Die Investorenfamilie Hastor will bei Grammer die Gremien neu besetzen. Das Management wehrt sich.

Grammer

01.02.17
Finanzabteilung

Grammer-Management fürchtet kalte Übernahme

Die Familie Hastor macht Ernst: Die Investorenfamilie plant, bei Grammer sowohl den Vorstand als auch den Aufsichtsrat neu zu besetzen. Das Management will sich wehren.

Bei Grammer geht es hoch her: Der börsennotierte Autozulieferer aus der Oberpfalz, der Komponenten für die Innenausstattung von Pkw herstellt, ist in das Visier von aktivistischen Investoren geraten: Das Unternehmen Cascade International Investment will Aufsichtsrat und  Vorstand radikal umbauen.

Hinter Cascade stehen alte Bekannte: Cascade ist eine Tochter der Eastern Horizon Group Netherlands, an der Kenan und Damir Hastor mehrheitlich beteiligt sind. Cascade hat seine Anteile an Grammer Mitte Dezember auf gut 10 Prozent der Stimmrechte verdoppelt. Der Vater der beiden Brüder, Nijaz Hastor, war bereits im vergangenen März über sein Unternehmen Halog mit 10,2 Prozent bei Grammer eingestiegen. Die Unternehmerfamilie Hastor war in Deutschland zuletzt über ihre Unternehmensgruppe Prevent bei dem kriselnden Küchenhersteller Alno eingestiegen und hatte dort kurz danach Finanzchefin Ipek Demirtas abgelöst

Hastor-Familie hält über 20 Prozent an Grammer

Vor wenigen Wochen ist nun Vater Nijaz Hastor als Halog-Gesellschafter ausgeschieden. Grammer zufolge sind seitdem seine Söhne zu je 50 Prozent Gesellschafter dieser Firma. Noch im vergangenen Frühjahr war Nijaz Hastor aus der Cascade-Muttergesellschaft ausgeschieden, offiziell um Interessenkonflikte zu vermeiden. In der Folge wurden Halog und Cascade melderechtlich getrennt betrachtet.

Dies könnte sich mit der erneuten Veränderung der Gesellschafterstruktur nun ändern. Dann wäre bei weiteren Aufstockungen womöglich ein Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre fällig. Insgesamt entfallen derzeit mindestens 20 Prozent der Grammer-Stimmrechte auf Unternehmen, die mit der Hastor-Familie in Verbindung stehen.

Cascade will Grammer-CEO das Vertrauen entziehen

Die Hastor-Vehikel Cascade und Halog wollen offenbar gemeinsam die Kontrolle über Grammer übernehmen, beim Bundeskartellamt läuft ein entsprechendes Fusionskontrollverfahren. Offenbar planen die Hastors, auf einer noch einzuberufenden  Hauptversammlung die Macht zu übernehmen.

Grammer schreibt, dass die Hastor-Familie fünf der sechs Aufsichtsratsmitglieder ablösen und durch enge Vertraute ersetzen will. Ginge der Plan auf, könnten die Bosnier bei Grammer durchregieren, obwohl sie nur einen Minderheitsanteil kontrollieren und bislang kein Übernahmeangebot abgegeben haben.  Denn auch das operative Management soll nach den Plänen des aktivistischen Investors neu besetzt werden: Cascade will Grammer-CEO Hartmut Müller das Vertrauen entziehen.

Grammer: „Bislang kein Kontakt zu Cascade und Halog“

Grammer wehrt sich gegen die Einflussnahme nach Kräften: Die Hintergründe und Ziele der Beteiligung von Cascade und Halog seien „nach wie vor nicht bekannt“, teilt das Unternehmen mit. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen wiederholt versucht, mit Vertretern der Familie Hastor sowie mit Cascade-Verantwortlichen in Kontakt zu kommen: „Es ist jedoch bislang zu keinem klärenden Gespräch gekommen.“

Zudem hätten bislang weder Cascade noch Halog Zweifel an der Geschäftsentwicklung sowie den Leistungen des Vorstands und des Aufsichtsrates geäußert. Halog habe auf der Hauptversammlung im Mai 2016 sogar noch für die vollständige Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat gestimmt. Die Maßnahmen, mit denen Cascade nun in Vorstand und Aufsichtsrat durchgreifen will, kämen für das Unternehmen „völlig unerwartet“, schreibt der Vorstand.

Grammer hat im Geschäftsjahr 2015 einen Konzernumsatz von 1,42 Milliarden Euro erzielt (Vorjahr 1,36 Milliarden Euro), der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) war gegenüber dem Vorjahr allerdings von 57 auf 42,7 Millionen Euro gefallen. Für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2016 meldeten die Oberpfälzer aber – zum Teil durch Zukäufe getrieben – einen Umsatzanstieg um 20 Prozent und ein nahezu verdoppeltes Ebit. 

Grammer-Aktienkurs von Übernahmefantasie beflügelt

An der Börse hat Grammer in den vergangenen Jahren eine wilde Achterbahnfahrt hingelegt. Im Juni 2014 notierte die Aktie bei mehr als 44 Euro, im September 2015 notierte sie dann schon nur noch bei der Hälfte.

Seitdem hat sich der Aktienkurs schrittweise verbessert, Anfang September 2016 erreichte die Aktie nach guten Halbjahreszahlen das Allzeithoch von mehr als 56 Euro. In den vergangenen Wochen stabilisierte sich die Aktie bei Werten über 45 Euro. Beflügelt durch die Übernahmefantasien liegt der Aktienkurs inzwischen aber schon wieder bei mehr als 53 Euro.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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