Private-Equity-News: Equistone, Mutares, Leveraged Finance

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Equistone meldet sich mit Deutschland-Deal zurück

Nach mehreren Monaten ohne Deutschland-Deal meldet sich Equistone wieder mit einer Transaktion in der Bundesrepublik zurück. Wie der Private-Equity-Investor mitteilte, übernimmt er das Cybersecurity-Unternehmen Eperi. Verkäufer der Pfungstädter Firma sind die Venture-Capital-Gesellschaften Evolution Equity und Btov. Der Gründer und CEO von Eperi Elmar Eperiesi-Beck hat sich an der Transaktion rückbeteiligt und bleibt auch in Zukunft als Geschäftsführer aktiv.

Eperi wurde 2014 gegründet und ist ein Spezialist für die Datenverschlüsselung für Cloud-Anwendungen. Die Kunden sind in der Regel größere Unternehmen aus den Bereichen Finanzen, Gesundheit und Industrie. Equistone hat nun vor, Eperi weiter zu skalieren und zu internationalisieren. Dafür soll unter anderem das Partnermanagement ausgebaut werden.

Poellath, BCG, Code & Co., Bird & Bird sowie PwC haben Equistone bei der Übernahme beraten. Die Transaktion wurde bereits im Februar vollzogen.

Mutares dreht auf

Zwei Deals in der Anbahnung und der erste Exit – und es ist erst Anfang März: Der Turnaround-Investor Mutares legt ordentlich vor. Zunächst die Buy-side: Mutares übernimmt das Sheffield-Geschäft von Allegheny Technologies Incorporated (ATI). Die Einheit mit Sitz in Großbritannien stellt verschiedene robuste Stahl- und Nickelprodukte her und versteht sich als „One-Stop-Shop“ im Bereich der Metallurgie. Die Briten beschäftigen 190 Mitarbeiter und erwarten für das laufende Geschäftsjahr einen Umsatz in Höhe von 80 Millionen Euro. Den Zukauf will der Finanzinvestor in das Segment „Engineering & Technology“ integrieren. Die Transaktion soll bis zum Ende des ersten Quartals abgeschlossen sein. Danach will Mutares die Firma in Special Melted Products umbenennen.

Darüber hinaus bietet Mutares gerade für die Einheit Bearing Tubes von Vallourec, ein Hersteller von nahtlosen Präzisionsstahlrohren mit Sitz im französischen Montbard. Auch diesen Zukauf will der Private-Equity-Investor als neue Plattform in das Segment „Engineering & Technology“ stecken. Zusätzlich erhoffen sich die Münchener aber Synergien mit dem bestehenden Portfoliounternehmen Primotecs. Vallourec Bearing Tubes beschäftigt derzeit über 200 Mitarbeiter und kommt nach eigenen Angaben auf einen Umsatz von 50 Millionen Euro.

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Zuletzt hat Mutares noch einen Exit eingefädelt, und zwar den Verkauf des Logistikunternehmens Bexity an den niederländischen Wettbewerber und bisherigen Partner von Bexity, die Raben Group. Die österreichische Firma war vor Mutares‘ Eigentümerschaft Teil der Österreichischen Bundesbahn, wirtschaftete aber defizitär. Nach der Übernahme ist es den Münchenern nach eigener Aussage gelungen, Bexity wieder nachhaltig profitabel zu machen. Dafür hat Mutares die Firma reorganisiert, eine neue Marke geschaffen und Bexity auf profitable Kundensegmente ausgerichtet. Zudem hat der Finanzinvestor im April 2020 das Tschechien-Geschäft abgestoßen.

Heute zählt die Firma 650 Mitarbeiter, der Umsatz betrug 2020 180 Millionen Euro. Beim Exit hat Mutares nach eigenen Angaben die Zielvorgabe beim Return on Invested Capital (ROIC) übertroffen, diese liege zwischen 7 bis 10 Prozent. Wie viel höher der Erlös konkret liegt, teilte der Finanzinvestor aber nicht mit. Lincoln International hat Mutares beim Verkauf beraten.

