Beim Steinhoff-Bilanzskandal suchen die Ex-Vorstände die Schuld bei Geschäftspartnern und Wirtschaftsprüfern. Selbst wollen sie nichts gewusst haben.

Steinhoff International

06.09.18
Finanzabteilung

Ex-Steinhoff-Vorstand sieht Fehler bei Wirtschaftsprüfern

Die Ex-Steinhoff-Vorstände Markus Jooste und Ben La Grange suchen nach Schuldigen des Steinhoff-Skandals. Sie sehen Fehler bei den Wirtschaftsprüfern von Deloitte, früheren Geschäftspartnern sowie bei Kollegen – nicht aber bei sich selbst.

Wer trägt die Schuld an dem Bilanzskandal bei dem Möbelkonzern Steinhoff? Der frühere CEO Markus Jooste hat dazu eine Theorie, die er nun bei einer Anhörung vor dem Untersuchungsausschuss des Parlaments in Südafrika geäußert hat.

Das Ergebnis: Der ehemalige Vorstandschef sieht die Schuld für den Ende 2017 bekannt gewordenen Bilanzskandal bei einem früheren Geschäftspartner und im Verhalten der Wirtschaftsprüfer. Als er Steinhoff am 5. Dezember 2017 verlassen habe, sei ihm keine Unregelmäßigkeit bewusst gewesen, zitieren „Bloomberg“ sowie das „Handelsblatt“ Jooste.

Jooste wollte Wirtschaftsprüfer wechseln

Der damalige Wirtschaftsprüfer Deloitte hatte den Steinhoff-Zahlen im Dezember 2017 das Testat verweigert. Schon zuvor waren Gerüchte über Unregelmäßigkeiten hochgekocht. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Oldenburg wegen des Verdachts auf Unregelmäßigkeiten hätten schon seit 2015 den Großteil seiner Zeit in Anspruch genommen, klagte Jooste vor dem Ausschuss.

Deloitte, eines der vier renommierten großen Wirtschaftsprüfungshäuser (Big Four), habe dann Ende 2017 eine weitere Untersuchung gefordert – ohne diese könne man das Testat nicht erteilen. „Da hatte ich genug“, zitiert das „Handelsblatt“ aus der Anhörung des früheren CEO. Jooste versuchte offenbar zuletzt noch, die skeptisch gewordenen Prüfer von Deloitte auszutauschen: Er habe vorgeschlagenen, einen anderen Wirtschaftsprüfer zu wählen, um mit dessen Unterstützung bis Januar testierte Zahlen veröffentlichen zu können. Dies lehnte das Steinhoff-Board ab. Stattdessen wurde PwC mit einer externen Überprüfung beauftragt. 

Ex-Steinhoff-CEO Jooste zeigte vor dem Parlament keine Reue, ließ aber dagegen an früheren Geschäftspartnern kein gutes Haar: Andreas Seifert, Inhaber der österreichischen Möbelkette XXXLutz, habe angeblich seinen Anteil an gemeinsamen Zukäufen nicht zahlen wollen. Seifert dagegen sagte dem „Handelsblatt“, er sei kein Geld schuldig geblieben, sondern habe seinerseits auf Zahlungen klagen müssen. 

Ex-CFO Ben La Grange sieht Fehler bei Jooste

Der frühere CFO Ben La Grange dagegen sieht die Schuld früheren Aussagen zufolge durchaus bei dem ehemaligen Vorstandskollegen Jooste. Er selbst habe erst wenige Tage vor Ausbruch der Krise Kenntnis über Fehlverhalten erlangt, als Deloitte das Testat verweigerte, zitiert ihn Bloomberg.

La Grange monierte zudem, Deloitte und Steinhoff hätten in der Vergangenheit verschiedene Aspekte an andere, kleinere Prüfer ausgelagert. Er glaube, dass eine einzige konsistente Gruppe an Prüfern die Vorfälle hätte verhindern können, sagte er.


Das Steinhoff-Firmenkonstrukt ist komplex: Das Unternehmen ist im niederländischen Amsterdam registriert, der Firmensitz ist in Südafrika, die Steinhoff-Aktie ist an der Frankfurter Börse notiert und war zwischenzeitlich Teil des MDax. Derart verzweigte Konstrukte erschweren es den Prüfern, Unregelmäßigkeiten aufzuspüren, wie eine ausführliche Analyse in der aktuellen FINANCE zeigt.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

FINANCE-Magazin

Semptember/Oktober 2018

Die neuen Bilanzskandale

Warum die Prüfer bei Steinhoff & Co. versagten
 

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Weitere Informationen zu den Hintergründen des Bilanzierungsskandals finden Sie auf unserer Themenseite Steinhoff.