Inside Corporate Banking

Abonnements

Startseite Deals Deutschland Die ESG-Versäumnisse von Private Equity

Die ESG-Versäumnisse von Private Equity

Private-Equity-Investoren kratzen bisher nur an der ESG-Oberfläche.
jozsitoeroe - stock.adobe.com

Das gestiegene ESG-Bewusstsein in der Bevölkerung hat längst seinen Weg in die Unternehmens- und auch schon in die Corporate-Finance-Welt gefunden. Ob ESG-linked Loan, Green Bond oder Green Schuldschein – der Trend geht klar in Richtung grüne Finanzierung. Wie aber steht es in Sachen ESG im mittelständischen Private-Equity-Geschäft?

Der neue FINANCE Midmarket-Private-Equity-Monitor lässt vermuten: bisher noch nicht besonders gut. Für die Umfrage hat FINANCE kurz vor dem Jahreswechsel wieder rund 40 Investment-Manager mittelständischer Private-Equity-Häuser anonym befragt. Und deren Meinungen gehen beim Thema ESG weit auseinander.

Investoren legen großen Wert auf ESG-Aspekte

Das geht schon bei der vermeintlich einfachen Frage los, wie wichtig den Geldgebern von Private Equity (Limited Partners, kurz: LPs) derzeit beim Fundraising ESG-Themen sind. Auf einer Skala von 1 (unwichtig) bis 10 (sehr wichtig) wählten die Beteiligungsmanager im Schnitt den Wert 6,7 – allerdings mit einer hohen Schwankungsbreite, wie die Einzelauswertung der Antworten zeigt: Von 1 bis 10 war alles dabei.

ESG scheint vielen LPs – und das ist wenig überraschend – wichtig zu sein. Die meisten LPs machen der Umfrage zufolge dabei keinen großen Unterschied, ob bei Umwelt, Sozialem oder Governance. 57 Prozent der Befragten gaben an, dass ihren LPs alle drei ESG-Komponenten gleich wichtig seien.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von datawrapper.dwcdn.net zu laden.

Inhalt laden

ESG und Private Equity: Da geht noch was

Der Druck der Investoren führt dazu, dass die Private-Equity-Manager ESG nicht mehr ignorieren können. Trotzdem behandeln sie das Thema bislang eher oberflächlich. Zwar macht inzwischen fast jedes zweite befragte Private-Equity-Haus im Vorfeld einer Transaktion eine eigene ESG-Due-Diligence, doch das dürfte in erster Linie der Vorsicht dienen, um im Nachgang negative ESG-Überraschungen zu vermeiden und Haftungsrisiken zu minimieren.

Eine wirkliche ESG-Transformation innerhalb ihrer Portfoliounternehmen treiben bisher nur die wenigsten Finanzinvestoren voran. Jeder Vierte der befragten Investment-Manager berichtet sogar, dass ESG überhaupt nicht in die eigenen Prozesse integriert sei.

Doch diese Umfrageergebnisse sollte man differenziert betrachten, meint Torsten Grede, Sprecher des Vorstands der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG): „ESG-Aspekte geraten durch die gesellschaftliche Diskussion jetzt zwar stärker in den Blick – aber vieles, was unter dieser Überschrift jetzt diskutiert wird, ist schon längst Bestandteil verantwortungsvollen unternehmerischen Handelns“. Er glaubt, dass sich Private Equity der gesellschaftlichen Verantwortung stellt – und das nicht nur, weil es wirtschaftlich geboten sei, sondern auch, weil es dem ethischen Anspruch an das eigene unternehmerische Handeln entspreche.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von datawrapper.dwcdn.net zu laden.

Inhalt laden

Private Equity kann ESG-Arbitrage nutzen

Neben dem gesellschaftlichen Druck gibt es aber noch einen weiteren Grund, weshalb Private Equity eine klare ESG-Strategie braucht: Finanzinvestoren, die sich ESG-technisch eindeutig positionieren, könnten davon finanziell profitieren. Durch den Green-Finance-Boom werden bestimmte Branchen künftig nur noch schwerer oder teurer an Kapital kommen. Private-Equity-Investoren täten also gut daran, ESG-Strategien zu pushen, denn über kurz oder lang könnte sich das positiv auf die Refinanzierungsmöglichkeiten der eigenen Unternehmen auswirken – und damit letztlich auch auf die Renditeaussichten ihrer Eigentümer.

Hinzu kommt, dass für Private-Equity-Investoren ausgerechnet durch das Aufkommen der ESG-Themen Multiple-Arbitrage wieder an Bedeutung gewinnen könnte. Die Idee dahinter: Sollte ein Finanzinvestor beim Einstieg noch viel Aufwand in die ESG-Transformation des Unternehmens stecken müssen, wird er einen Abschlag beim Kaufpreis fordern, der dann aber später beim Exit zu einem Bewertungsaufschlag werden könnte, wenn das Portfoliounternehmen ESG-konformer gemacht worden ist – ESG-Arbitrage, wenn man so will.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Jetzt als FINANCE-User den Midmarket-Private-Equity-Monitor als PDF herunterladen:

Bitte einloggen

Newsletter

FINANCE Daily

Mit dem FINANCE Daily erhalten Sie täglich eine redaktionelle Zusammenfassung der wichtigsten Geschehnisse in der Finanzwelt direkt in Ihr Postfach.

Jetzt anmelden