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So geht Private Equity mit der Inflation um

Wie blickt die Private-Equity-Branche auf die Inflation?
Wie blickt die Private-Equity-Branche auf die Inflation? Foto: Feng Yu - stock.adobe.com

Die Private-Equity-Branche hat die Coronakrise ohne größere Zwischen- und Ausfälle weggesteckt, doch nun bahnt sich schon die nächste Bewährungsprobe für die Finanzinvestoren und ihre Portfoliounternehmen an: die steigende Inflation. Wie gehen die im deutschen Mittelstand aktiven Häuser mit der Inflation um? Machen sie sich große Sorgen um ihre Renditen oder sind sie zuversichtlich, auch gegen steigende Preise und Kosten gut gerüstet zu sein?

Antworten auf diese Fragen liefert der neue FINANCE Midmarket-Private-Equity-Monitor, für den FINANCE gemeinsam mit der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG) rund 50 Investmentmanager danach gefragt hat, wie sie auf die steigende Inflation blicken und ob sie schon Maßnahmen eingeleitet haben, um mögliche negative Folgen einzudämmen oder abzuwenden.

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Private Equity rüstet sich schon für Inflationsfolgen

Das Kernergebnis: Die meisten Private-Equity-Investoren machen sich keine großen Sorgen um die steigende Inflation und ihre Auswirkung auf Preise, Finanzierungskosten und Co. Dem Großteil der Manager bereitet die Inflation lediglich leichte Sorgen (61 Prozent). Knapp ein Drittel (30 Prozent) macht sich sogar gar keine Sorgen darum. Große Sorgen bereitet die Inflation nicht einmal jedem zehnten Befragten (9 Prozent).

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Allerdings rüsten sich die meisten Midmarket-Häuser trotzdem schon gegen mögliche Folgen der Inflation. An oberster Stelle steht für knapp die Hälfte der Befragten (46 Prozent) ein noch stärkerer Fokus auf nicht- oder weniger zyklische Branchen. Etwas mehr als jeder vierte befragte Private-Equity-Manager (26 Prozent) gibt an, mehr „Asset-light“-Transaktionen machen zu wollen. Eine ähnlich hohe Anzahl an Investmentmanagern (24 Prozent) ist zudem gerade dabei, jetzt noch Finanzierungen zu den aktuell günstigen Konditionen einzufädeln. 22 Prozent der Befragten haben außerdem vor, M&A-Transaktionen zu den derzeit guten Bedingungen abzuschließen – das gilt sowohl für Plattform-Deals als auch Add-on-Transaktionen.

Es gibt aber auch Häuser, die noch nichts gegen die steigende Inflation unternommen haben. Diese Gruppe teilt sich in zwei Lager: Exakt ein Drittel der Finanzinvestoren hat zwar noch keine Maßnahmen eingeleitet, setzt sich aber bereits mit dem Thema auseinander. Fast jeder zehnte Befragte (9 Prozent) präsentiert sich hingegen selbstsicher, auch ohne Änderungen im Tagesgeschäft gut durch die aktuelle Marktphase zu kommen und will dementsprechend auch künftig nichts dagegen unternehmen.

Auch DBAG-Vorstandssprecher Torsten Grede sieht die meisten Finanzinvestoren gut für die nächste Marktphase gerüstet:  „Inflationäre Tendenzen sind eine weitere Herausforderung, vor allem für unsere Portfoliounternehmen“, Doch der Branche kommt zugute: „Private Equity strebt Investments in Unternehmen mit einer herausragenden Marktposition an – wer starke Produkte und Dienstleistungen vertreibt, die sich nicht ohne weiteres ersetzen lassen, sollte höhere Löhne und auch Preissteigerungen auf der Rohstoffseite an seine Kunden weitergeben können.“

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Extrem hoher Dealflow am M&A-Markt

Dass einige Häuser noch nicht aktiv gegen die steigende Inflation steuern, könnte außerdem daran liegen, dass diese Häuser einen Teil oder alle ihre Corona-Maßnahmen wie Kosteneinsparungen noch nicht eingestellt haben und diese einfach beibehalten. Es könnte aber auch daran liegen, dass einige Inflationsfolgen – wie etwa steigende Lohnkosten – erst kurz- bis mittelfristig ein Thema für die Finanzinvestoren werden, und das auch nur, wenn die Inflation weiter so rasant steigt wie im Moment.

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Ein weiterer Grund könnte sein, dass die Private-Equity-Manager alle Hände voll zu tun haben, den derzeitigen Dealflow zu bewältigen. Denn wie die Ergebnisse des FINANCE Midmarket Private Equity Monitors zeigen, ist der Dealflow am M&A-Markt aus Sicht der befragten Finanzinvestoren aktuell so hoch wie noch nie seit Beginn der Auswertung im Jahr 2015. Derzeit rangiert der Dealflow-Indikator bei 6,43, bei der Umfrage im Sommer 2021 lag er noch bei 6,07. Den bisherigen höchsten Wert verzeichnete der Monitor im Winter 2017 mit 6,34. Dass der M&A-Markt aktuell heiß läuft, bestätigen auch die Ergebnisse des jüngst veröffentlichten FINANCE M&A Panels.

Private Equity will mehr in Personal investieren

Um den massiven Dealflow abzuarbeiten, wollen die Midmarket-Private-Equity-Häuser auch wieder mehr Personal für die Investmentteams einstellen. Fast zwei Drittel der Befragten plant, die Zahl der Investmentmanager im eigenen Haus leicht (50 Prozent) bis stark (13 Prozent) zu erhöhen. Das ist ein wenig mehr als bei der diesjährigen Sommer-Umfrage, die im Juni stattfand. Rund ein Drittel (30 Prozent) will aktuell die Teamgröße konstant halten, lediglich 7 Prozent der befragten Investmentmanager gab ab, dass die Teamgröße künftig leicht schrumpfen wird. Keiner glaubt, dass die Teamgröße im eigenen Haus in den nächsten Monaten stark schrumpfen wird.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.