KKR verkauft großes Hensoldt-Aktienpaket

Der US-Finanzinvestor KKR macht einen großen Teil seiner Hensoldt-Beteiligung zu Geld: KKR hat in der vergangenen Woche 9,5 Prozent der Anteile an der Rüstungsfirma an institutionelle Investoren veräußert. Das geht aus einer Stimmrechtsmitteilung hervor. Nach Abzug von Provisionen sollen KKR knapp 210 Millionen Euro zufließen, heißt es in einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg. Bei der Platzierung habe der Finanzinvestor einen großen Abschlag hinnehmen müssen: Der Platzierungspreis lag bei 21 Euro je Aktie und damit um 18 Prozent unter dem Schlusskurs des Vortags. Damit habe der Platzierungspreis am unteren Ende der Spanne gelegen, die dem Bericht zufolge bis 23 Euro angesetzt war.

KKR übernahm die damalige Militärtechniksparte von Airbus im Frühjahr 2017 mehrheitlich und brachte Hensoldt im Herbst 2020 an die Börse. Im April vergangenen Jahres verkaufte der Finanzinvestor ein weiteres großes Aktienpaket an die italienische Rüstungsfirma Leonardo. Nach dem aktuellen Verkauf beläuft sich der Hensoldt-Anteil von KKR auf nunmehr 8,3 Prozent. Die Hensoldt-Aktie hatte sich aufgrund des Ukrainekriegs in den vergangenen Tagen mehr als verdoppelt und notiert aktuell bei rund 20 Euro.

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Triton kauft zwei Add-ons

Triton hat in den vergangenen Wochen gleich zwei Add-ons getätigt: Für die Portfoliofirma All4labels kauft der Private-Equity-Investor Flexoprint Brasilien. Die Firma hat Produktionsstätten in Brasilien und Paraguay und ist auf Verpackungslösungen, darunter solche mit Etiketten, spezialisiert. Im Rahmen der Transaktion werden die Flexoprint-Unternehmerfamilien Stange Warmeling und Schlickmann Anteilseigner von All4labels. Die Transaktion will Triton im zweiten Quartal abschließen. All4labels ist seit November 2019 Teil des Triton-Portfolios, das Investment tätigte der Private-Equity-Investor aus dem fünften Buy-out-Fonds. Die Übernahme von Flexoprint ist das fünfte Add-on für All4labels.

Für das zweite Add-on hat es Triton nach Japan verschlagen: Dort kauft der Private-Equity-Investor für das Portfoliounternehmen Ifco zu. Bei dem Zielunternehmen handelt es sich um das RPC-Pooling-Geschäft der Industriefirma Sanko Lease. Die Bezeichnung RPC steht dabei für wiederverwendbare Packungen für frische Lebensmittel. Die Übernahme wickelt Ifco über die japanische Tochtergesellschaft ab. Das Geschäft wird künftig durch die neu gegründete Gesellschaft Ifco Orion weitergeführt. Darüber hinaus haben Ifco Japan und die Sanko Group eine langfristige strategische Partnerschaft für den japanischen Markt vereinbart. Auch die Beteiligung Ifco wird aus den Mitteln des fünften Fonds finanziert.

VR Equity macht Add-on, stellt Mezzanine…

VR Equitypartner übernimmt Diamond IP für die Portfoliofirma Cygna Labs, Verkäufer ist BT (ehemals: British Telecom). Die Beteiligungsgesellschaft Invision hat Cygna bei dem Zukauf ebenfalls unterstützt. Cygna Labs ist auf Software im Bereich Compliance- und Cloud-Sicherheit spezialisiert. Mit dem Zukauf erweitert Cygna Labs das eigene Produktportfolio und erhält Zugriff auf die Experten von Diamond IP, die sich wiederum künftig stärker auf neue Produktentwicklungen konzentrieren sollen. VR Equitypartner ist minderheitlich an Cygna Labs beteiligt.

Zudem übernimmt der Investor Peter Wolf die Liberty Fashion Holding komplett. Verkäufer der Anteile sind die Beteiligungsgesellschaft Arcadia sowie CEO Peter Friedrich. Bislang war Wolf minderheitlich an der Modefirma, die sich auf das obere Mittelpreissegment für Frauen zwischen 40 und 55 Jahren spezialisiert hat, beteiligt. Für die Transaktion hat VR Equitypartner Mezzanine-Kapital zur Verfügung gestellt. Finanzielle Transaktionsdetails wurden nicht genannt.

