Börse wirft Kinghero raus

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07.02.14
Finanzabteilung

Börse wirft Kinghero raus

Delisting für Kinghero: Die Deutsche Börse hat die deutsche Holding des chinesischen Bekleidungsherstellers aus dem Entry Standard geworfen. Kinghero war vorgewarnt: Dem Rauswurf war eine Vertragsstrafe wegen eines schweren Verstoßes gegen die Folgepflichten vorausgegangen.

Die deutsche Holding des chinesischen Bekleidungsherstellers Kinghero fliegt von der Börse. Wie das Unternehmen mitteilt, hat die Deutsche Börse die Einbeziehung der Wertpapiere der Kinghero AG in den Entry Standard gekündigt. Den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Deutschen Börse für den Freiverkehr an der Frankfurter Wertpapierbörse zufolge wird die Kündigung nach einer Frist von sechs Wochen wirksam und wird damit voraussichtlich am 20. März 2014 in Kraft treten. Ab diesem Zeitpunkt wird der Handel der Kinghero-Wertpapiere im Entry Standard eingestellt.

„Die Einhaltung der Transparenz in unseren Segmenten ist uns sehr wichtig. Um die Transparenzpflichten durchzusetzen haben wir deshalb verschiedene Sanktionsmöglichkeiten in unserem Regelwerk vorgesehen, von denen wir in der Praxis auch Gebrauch machen“, erklärt ein Unternehmenssprecher der Deutschen Börse auf Anfrage von FINANCE. Als letztes Mittel könne die Deutsche Börse die Einbeziehung in den Entry Standard sowohl ordentlich, d.h. mit sechswöchiger Kündigungsfrist, als auch außerordentlich kündigen.

So ein hartes Vorgehen der Börse gegen einen Emittenten ist äußerst selten. Doch dem heute verkündeten Rauswurf durch die Deutsche Börse ist schon eine Vertragsstrafe wegen eines „schweren Verstoßes gegen Einbeziehungsfolgepflichten des Entry Standard“ vorausgegangen. Wegen nicht erfolgter Übermittlung und Veröffentlichung des Jahresabschlusses und Lageberichts 2012 hat die Deutsche Börse gegen die Kinghero AG eigenen Angaben zufolge bereits am 19. Dezember 2013 eine Vertragsstrafe verhängt.

Eine vergleichbare Strafe hat die Börse gegen den chinesischen Handtaschenhersteller Powerland, der nach wie vor ebenfalls noch keinen testierten Jahresabschluss für 2012 vorlegen kann, nicht verhängt. Das teilte Powerland auf Anfrage von FINANCE mit. Der Grund hierfür: Kinghero befindet sich im börsenregulierten Freiverkehr, hier gelten privatrechtliche AGBs. Powerland dagegen ist im EU-regulierten Prime Standard. Dort gilt das Börsengesetz und Sanktionen werden vom Sanktionsausschuss ausgesprochen.

Ex-Kinghero-CEO Zhang Yu wird Untreue vorgeworfen

Der Rauswurf durch die Deutsche Börse ist ein weiterer Schlag für Kinghero. Bereits Mitte Januar hatte das deutsche Management der Kinghero AG dem ehemaligen Kinghero-CEO Zhang Yu Untreue vorgeworfen. Er soll angeblich Firmenvermögen veruntreut haben. Inzwischen scheint Zahng Yu abgetaucht zu sein. Die deutschen Vorstände und Aufsichtsräte versuchen verzweifelt, in China Näheres über den Verbleib des Managers zu erfahren und die in Folge des IPO an der Frankfurter Börse nach China transferierten Gelder ausfindig zu machen.

Zhang Yus Abberufung im Oktober vergangenen Jahres begründete Kinghero mit der Verzögerung bei der Jahresabschluss- und Konzernabschlussprüfung für das Jahr 2012 sowie dem fehlenden Nachweis der Finanz- und Liquiditätslage der Unternehmungen in China. Im Sommer 2013 hatten die Wirtschaftsprüfer von Warth & Klein Grant Thornton Kinghero das Testat wegen fehlender Dokumente verweigert.

Bei Powerland hingegen scheint die Sonderprüfung durch Ernst & Young weitgehend abgeschlossen zu sein. Aktuell befindet sich EY Powerland-Angaben zufolge in Gesprächen mit der WP-Gesellschaft BDO, die Powerland im Sommer das Testat für das Geschäftsjahr 2012 verweigert hatte. Die genauen Hintergründe der Prüfhemmnisse hatte Powerland wenig später transparent gemacht. Das Powerland-Management verbreitet die Hoffnung, dass die Prüfhemmnisse dadurch in naher Zukunft ausgeräumt sein könnten.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

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