DPE kauft und verkauft
DPE Deutsche Private Equity steigt bei der Dare Gruppe ein. Die Berliner führen Rückbau-, Abbruch- und Schadstoffsanierungsarbeiten durch und kümmern sich um die Entsorgung von Baustellenabfällen. Dare wurde 2001 gegründet und beschäftigt über 70 Mitarbeiter. Die beiden Geschäftsführer Robert Schliewin und Christopher Schmidt-Bleek bleiben auch nach der Transaktion Miteigentümer sowie im Unternehmen aktiv.
Die Unternehmensleistung von Dare hat sich laut DPE seit 2014 mehr als verdreifacht. Künftig will der Private-Equity-Investor die „lokalen Kapazitäten“ ausbauen sowie den Sektor in Ballungsräumen in Deutschland weiter konsolidieren.
Zudem verkauft DPE die Portfoliofirma Eds.group (Euro Druckservice) an die tschechische Beteiligungsgesellschaft Jet Investment. Die Passauer Druckereigruppe zählt vor allem Handelsketten und Verlage in Mittelosteuropa zu den eigenen Kunden. Aktuell erwirtschaftet die 1992 gegründete Firma mit 1.500 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 300 Millionen Euro. Den Verkauf will DPE im März abschließen. Bei dieser Transaktion berieten Clifford Chance, Poellath, DRV Legal und EY.
DBAG mit negativem Konzernergebnis im ersten Quartal 2022
Die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) hat im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres ein erheblich geringeres Konzernergebnis erzielt als im Vorjahr. Wie die Frankfurter mitteilten, erwarten sie für das erste Quartal 2021/22 ein negatives Konzernergebnis zwischen 7 und 9 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal erreichte die DBAG noch ein Konzernergebnis von knapp 25 Millionen Euro. Als Grund führt der Private-Equity-Investor rückläufige Vergleichswerte am Kapitalmarkt an, was auch die Bewertung des eigenen Portfolios belastet.
„Das Brutto-Bewertungs- und Abgangsergebnis zum Stichtag 31. Dezember 2021 ist deutlich negativ beeinflusst durch die Veränderung der Multiplikatoren der Vergleichsunternehmen am Kapitalmarkt“, teilten die Frankfurter mit. Grund zur Sorge gebe es aber nicht: Wie die DBAG betont, lässt das Ergebnis eines Quartals keine Rückschlüsse auf das Ergebnis eines gesamten Geschäftsjahres zu. Dies gelte auch für den Vergleich mit dem Vorjahresquartal.
Pinova übernimmt KI-Firma von Imcap
Pinova kauft das KI-Unternehmen Sematell von Imcap. Die Saarbrückener Firma hat eine Software entwickelt, die darauf spezialisiert ist, schriftliche Kundenanfragen zu analysieren und eine passende Antwort auf die Anfrage zu erstellen. Die Software, die am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) entwickelt wurde, arbeitet laut Sematell in über 70 Sprachen. Zu den Kunden zählt die Firma unter anderem die Deutsche Telekom, Vodafone oder auch Smava.
Das Unternehmen war seit 2016 Teil des Imcap-Portfolios und hat den Umsatz seitdem nach eigenen Angaben mehr als verdreifacht. Er liegt aktuell im zweistelligen Millionenbereich. Geschäftsführer Thomas Dreikauss bleibt auch nach der Transaktion im Amt. Gemeinsam mit Pinova will die Software-Firma international expandieren. HF Private Debt hat den Deal finanziert und wurde dabei von der Kanzlei Ashurst beraten. Pinova erhielt Unterstützung von Poellath und Shearman & Sterling.
