Der vermisste Ultrasonic-CEO Wu meldet sich zurück.

Ultrasonic

23.09.14
Finanzabteilung

Verwirrspiel um Ultrasonic

Der abgetauchte Ultrasonic-CEO Qingyong Wu wendet sich in einer Videobotschaft auf Chinesisch an die Öffentlichkeit. Alles soll nur ein großes Missverständnis sein. Die Aktie spielt verrückt.

Die Posse um die börsennotierte deutsche Holdinggesellschaft Ultrasonic des chinesischen Schuhherstellers wird immer skurriler. Der verschwundene CEO Qingyong Wu meldete sich nun überraschend per Telefon aus China bei CFO Clifford Chan und der begleitenden Bank in Deutschland, wie Ultrasonic meldet. Er sei dabei, seine Rückkehr zum Unternehmen vorzubereiten und würde auch die vermissten Gelder wiederbeschaffen.

Mit dem CEO ist auch sein Sohn COO Minghong Wu von der Bildfläche verschwunden, ebenso wie ein großer Teil der Firmenkasse. Seitdem sind alle Versuche der persönlichen Kontaktaufnahme durch den Aufsichtsrat erfolglos geblieben, so dass der tiefere Bedeutungsgehalt dieser Ankündigung unklar ist, wie der Schuhhändler einräumt.

Damit nicht genug der Verwirrung: In kurzärmeliger Freizeitkluft gab Wu dem chinesischen Nachrichtenkanal Sina ein Interview, in dem er seine Unschuld beteuert. Er sei lediglich im Urlaub gewesen und habe sein Handy verloren, legt er darin dar, wie verschiedene Medien berichten. Wie es dazu kam, dass parallel zu seinem Urlaub auch die Finanzmittel des Unternehmens verschwanden, blieb offen. Gegen den Vorwurf, er habe das Geld entwendet, will er vorgehen.

Ultrasonic: Skurrile Erklärung – ernste Lage

Der Verbleib seines Sohnes ist weiterhin unklar. In dem Videointerview erklärt ein weiterer Sohn von Qingyong Wu, dass sein Bruder sich immer noch von einem gesundheitlichen Problem erhole. Der ebenso entlassene COO Minghong Wu hatte am 12. September aus gesundheitlichen Gründen sein Amt für sechs Monate niedergelegt.

Der seit 2011 an der Frankfurter Börse notierten Firma droht die Insolvenz. Eine Kreditlinie mit der Nomura Bank wurde fällig gestellt. Die beiden Verschwundenen hätten nach Erkenntnissen des Aufsichtsrats diesen Kredit in zwei Tranchen abgerufen und das Geld von Hongkong nach China transferiert. Die Anleger jedenfalls zeigen sich begeistert: Nach der Bekanntgabe der Kontaktaufnahme des CEOs verdreifachte sich der Kurs gestern von rund 1 Euro auf 3 Euro.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Welche zum Teil grotesken Skandale die anderen Unternehmen aus dem Reich der Mitte beuteln, lesen Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zu China-Aktien.