2Mmedia/istock/Thinkstock/Getty Images

05.06.18
Finanzabteilung

Steinhoff-Tochter Kika/Leiner verliert Kreditversicherer

Die österreichische Möbelkette Kika/Leiner droht in den Strudel der Steinhoff-Krise gezogen zu werden. Die Steinhoff-Tochter verliert den Schutz der Kreditversicherer – und steht nun unter Zeitdruck, eine Lösung zu finden.

Die Krise des südafrikanischen Möbelriesen Steinhoff zieht weitere Kreise in Zentraleuropa. Nun hat die österreichische Möbelkette bestehend aus Leiner und dem Discounter Kika mit dem Rückzug von Kreditversicherern zu kämpfen. Seit vergangenem Freitag übernimmt der deutsche Kreditversicherer Euler Hermes keine Risiken mehr für die Gruppe Kika/Leiner. Einen entsprechenden Medienbericht hat ein Sprecher von Euler Hermes gegenüber FINANCE bestätigt. Warum genau sich Euler Hermes zurückgezogen hat, ist nicht bekannt. Auch ob sich weitere Kreditversicherer zurückgezogen haben, ist unklar.

Ausgerechnet die Konzernmutter Steinhoff, die von einem milliardenschweren Bilanzskandal geplagt wird und ums Überleben kämpft, bemüht sich um Abgrenzung: Der Rückzug einer Kreditversicherergruppe beziehe sich auf Kika/Leiner, nicht auf die weitere Steinhoff-Gruppe, heißt es in einem knappen Statement. Kika/Leiner-Chef Gunnar George sieht den Grund für den Ausfall jedoch genau in der angespannten Finanzlage des Mutterkonzerns, wie er in einem Radio-Interview mit dem ORF sagte.

Steinhoff-Tochter Kika/Leiner hat kurze Schonfrist

Die Österreicher müssen nun möglichst schnell eine Lösung finden. Die Lieferanten sollen dem Unternehmen eine Schonfrist bis Ende der Woche eingeräumt haben, berichtet unter anderem das österreichische Nachrichtenportal „Der Standard“. Danach würde es heikel werden, schließlich hat die aktuelle Kreditversicherung rund 90 Prozent aller Lieferanten abgedeckt.

Auch über einen möglichen Verkauf von Kika/Leiner wird spekuliert. Das ist laut George derzeit allerdings kein Thema, heißt es in dem Bericht: „Als 100-prozentige Tochter ist es relativ schwierig, sich selbst zu verkaufen. Das muss die Konzernspitze machen.“ Bislang gebe es keine solchen Gespräche.

Kika/Leiner schließt Standorte

Es ist nicht das erste Mal, dass die österreichische Möbelkette mit den Folgen des Steinhoff-Skandals konfrontiert wird. Schon zum Jahresbeginn musste der Möbelhändler einen Flagship-Store verkaufen, um sich frisches Geld zu verschaffen. Etwas später folgte eine Geldspritze des Mutterkonzerns, die laut damaliger Aussagen die Finanzierung bis auf weiteres sichern soll. Auch mit Kosteneinsparungen und Standortschließungen versucht Kika/Leiner sich zu stabilisieren.

Auch Steinhoff selbst hält sich mit Verkäufen über Wasser. Erst vor wenigen Wochen verkaufte der Konzern Poco an das Möbelhaus XXXLutz, das bereits die andere Hälfte der deutschen Billigmöbelkette hielt. Damit verschafften sich die Südafrikaner frische Liquidität und ersparten sich zugleich einen Rechtsstreit.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Der südafrikanisch-deutsche Möbelkonzern kämpft nach dem Bilanzskandal an verschiedenen Baustellen. Bleiben Sie auf dem Laufenden mit der FINANCE-Themenseite zu Steinhoff.