Halder kauft neue Plattform und Add-on
Halder kauft gleich zweimal zu: Die Beteiligungsgesellschaft übernimmt die Helios Klinik Volkach. Das Klinikum verfügt über 40 Betten und ist auf die Allgemeinchirurgie mit den Schwerpunkten Orthopädie und Unfallchirurgie spezialisiert. Es ist mit 70 Mitarbeitern für die medizinische Versorgung im Landkreis Kitzingen und dem Umland verantwortlich und wird künftig als Fachklinikum Mainschleife weitergeführt. Zu dem Klinikum gehören noch zwei Medizinische Versorgungszentren in Volkach und Würzburg. Gemeinsam mit Halder will die Firma ihr Leistungsspektrum ausbauen und die Strukturen und Abläufe im Krankenhaus verbessern.
Darüber hinaus kauft Halder für das Portfoliounternehmen Suvema zu: Der Finanzinvestor übernimmt den Schweizer Werkzeugmaschinenhersteller Newemag. Beide Firmen sollen künftig unter dem Dach einer neuen Gruppe firmieren, bleiben aber eigenständige Unternehmen. Verkäufer von Newemag ist CEO Pirmin Zehnder, der Teil des Gruppenmanagements wird und zum Mitgesellschafter der Gruppe aufsteigt. Halder war im Oktober 2019 bei dem Spezialisten für kundenspezifische Werkzeugmaschinen Suvema eingestiegen.
Weitere Private-Equity-Deals
Exit bei Riverside: Der Private-Equity-Investor verkauft Repa an die US-Firma PT Holdings (Parts Town). Repa ist ein Ersatzteildistributor für Küchenartikel sowie für Kaffee- und Vending-Automaten. PT Holdings wiederum ist auf Reparatur- und Ersatzteile für die Gastronomie spezialisiert. Hinter dem US-Unternehmen steht der Finanzinvestor Berkshire Partners. Riverside hatte sich im Oktober 2016 an der Bergkirchener Firma beteiligt und tätigte seitdem sechs Zukäufe in Italien, Spanien, Großbritannien, Österreich und Australien. Weil, Gotshal & Manges hat die Buy-side bei der Transaktion beraten. Riverside erhielt Unterstützung von Allen & Overy.
Storskogen kauft den Fertiggerichtehersteller A & K – Die frische Küche. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Recklinghausen und betreibt zwei weitere Standorte in Wuppertal und Alsdorf. Mit 150 Mitarbeitern erzielte A + K im vergangenen Jahr einen Umsatz von 16 Millionen Euro. Ebenfalls Teil der Transaktion ist die Tochtergesellschaft Casino Services, die einen Essen-auf-Rädern-Lieferservice betreibt. Die Übernahme integriert der Finanzinvestor in den Geschäftsbereich „Produkte“ im Segment „Industrie“. Storskogen ist auf profitable Mittelständler aus den Sektoren Industrie, Handel und Dienstleistungen in der DACH-Region sowie in Großbritannien und Nordeuropa fokussiert. Der Private-Equity-Investor ließ sich bei der Transaktion von Heuking Kühn Lüer Wojtek beraten.
Die Hannover Finanz steigt minderheitlich bei First Climate ein. Das Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen begleitet Unternehmen und Organisationen dabei, Strategien zum CO2-Management zu entwickeln und die eigenen Klimaschutzziele zu erreichen. Das Unternehmen mit 70 Mitarbeitern und Sitz im hessischen Bad Vilbel wurde 1999 gegründet und zählt mehr als 500 Unternehmen zu den eigenen Kunden. Für diese berechnet First Climate die Emissionsbilanz und berät sie, wie sie Treibhausgasemissionen reduzieren oder kompensieren können. Taylor Wessing hat die Hannoveraner bei der Minderheitsbeteiligung beraten. Finanziert wurde die Transaktion von der Volksbank sowie der Commerzbank. Die Banken stellen zudem weiteres Kapital für das Wachstum der Firma zur Verfügung.
Der Finanzinvestor VR Equitypartner veräußert seinen Minderheitsanteil an SCL an den Sonderchemikalienhersteller Solenis Germany, die deutsche Tochtergesellschaft des gleichnamigen US-Konzerns und ein Kunde von SCL. SCL mit Sitz im hessischen Butzbach stellt Dimethylaminoethylacrylat (DMA3) her. Dieser Stoff wird als Flockungsmittel vor allem bei der Abwasserreinigung und -aufbereitung verwendet. SCL war 2009 im Rahmen eines Carve-outs aus BASF hervorgegangen. Danach hatten der Unternehmer Siegfried Menk und Co-Investor Georg Kosing den Bereich gemeinsam mit VR Equitypartner übernommen.
