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18.03.19
Finanzabteilung

PwC bestätigt Milliardenbetrug bei Steinhoff

Mit dubiosen Transaktionen sollen Top-Manager von Steinhoff über Jahre die Bilanzen des Möbelkonzerns aufgeblasen haben. Welches Ausmaß die Masche offenbar erreichte, zeigt nun eine PwC-Untersuchung.

Die Luft für ehemalige Steinhoff-Manager wird dünner. Denn der mit Spannung erwartete Untersuchungsbericht von PwC erhärtet den Verdacht der Bilanzmanipulation bei dem Möbelhersteller.

Der Big-Four-Gesellschaft zufolge sollen Top-Manager des deutsch-südafrikanischen Konzerns zwischen 2009 und 2017 „fiktive und unregelmäßige Transaktionen“ in einer Höhe von 6,5 Milliarden Euro durchgeführt haben, um den Konzern-Gewinn „substantiell aufzublähen“. Das geht aus der öffentlich zugänglichen Zusammenfassung des insgesamt 7.000 Seiten starken Berichts hervor. Die Veröffentlichung der gesamten Fassung lehnte das Unternehmen ab, weil es sich um „vertrauliches Material“ handele.

Steinhoff soll Scheinfirmen gegründet haben

Die Ergebnisse haben es aber auch so in sich: Dem Bericht zufolge hat Steinhoff Scheinfirmen gegründet, um diesen dann Grundstücke, Konsumentenkredite oder Markenrechte von kriselnden Steinhoff-Tochtergesellschaften zu überhöhten Preisen zu verkaufen. So verfügte der Möbelriese plötzlich über Forderungen gegenüber diesen Firmen, die jedoch jeder Substanz entbehrten.

„In vielen Fällen wurden Dokumente und professionelle Kommentare nachträglich erzeugt und zurückdatiert“, schreiben die PwC-Prüfer. Betroffen von den fragwürdigen Transaktionen waren unter anderem die Gesellschaften Talgarth Group, Campion/Fulcrum Group sowie Tulett Holdings.

In die Betrugsmasche soll eine „kleine Gruppe“ von Steinhoff-Managern sowie ein führendes Vorstandsmitglied involviert gewesen sein. Der Bericht nennt keine Verantwortlichen namentlich. Damit bleibt für die Öffentlichkeit auch offen, ob der ehemalige Steinhoff-CEO Markus Jooste, oder sein ehemaliger Finanzchef Ben La Grange in die Vorgänge involviert waren. Gegen Jooste ermittelt inzwischen auch die Justiz.

Die Bilanzforensiker der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft hatten ihre Untersuchung bei dem Möbelriesen vor 15 Monaten aufgenommen. Ursprünglich hätte der PwC-Bericht bereits Ende 2018 vorliegen sollen. Aufgrund der Komplexität der Untersuchung war die Veröffentlichung jedoch verschoben worden. Nach Abschluss der Untersuchung kann Steinhoff nun auch die noch ausstehenden Bilanzen für 2017 und 2018 veröffentlichen.

Steinhoffs rasanter Absturz

Der nun vorgelegte PwC-Bericht führt den aufsehenerregenden Absturz von Steinhoff nochmal vor Augen. Im Dezember 2017 verweigerte zunächst die Prüfungsgesellschaft Deloitte dem Möbelkonzern das Testat. In der Konzernbilanz seien „Unregelmäßigkeiten“ aufgetaucht, hieß es damals. In der Folge brach der Aktienkurs des Möbelkonzerns mit Sitz in Stellenbosch um 90 Prozent ein – CEO Jooste trat zurück.

Auch die Veröffentlichung des Konzernabschlusses wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. In Folge des Skandals musste Steinhoff milliardenschwere Abschreibungen auf Grundstücke und Markenwerte vornehmen. Nach Jooste trat schließlich auch CFO La Grange zurück.

Um eine drohende Insolvenz abzuwenden, verkaufte der im Januar 2018 berufende Finanzchef Philip Diepernik unter anderem die profitablen Billigmöbelketten Poco sowie Kika/Leiner. Anschließend handelte der gebeutelte Konzern ein Stillhalteabkommen mit seinen Gläubigern aus. Im Dezember 2018 erklärten sich diese zudem für eine Umschuldung von Verbindlichkeiten in Höhe von 7,7 Milliarden Euro breit. Bis 2021 hat Steinhoff nun Zeit, um seine Schulden zu tilgen.

Im Januar regte sich jedoch nochmal Widerstand unter den Gläubigern. Der Steinhoff-Investor LSW hatte die Umschuldungsvereinbarung angefochten. Welche Auswirkungen dieses Störfeuer jedoch hatte, ist nicht bekannt. Steinhoff gab damals an, zu prüfen, was die Widerspruch für die Vereinbarung mit den übrigen Gläubigern bedeutet. Dazu gab es bislang noch kein Update.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de