debt-Chef und Managing Director bei Ardian, Mark Brenke, klar.

Bereits seit einigen Jahren laufen Debt-Fonds den klassischen Banken zunehmend den Rang im Leveraged-Finance-Geschäft ab. Im ersten Halbjahr 2019 kontrollierten die Debt-Fonds sogar über die Hälfte mittelgroßen deutschen Private-Equity-Finanzierungen.

Stretched Senior erlaubt es den Private-Debt-Häusern nun, sich preislich an die Banken anzunähern: Finanzierungsberatern zufolge sind mit Stretched Senior mittlerweile Zinsen von 4 bis 4,5 Prozent möglich. Zur Einordnung: In den Jahren 2016 und 2017 kostete eine vergleichbare Unitranche die Unternehmen noch 6,5 bis 7 Prozent – allerdings war damals auch das generelle Zinsniveau noch etwas höher.

Ardian erweitert Investorenkreis

Dass Ardian im Private-Debt-Feld in die Offensive geht, zeigt sich auch am Wachstum des Teams: Mittlerweile seien rund 20 Mitarbeiter in Frankfurt, London und Paris in dem Bereich tätig, wie Ardian auf FINANCE-Anfrage mitteilte. Damit sei die Private-Debt-Abteilung in den vergangenen fünf Jahren um über 20 Prozent gewachsen.
 
Für den aktuellen Fonds ist es den Franzosen eigenen Angaben zufolge gelungen, ihre Investorenbasis weiter zu diversifizieren: Die Mittel kämen von 90 Investoren aus 15 Ländern, teile Ardian mit. Dabei habe besonders die Zahl asiatischer und nordamerikanischer Investoren zugenommen.

Seit seiner Gründung 2005 hat das Private-Debt-Team der Franzosen nach eigenen Angaben mehr als 120 Transaktionen durchgeführt und verwaltet rund 7 Milliarden Dollar Asset-under-Management. Die jüngste Transaktion wurde erst gestern bekannt: Ardian finanziert den Einstieg des Schweizer Medizintechnik-Spezialist Medeuropa und den PE-Investor Telemos bei dem französischen Radiologieanbieter CCO Perpignan.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de

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