Waterland kauft den Bocholter Logistiker Duvenbeck. Das 1932 gegründete Familienunternehmen beschäftigt 6.000 Mitarbeiter an 33 Standorten und erzielte nach eigenen Angaben zuletzt einen Umsatz von 700 Millionen Euro. Dieser hat sich laut Waterland in den vergangenen 15 Jahren mehr als versiebenfacht. Der bisherige Alleineigentümer Thomas Duvenbeck bleibt „wesentlicher Gesellschafter“ und wird Vorsitzender des Beirats. Auf der Agenda des Finanzinvestors stehen künftig die Internationalisierung sowie das Erschließen neuer Kernkompetenzen und Kundensegmente. Die Kartellbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen. Flick Gocke Schaumburg beriet Duvenbeck beim Verkauf.
Afinum verkauft den Luxusmöbelhersteller Thonet an das Wiesbadener Family Office Brenner. Der Finanzinvestor war im Jahr 2013 bei dem Unternehmen aus Frankenberg an der Eder eingestiegen und hatte die Beteiligung 2018 aufgestockt. Einige Thonet-Familienmitglieder sind minderheitlich an der 1819 gegründeten beteiligt. Die Möbel von Thonet findet man unter anderem im Museum of Modern Arts in New York. Afinum wurde von Goetzpartners unterstützt. Brenner wurde bei der Transaktion von Skye Partners unterstützt. CMS beriet ebenfalls in rechtlichen Fragen.
Private-Equity-Personalia
Susanne Zeidler ist nicht mehr Finanzchefin der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG). Sie hat ihr CFO-Mandat niedergelegt, obwohl ihr Vertrag noch bis Oktober 2025 gelaufen wäre. Als Begründung für die Trennung nennt die DBAG „Gespräche über die langfristige strategische Ausrichtung des Geschäftsmodells der DBAG“. Bis die Frankfurter einen Nachfolger für Zeidler gefunden haben, übernimmt Vorstandssprecher Torsten Grede ihre CFO-Aufgaben. Die 60-Jährige arbeitete fast zehn Jahre bei dem Finanzinvestor. Zuvor war sie Geschäftsführerin der Organisation „Kirche in Not“.
Der französische Finanzinvestor Keensight Capital hat mit Uwe Gottschalk einen neuen Operating Partner, der von Deutschland aus arbeiten wird. Er kommt von dem Schweizer Chemiekonzern Lonza, wo er Chief Scientific Officer (CSO war). Davor agierte er als Group Vice President von Sartorius Stedim Biotech. Das Operating-Partner-Team von Keensight hat Mitglieder in Europa, Asien sowie in den USA. Diese Partner sollen ihre Expertise und Kontakte mit den Investment- und Performance-Teams von Keensight teilen. Keensight ist auf Growth-Buy-outs von Firmen mit Umsätzen zwischen 10 und 400 Millionen Euro spezialisiert.
Private-Equity-Fundraising
Gleich zwei Private-Equity-Größen sind gerade dabei, einen neuen Fonds einzuwerben. So will der schwedische Finanzinvestor EQT für seinen zehnten Buy-out-Fonds stolze 20 Milliarden Euro einsammeln. Bei dem Fonds würde es sich der Plattform „Pitchbook“ zufolge um den bisher größten Private-Equity-Fonds eines europäischen Hauses handeln. Mit dem Kapital will EQT Transaktionen im Volumen von bis zu 1 Milliarde Euro stemmen. Im Fokus liegen dabei die Regionen Europa und USA sowie die Sektoren Healthcare und Industrial Technology.
