Ipek Demirtas ist nicht länger die Finanzchefin des Küchenbauers Alno. Der neue Großaktionär Tahoe Investors setzt mit Christian Brenner einen eigenen Mann ein.

Alno

20.12.16
CFO

Tahoe Investors setzt Alno-CFO Ipek Demirtas ab

Alno-Großaktionär Tahoe Investors weist der langjährigen Finanzchefin Ipek Demirtas die Tür. Mit dem Nachfolger Christian Brenner sichert sich Tahoe noch mehr Macht bei Alno und kann nun durchregieren.

Die Alno-Finanzchefin Ipek Demirtas wird die Restrukturierung beim Pfullendorfer Küchenbauer nicht weiter begleiten. Wie das Unternehmen heute mitteilte, wird die seit 2011 im Amt befindliche Finanzchefin „kurzfristig“ durch Christian Brenner ersetzt. Brenner sei ein Vertreter des neuen Großaktionärs Tahoe Investors, hinter dem die bosnische Unternehmerfamilie Hastor steht. Nähere Details zur Person Brenner lieferten Alno und Tahoe zunächst nicht.

Der Alno-Vorstand um CEO Max Müller bedankt sich bei Demirtas ausdrücklich für das „herausragende Engagement und die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit“. Die Trennung dürfte für viele überraschend gekommen sein, da Demirtas Tahoe mit ins Unternehmen geholt hatte. Bei der Absetzung dürfte es Tahoe deshalb in erster Linie darum gehen, die eigenen Macht zu sichern. Über eine Stimmrechtsbindung von Müller kontrollieren die Bosnier bereits den CEO. Mit Christian Brenner folgt nun auch der CFO. Ob weitere Änderungen im Vorstand geplant sind, ist nicht bekannt. Tahoe war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

So baute Tahoe Investors die Macht bei Alno aus

Die Absetzung von Demirtas ist der nächste Schritt bei Tahoes Griff nach der Macht bei dem Dauer-Sanierungsfall Alno. Im Aufsichtsrat nimmt Tahoe bereits vier der neun Sitze ein und kontrolliert damit die Kapitalseite. Der Vorsitzende Christian Becker, Almir Jazvin, Mensur Šaćirović und Detlef Niefindt sind allesamt Vertraute der Hastor-Familie. Becker, Jazvin und Niefindt kommen von dem Hastor-Unternehmen Prevent. Šaćirović ist laut Impressum Geschäftsführer von Tahoe Investors, das über die holländische Eastern Horizon Group ebenfalls von der Hastor-Familie kontrolliert wird.

Zusammen mit der Brillant 1956 GmbH hatte Tahoe den Alno-Aktionären ein Übernahmeangebot zu 50 Cent je Aktie unterbreitet. Tahoe stellte dabei von Beginn an klar, alle angedienten Aktien an Brillant weiterreichen zu wollen, durch die Tahoe mehr als 44,5 Prozent von Alno kontrollieren würde.

Mit diesem Schachzug verhindert Tahoe das Überschreiten der 50-Prozent-Schwelle, das die Change-of-Control-Klausel der im Mai 2018 fälligen Mittelstandsanleihe auslösen würde. Die Bondholder dürften dann das 45 Millionen Euro schwere Papier zum Nennwert zurückgeben. Aktuell notiert die Alno-Anleihe bei 45 Prozent.

Tahoe kann Alno über Bietergemeinschaft faktisch übernehmen

Der Clou an dem Kniff mit Brillant: Durch die Bietergemeinschaft könnte Tahoe bei Alno trotz der Vermeidung des Kontrollwechsels durchregieren. Der eingetragene Geschäftsführer der Brillant 1956 GmbH ist der Steuerberater Volkmar Rode. Dieser war bis Februar diesen Jahres Partner bei der Kanzlei Warken & Partner und ist laut eines Presseberichts der langjährige Steuerberater der Hastor-Familie.

Laut der von Tahoe Investors veröffentlichten Ergebnisbekanntmachung wurden bis zum Ende der Annahmefrist insgesamt 7,36 Prozent der freien Alno-Aktien angedient. Tahoe kontrolliert zum 14. Dezember damit insgesamt 40,61 Prozent der Alno-Stimmrechte. Die Übernahmebedingungen seien damit erfüllt und Tahoe verlängert die Annahmefrist für die restlichen Aktionäre bis zum 4. Januar 2017.

Das Übernahmeangebot musste Tahoe den Alno-Aktionären unterbreiten, weil der Finanzinvestor durch mehrere Aktienkäufe und Stimmrechtsvereinbarungen mit Alno-Aktionären um CEO Max Müller die Meldeschwelle von 30 Prozent überschritten hatte, was nach deutschem Aktienrecht ein Pflichtangebot an alle Aktionäre erfordert.

Begrenztes finanzielles Commitment von Tahoe für Alno

Eingestiegen war Tahoe bei Alno über die Fremdkapitalseite der Bilanz. Der krisengebeutelte Küchenbauer um Finanzchefin Demirtas benötigte dringend frische Liquidität, um die operativen Verluste auszugleichen. Tahoe vergab deshalb Ende Juli ein Darlehen über 20 Millionen Euro an Alno und stellte weitere 15 Millionen Euro in Aussicht.

Welche weiteren Pläne Tahoe mit Alno verfolgt, ist zur Stunde unklar. Für den neuen CFO Christian Brenner gilt es an vorderster Stelle, einen bunten Strauß an Gesellschafterdarlehen und die bald auslaufende Mittelstandsanleihe zu refinanzieren. Die Ablösung der lange amtierenden Finanzchefin in Verbindung mit der Machtübernahme der Hastors, deren finanzielles Commitment bislang recht überschaubar ist, dürfte es Alno aber nicht leicht machen, externe Geldgeber für eine große Refinanzierungslösung zu finden.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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