Die neuen IFRS-Regeln setzen vielen Unternehmen zu. Das weiß auch die Bilanzpolizei – und schaut bei der Rechnungslegung deshalb ganz genau hin.

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20.11.18
Finanzabteilung

DPR betritt mit IFRS 15 und IFRS 9 Neuland

2019 wird die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung insbesondere die Bilanzierung von IFRS 15 und IFRS 9 prüfen. Diese ist nicht nur für die Unternehmen Neuland – auch die Bilanzpolizei sammelt jetzt erstmals Erfahrung damit.

Jedes Jahr aufs Neue wählt die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung DPR – auch „Bilanzpolizei“ genannt – kapitalmarktorientierte Unternehmen aus und prüft, ob die durch den Wirtschaftsprüfer abgesegnete Rechnungslegung auch wirklich korrekt ist.

Auf welche Themen sie 2019 ganz besonders achten wird, hat sie nun vorgestellt. Wie immer stammen dabei die ersten drei von der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde Esma, während die DPR die letzten zwei beigesteuert hat. Die fünf folgenden Aspekte sollten CFOs bei der Erstellung ihrer Bilanzen im Hinterkopf behalten.

IFRS 15 birgt hohe Risiken

Nicht sehr überraschend wird die DPR vor allem die neuen Bilanzierungsstandards IFRS 15 und IFRS 9 genau unter die Lupe nehmen. Diese wurden erstmals ab Januar 2018 angewandt und haben die Finanzabteilungen wegen der aufwendigen Umsetzung auf Trab gehalten. Beide Standards hatte die DPR auch schon in den vergangenen Jahren im Visier, da hat sie aber geprüft, inwiefern Unternehmen über die möglichen Auswirkungen berichten. Bis kurz vor Anwendung hatten sich viele Unternehmen bedeckt gehalten, was die DPR immer wieder moniert hatte. 

Schließlich geht es um zentrale Kennzahlen: IFRS 15 regelt die Bilanzierung von Umsatzerlösen neu. Die Rechnungslegung birgt viele Tücken: So müssen Unternehmen in mehreren Schritten identifizieren, welche Verträge betroffen sind, ab welchem Zeitpunkt ein Umsatz als realisiert gilt und in welcher Höhe er demnach verbucht werden darf. Bei der Deutschen Telekom beispielsweise hat die neue Bilanzierung Änderungen in Milliardenhöhe verursacht

Dass die Umstellung viel Fehlerpotential birgt, weiß auch die DPR. Sie erwartet daher unter anderem, dass die Unternehmen in den Geschäftsberichten offenlegen, warum sie sich für welche Bewertung entschieden haben oder warum sie welche Übergangsmethode angewandt haben.  

Bilanzpolizei nimmt IFRS 9 ins Visier

Ähnlich komplex war die Umsetzung von IFRS 9. Der Standard regelt, wie Unternehmen Finanzinstrumente bilanzieren. Unternehmen – vor allem Banken – müssen Wertminderungen etwa von Krediten nun früher als bisher ausweisen. Das war eine Reaktion auf die Finanzkrise 2008/2009. Daneben ändert sich aber auch die Bilanzierung von Hedging-Geschäften, was viele Konzerne betrifft. Die DPR wird unter anderem genau schauen, wie Eigenkapitalinstrumente klassifiziert oder wie Forderungen bewertet wurden.

Nicht nur für die Unternehmen sind IFRS 15 und IFRS 9 völliges Neuland – auch die DPR wird jetzt erst ihre Erfahrungen mit den neuen Standards sammeln müssen. Das könnte möglicherweise für viele Diskussionen zwischen Bilanzpolizei, Unternehmen und Wirtschaftsprüfern sorgen.

Unternehmen schweigen zu Leasingbilanzierung

Der dritte Prüfungsschwerpunkt betrifft ebenfalls einen neuen IFRS-Standard: IFRS 16 wird die Bilanzierung von Leasingverbindlichkeiten regeln. Da der Standard aber erst für Geschäftsberichte ab Januar 2019 gilt, wird die DPR nur prüfen, inwiefern Unternehmen im Anhang auf die möglichen Auswirkungen eingehen.

Bisher lassen die meisten Finanzchefs die Investoren noch im Dunkeln. Viele Unternehmen wissen schlicht noch nicht genau, wie sich die Kennzahlen verändern werden. Dabei werden die Änderungen voraussichtlich groß sein, denn künftig müssen Unternehmen einen Großteil der Leasingschulden auf die Bilanz nehmen, statt sie, wie bisher, nur im Anhang auszuweisen. Bei der Deutschen Post beispielsweise, die den Standard bereits vorzeitig anwandte, kamen neue bilanzierte Schulden in Höhe von über 9 Milliarden Euro hinzu

DPR prüft Lagebericht und Segmentberichterstattung

Die letzten beiden Prüfungsschwerpunkte betreffen hingegen Klassiker der DPR-Prüfung. Zum einen schaut sich die Prüfstelle den Konzernlagebericht an, wo es jedes Jahr aufs Neue zu Fehlern kommt. Typischerweise gehen Unternehmen darin nicht ausreichend auf mögliche Risiken ein – gerade in Zeiten von schwer kalkulierbaren Risiken durch den Brexit oder US-Zölle ist das wichtig.

Als weiteres Thema hat die DPR noch die Segmentberichterstattung ausgewählt. Hier gab es bereits im vergangenen Jahr einige Fehler: So hatten beispielsweise mehrere Unternehmen nur unzureichende oder keine Angaben zur Höhe der Umsatzerlöse, die sie mit bestimmten bedeutsamen Kunden oder besonders wichtigen geographischen Märkten erwirtschaften, gemacht. Das ist aber wichtig, damit Bilanzleser Risiko- und Erfolgschancen bestimmter Geschäftsbereiche gut einschätzen können.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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