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Corporate Governance Kodex zieht bei ESG nach

Ein neuer Entwurf des Corporate Governance Kodex liegt auf dem Tisch. Der Fokus liegt dabei auf den ESG-Faktoren. Foto: Sikov – stock.adobe.com
Ein neuer Entwurf des Corporate Governance Kodex liegt auf dem Tisch. Der Fokus liegt dabei auf den ESG-Faktoren. Foto: Sikov – stock.adobe.com

Der deutsche Corporate Governance Kodex will künftig dem Thema Nachhaltigkeit mehr Raum geben. Der Kodex beschreibt die Regeln, die börsennotierte Gesellschaften in Deutschland bei ihrer Leitung und Aufsicht befolgen müssen. Neben den gesetzlichen Vorschriften enthält der Kodex auch Empfehlungen darüber, was als gute und verantwortungsvolle Unternehmensführung anerkannt ist. Gerade hier setzt der aktuelle Entwurf an.

Inzwischen gehört das Thema Nachhaltigkeit fest zu den Grundprinzipien, die Gesellschaft und Politik in den Unternehmen im Rahmen einer guten Unternehmensführung erwarten. Das entspricht der aktuellen regulatorischen Entwicklungen auf EU- und Bundesebene. „Die Regierungskommission zieht den Kodex in dieser Hinsicht an vielen Stellen einfach nur nach, damit er wieder dem aktuellen regulatorischen Stand entspricht“, erklärt Gesellschaftsrechtsexperte Nikolaos Paschos, Partner bei Latham & Watkins.

Corporate Governance Kodex fordert systematische Kontrollen

Für viele große Unternehmen dürfte der Entwurf, wenn er so umgesetzt wird, deshalb auch keine größeren Anpassungen in ihrer Corporate Governance nach sich ziehen. „Für kleinere börsennotierte Unternehmen, die bislang von ihren Aktionären noch nicht so viel Druck verspüren, etwa weil sie in wenig ESG-kritischen Bereichen aktiv sind, kann der neue Kodex allerdings schon einige neue Anforderungen mit sich bringen“, so der Rechtsanwalt.

So werden Unternehmen aufgefordert, Risiken- und Chancen, die mit Sozial- und Umweltfaktoren verbunden sind, künftig systematisch zu identifizieren und zu bewerten. Außerdem soll die Unternehmensplanung finanzielle und nachhaltige Ziele enthalten. „Der Kodex verankert hier – die kommende Regulatorik auf EU-Ebene spiegelnd – stärker die Inside-Out-Perspektive in der Unternehmensführung“, so Paschos. Die Frage, welche Auswirkungen ein Unternehmen auf die Umwelt hat, wird also relevanter.

Was wiegt mehr? Aktionärs- oder Umweltinteresse?

Auch bei der Aufgabenbeschreibung des Vorstands plant die Regierungskommission die Aufnahme einer neuen Empfehlung. Die Unternehmensstrategie soll dem Entwurf nach Auskunft darüber geben, wie die „wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Ziele in einem ausgewogenen Verhältnis umzusetzen sind“, heißt es. Für Nikolaos Paschos ist dieser Abschnitt nicht zu unterschätzen.

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„In der Begründung für diese Änderung schreibt die Regierungskommission folgendes: Eine dem Unternehmensinteresse verpflichtete Unternehmensführung besteht darin, die Interessen der Aktionäre und der weiteren Stakeholder einschließlich der ökologischen und sozialen Belange der Gesellschaft zum Ausgleich zu bringen“, zitiert der Anwalt. Für Paschos ist das nicht weniger als ein Paradigmenwechsel: „Es heißt hier nicht nur, dass ökologische und soziale Belange berücksichtigt werden müssen. Sie müssen demnach auf die gleiche Stufe wie Aktionärsinteressen gehoben werden“, kommentiert er.

Das bringe in der Praxis viele Fragen mit sich. Zwar handelt es sich dabei nur um eine Empfehlung, allerdings müssen Unternehmen angeben, wenn sie davon abweichen. „Aus meiner Sicht schießt der Kodex an der Stelle über das Ziel hinaus. Ich halte die Formulierung für brisant“, so der Anwalt. Unternehmen seien keine Gemeinwohleinrichtungen, argumentiert er.

ESG-Kenntnisse im Aufsichtsrat gefordert

Auch bei der Besetzung des Aufsichtsrats rückt ESG künftig stärker in den Fokus. Das Kontrollgremium soll künftig darauf achten, dass in den eigenen Reihen auch Expertise in Nachhaltigkeitsfragen gegeben ist. „Das wirft in der Praxis einige Fragen auf: Wie lässt sich diese Kompetenz etwa nachweisen?“, fragt Paschos. Diese Neuregelung sieht er als Chance für Aufsichtsratskandidaten, die bislang selten in den Gremien vertreten sind: „Ich kann mir vorstellen, dass nun öfter beispielsweise Vertreter von NGOs zum Zuge kommen werden.“

Problematisch sei, dass keine Übergangsfrist für diese Empfehlung festgelegt wurde. Wenn bereits in diesem Frühjahr viele Unternehmen ESG-Experten für ihre Aufsichtsräte finden müssten, wäre das für viele schwer umsetzbar. Paschos geht davon aus, dass in der finalen Version deshalb noch eine Karenzzeit ergänzt wird. Noch ist der neue Kodex ein Entwurf. Die Konsultationsphase läuft bis zum 11. März.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.

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