…und muss ein vierköpfiges Team ziehen lassen

Weitere Private-Equity-Deals

Trade Sale bei Silverfleet: Der Private-Equity-Investor verkauft die Pumpenfabrik Wagen an den schwedischen Industriekonzern Atlas Copco. Die Allgäuer Firma produziert mit 265 Mitarbeitern Pumpen für die Bereiche Abwasser und Klärtechnik, Biogas, Pharma sowie für die Industrie. Silverfleet war im Jahr 2017 bei dem Unternehmen eingestiegen. Mit dem Closing rechnen die Parteien spätestens im zweiten Quartal. MCF Corporate Finance und McDermott Will & Emery haben Silverfleet bei der Transaktion beraten. Die Pumpenfabrik Wangen erhielt Unterstützung von Poellath. Erst kürzlich wurde bekannt, dass Ricardo Sommer Silverfleet verlässt. Der Finanzinvestor hat sich im vergangenen Jahr dazu entschlossen, keinen neuen Fonds mehr aufzulegen.

Auctus steigt im Rahmen einer Nachfolgelösung bei Horst Pöppel Mineralölspedition ein. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Regensburg und will das Kerngeschäft weiter ausbauen, aber auch im Bereich Transport von Biofuels, E-Fuels und Wasserstoff wachsen, um die Abhängigkeit vom Mineralölgeschäft zu reduzieren. Die bisherige Mehrheitsgesellschafterin Monika Zollner hat sich an dem Deal rückbeteiligt und will auch in den kommenden Jahren noch aktiv mitarbeiten. Rödl & Partner beriet Auctus bei der Übernahme, McDermott Will & Emery fungierte als Berater von Horst Pöppel Mineralölspedition.

Die Nord Holding kauft die Software-Firma Conuti und fusioniert sie mit dem Portfoliounternehmen Ewerk zu einer neuen Unternehmensgruppe. Durch den Zusammenschluss bündeln die Firmen ihre Kompetenzen im Bereich IT-Services für Kunden aus dem regulierten Markt. Diese Unternehmen sind in der Regel in den Branchen Energie, Healthcare, Mobilität oder im öffentlichen Sektor tätig. Conuti wurde 2010 gegründet und unterstützt Firmenkunden bei der Implementierung von neuen Softwares für geschäftskritische Prozesse im Energiesektor. Die Karlsruher beschäftigen 60 Mitarbeiter. Conuti-Mitgründer Daniel Heinemann hat sich an der Transaktion rückbeteiligt und bleibt operativ tätig, während Mitgründer Markus Tegetmeyer aus dem Unternehmen ausscheidet. Die Nord Holding erhielt bei der Transaktion Unterstützung von Noerr, Norton Rose Fulbright beriet die Conuti-Gesellschafter. Ewerk beschäftigt 250 Mitarbeiter ist seit 2020 im Portfolio der Nord Holding.

Private-Equity-Personalia

Die Nord Holding hat in den vergangenen Wochen nicht nur zugekauft, sondern befördert auch drei Teammitglieder: Wie der Private-Equity-Investor auf „Linkedin“ mitteilte, sind Moritz Stolp und Kyron Schimmel künftig Investment Manager, während Vincent de Lard zum Associate aufsteigt. Stolp ist seit gut einem Jahr bei den Hannoveranern tätig und arbeitete zuvor unter anderem bei dem M&A-Berater Carlsquare sowie bei dem Big-Four-Haus PwC. Schimmel war zuvor unter anderem bei der Credit Suisse sowie bei Mutares aktiv. De Lard blickt auf Stationen bei Ardian sowie bei der Société Générale zurück.

Das bewegt den Private-Equity-Markt

Die Leveraged-Finance-Bilanz des Jahres 2021 ist da – und was sich bereits gegen Ende vergangenen Jahres angedeutet hatte, ist auch eingetreten: Das Geschäft mit Private-Equity-Finanzierungen in Europa ist massiv gewachsen. Wie der Midcap-Monitor der Investmentbank Houlihan Lokey zeigt, wurden 2021 europaweit 486 LBO-Finanzierungen abgeschlossen, das entspricht einem sprunghaften Anstieg von 87 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Alleine im vierten Quartal zählte die Investmentbank 143 Transaktionen. Laut Houlihan Lokey ist das Quartal damit das stärkste seit dem Erscheinen des Monitors im Jahr 2013.

