Nach dem Kauf der Aufzugsparte von ThyssenKrupp suchen die Käufer Advent und Cinven nun zusätzliche Investoren.

ThyssenKrupp

05.05.20
Deals

Neue Struktur für Thyssen-Elevator-Deal

Viel Bewegung bei der geplanten Übernahme von ThyssenKrupps Aufzuggeschäft: Während die neuen Eigentümer Advent und Cinven ihr Exposure reduzieren wollen, müssen die finanzierenden Banken ihre Verluste realisieren.

Die Käufer der Aufzugsparte von ThyssenKrupp, Advent und Cinven, wollen die Struktur ihres Deals verändern: Wie das „Handelsblatt“ unter Verweis auf Informationen der „Financial Times“ berichtet, suchen die beiden Finanzinvestoren weitere Großanleger, die sich an der Transaktion beteiligen wollen. So würden die beiden Investoren ihr Exposure gegenüber der Transaktion reduzieren.

ThyssenKrupp Elevator: Die Aktionärsstruktur

In Zahlen sieht das so aus: Insgesamt legten Ende Februar ein Konsortium aus Advent, Cinven und der RAG-Stiftung 17,2 Milliarden Euro für die Perle des früheren Dax-Konzerns auf den Tisch. Davon entfielen rund 10 Milliarden Euro auf Kredite. Im Equity investierten ThyssenKrupp über eine Rückbeteiligung 1,25 Milliarden Euro und die RAG-Stiftung einen nicht genau bekannten, aber vermutlich ähnlich hohen Betrag. Damit dürften derzeit knapp 5 Milliarden Euro auf Advent und Cinven entfallen.

Darin sind aber bereits Anteile in nicht bekannter Höhe der beiden Staatsfonds Abu Dhabi Investment Authorities und GIC aus Singapur enthalten. Insgesamt – so die Financial Times – schätzen Finanzexperten, dass Advent und Cinven noch Anteile für 1 bis 2 Milliarden Euro bei weiteren Co-Investoren platzieren möchten. Am Ende dieses Prozesses dürfte sich ihre Beteiligung somit nur noch auf eine knappe Mehrheitsposition verringern.

Goldman Sachs leidet am stärksten

Während die beiden das Käuferkonsortium anführenden Finanzinvestoren ihr Exposure gerade reduzieren, ist jenes der finanzierenden Banken seit dem Signing des Deals gestiegen. Laut Finanzkreisen handelt es sich dabei um Barclays, Credit Suisse, die Deutsche Bank, Goldman Sachs, die Royal Bank of Scotland und die UBS. Aufgrund der Marktverwerfungen durch das Coronavirus lassen sich die Kredite nun nicht mehr zu den Konditionen am Markt aussyndizieren, die das Bankenkonsortium den Käufern zugestanden hat.

Finanzkreise berichten, dass die Banken mit Abschlägen von 3,5 Prozent rechnen müssten. Das würde jeder der Banken Verluste von geschätzt 40 bis 70 Millionen Euro bescheren. Am stärksten betroffen scheint Goldman Sachs zu sein: Die Investmentbank ist nicht nur in den vorrangigen Krediten engagiert, sondern offenbar auch noch mit mindestens 1 Milliarde Euro im Mezzanine. Dort dürfte der Buchverlust noch höher ausfallen als bei den Senior-Loans.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

ThyssenKrupp steckt in der größten Krise seiner Unternehmensgeschichte. Eine neue Strategie sollte die Wende bringen – doch sie platzte. Wie der Traditionskonzern aus der Misere herausfinden will, lesen Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zu ThyssenKrupp.