Etwas kleiner, aber dafür einen engeren regionalen Fokus soll der neue Fonds von Carlyle haben. Der Finanzinvestor will für seinen sechsten europäischen Buy-out-Fonds 7,5 Milliarden Euro einsammeln. Es wäre laut Bloomberg der bislang größte europäische Fonds von Carlyle. Mit dem Fundraising soll Carlyle im weiteren Jahresverlauf starten, schreibt die Plattform „Pitchbook“. Der fünfte Fonds, der 2019 bei 6,4 Milliarden Euro geschlossen wurde, ist der Plattform zufolge schon etwa zur Hälfte ausinvestiert.
Das bewegt den Private-Equity-Markt
Private-Equity-Investoren haben immer weniger Zeit, ihre Wertschöpfungsstrategien bei Portfoliounternehmen umzusetzen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Alvarez & Marsal, für die Entscheider auf C-Level aus Private-Equity-Portfoliounternehmen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien befragt worden sind. Wie das Beratungshaus herausgefunden hat, hat sich dieser Zeitraum auf durchschnittlich drei bis fünf Jahre verkürzt. Bislang betrug der Durschnitt rund fünf bis sieben Jahre.
Dies erhöht den Druck auf die Finanzinvestoren, weil sie die erhofften Renditen in immer kürzerer Zeit erwirtschaften müssen. Daher beginnen diese auch schon deutlich früher mit der Umsetzung ihrer Value-Creation-Programme. Die Mehrheit der befragten Finanzinvestoren beginnt mit der Umsetzung unmittelbar nach dem Transaktionsabschluss. Hierfür müssen sich Investor und Unternehmen aber bereits in der Phase zwischen dem Signing und dem Closing intensiv zu den Plänen abgestimmt haben. Üblich ist ansonsten ein 100-Tage-Plan mit klaren Zielen und einem engen Monitoring.
Private-Equity-Gerüchteküche
KKR bedient sich bei Wella: Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Verweis auf mit der Sache vertraute Personen berichtete, gönnt sich der Finanzinvestor gemeinsam mit Co-Investoren eine Ausschüttung über 989 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 875 Millionen Euro). Dafür refinanziert KKR eine bestehende Kreditlinie über 1,2 Milliarden Dollar und sammelt weiteres Kapital von „anderen Quellen“ ein, heißt es in dem Bericht.
Durch die Refinanzierung steigt der Leverage von etwa dem Dreifachen auf fast das Fünffache des Gewinns. so Bloomberg. Die beteiligten Parteien wollten dies gegenüber Bloomberg nicht kommentieren. Wie die „Börsen-Zeitung“ aus KKR-Kreisen erfahren hat, erläutert der Finanzinvestor die Sonderausschüttung damit, dass man die Übernahme „zunächst äußerst zurückhaltend über Schulden finanziert“ habe und den Leverage nun im „Zuge der abflauenden Pandemie“ anpasse. KKR war im Mai 2020 bei dem Wella-Mutterkonzern Coty eingestiegen.
BC Partners soll für den jüngsten Fonds weniger Kapitalzusagen eingeholt haben als ursprünglich erhofft. Das berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Verweis auf mit der Sache vertraute Personen. Der Private-Equity-Investor hat nach eigenen Angaben rund 6,9 Milliarden Euro für das elfte Vehikel eingesammelt – das erhoffte Zielvolumen soll Bloomberg zufolge jedoch bei 8,5 Milliarden Euro gelegen haben. Der Finanzinvestor wollte dies auf Nachfrage von Bloomberg nicht kommentieren.
BC Partners soll dem Bericht zufolge Schwierigkeiten gehabt haben, einige bestehende Investoren wieder für ein Investment gewinnen zu können – und das, obwohl der Finanzinvestor das Fundraising um einige Monate verlängert haben soll, schreibt Bloomberg. Der Vorgängerfonds aus dem Jahr 2018 war bereits 7 Milliarden Euro schwer, der Fundraising-Prozess dauerte rund 18 Monate.
olivia.harder[at]finance-magazin.de
Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE sowie Chefin vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.