Maßgeblich zu dem Wachstum beigetragen hat auch der deutsche Markt, der nach dem britischen Markt der zweitstärkste in Europa ist. In Deutschland fanden im vergangenen Jahr 161 LBO-Finanzierungen statt, davon 56 im vierten Quartal. Dabei konnten Debt-Fonds europaweit deutlich an Marktanteilen zulegen, in Deutschland betrug das Wachstum 63 Prozent im Vorjahresvergleich. Auch im vergangenen Jahr haben die Kreditfonds am liebsten Software- (34 Prozent) und Healthcare-Deals (23 Prozent) finanziert. Gemäß Houlihan Lokey „erfreuen“ sich derzeit aber auch „weniger gehypte Sektoren“ einer gesunden Nachfrage, wie etwa das Industrie und Fertigungssegment.

Private Equity macht mehr Recaps

Zu den häufigsten Finanzierungsanlässen in Deutschland gehören nach wie vor Plattform-Investments mit einem Anteil von 34 Prozent, dicht gefolgt von Add-on-Deals, deren Anteil 27 Prozent betrug. Beide Finanzierungsanlässe haben im Vergleich zum Vorjahr aber leicht an Relevanz verloren. Auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr bewegen sich Secondary-Finanzierungen mit 17 Prozent. Zugelegt haben dafür Refinanzierungen und Recaps – von 16 Prozent im Vorjahr auf 22 Prozent in 2021. Als mögliche Erklärung hierfür führt Houlihan Lokey die Finanzierungsbedingungen an: Diese seien aus Sicht der Private-Equity-Investoren „hochattraktiv“, und viele Finanzinvestoren rechneten damit, dass der Höhepunkt am Finanzierungsmarkt bald erreicht ist.

Zu den aktivsten Finanzieren zählen laut Houlihan Lokey auf der Bankenseite die LBBW mit zwölf Transaktionen, die OLB mit zehn Deals sowie die Berenberg Bank, die auf neun Transaktionen kommt. Allerdings bietet die Berenberg Bank auch Unitranche-Finanzierungen an, 2021 waren es sechs an der Zahl. Damit sichert sich die Bank mit insgesamt 15 LBO-Deals den ersten Rang. Die aktivsten Debt-Fonds waren im vergangenen Jahr Arcmont und Blackrock mit jeweils zehn Transaktionen, gefolgt von Barings mit sieben Deals.

Houlihan Lokey geht davon aus, dass der LBO-Markt auch 2022 aktiv bleibt. „Es besteht kein Mangel an hochwertigen Assets und wir gehen davon aus, dass sich die Dynamik im ersten Quartal 2022 fortsetzen wird, wenn auch mit leicht verlangsamtem Tempo“, so Johannes Schmittat, Managing Director im Kapitalmarktteam von Houlihan Lokey. Die Investmentbank will die potentiellen Auswirkungen geopolitischer Einflüsse auf makroökonomische Entwicklungen – Stichwort Ukraine – allerdings „sorgsam beobachten“.

Private-Equity-Gerüchteküche

Schnappt sich Cinven das „Pest Control“-Geschäft von Bayer? Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Verweis auf mit der Sache vertraute Personen schreibt, bahnt sich offenbar ein Deal zwischen den beiden Parteien an. Eine Transaktion könnte schon in den kommenden Tagen bekanntgegeben werden. Bayer erhoffe sich eine Bewertung von rund 2 Milliarden Euro für die Einheit „Environmental Science“, die aktuell Teil des Geschäftsbereichs „Crop Science“ ist, so Bloomberg. Bayer hatte vor rund einem Jahr angekündigt, sich von der Einheit trennen zu wollen. Bereits im Herbst wurden Finanzinvestoren wie Blackrock oder CVC als potentielle Kaufinteressenten gehandelt.

Die Best Owner Group (BOG) hat offenbar Schwierigkeiten, genügend Geld für den Fonds einzusammeln. Wie mehrere Insider gegenüber der „Wirtschaftswoche“ bestätigen, laufe die Investorensuche „zäh“. Weder die alte Bundesregierung noch Private-Equity-Investoren hätten hinreichendes Interesse signalisiert. Ob das Projekt nun wie geplant umgesetzt werden kann, soll dem Bericht zufolge in den kommenden Wochen entschieden werden. Mit der Bundesregierungen liefen noch Gespräche darüber, ob Fördergelder hinzugezogen werden können.

Ursprünglich wollte der von der IG Metall ins Leben gerufene Fonds bis zu 500 Millionen Euro einwerben. Fließen sollte das Kapital in Autozulieferer, deren Produkte speziell auf Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren ausgerichtet sind. Der Plan: Die Zulieferer sollten unter dem Dach des Fonds noch länger weiter betrieben und dann kontrolliert abgewickelt werden.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE sowie Chefin vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.