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RWE: Aktivist fordert Abspaltung von Kohlegeschäft

Der aktivistische Investor Enkraft fordert von RWE Abspaltung des Braunkohlegeschäfts. Foto: RWE

Gerade zwei Tage ist es her, dass das Verwaltungsgericht Köln die von der NRW-Landesregierung angewiesene Räumung des Hambacher Forstes durch die Stadt Kerpen für rechtswidrig erklärt hat. Zwar hat der Energiekonzern RWE, an dessen Kohletagebau der Wald grenzt, seinen ursprünglichen Plan, dort Braunkohle abzubauen, inzwischen aufgegeben. Doch das Geschäft mit der Kohle sorgt nun auch noch für ordentlich Ärger mit Investoren.

In einem Schreiben an RWE-Chef Markus Krebber, das FINANCE vorliegt, fordert der aktivistische Investor Enkraft Capital aus dem bayerischen Unterhaching von dem Energieriesen eine radikale Strategieänderung. Nach Ansicht von Enkraft sorge das stoische Festhalten des Konzerns am seiner Meinung nach „ökonomisch vernachlässigbaren und ökologisch problematischen“ Geschäft rund um die Braunkohle bei RWE für eine „signifikante Werterosion“.

RWE habe es in den vergangenen Jahren nicht geschafft, „eine für den Konzern schlüssige Strategie zu formulieren und umzusetzen, wie das Unternehmen die Umstellung von einem großen konventionellen Energieerzeuger zu einem führenden Erzeuger von erneuerbaren Energien bewerkstelligen kann“, poltert der Investor, der nach eigenen Angaben 500.000 Aktien des Energieversorgers hält, in dem Brief weiter.

Enkraft sieht RWE-Vorstand überfordert

Der Atom- und Steinkohleausstieg sowie die steigende Nachfrage nach erneuerbaren Energien habe in den letzten Jahren die Dynamik der Energieversorgungsindustrie deutlich verändert. Zudem sei angesichts der ökologischen Umwälzungen ein schnelles Handeln unabdingbar. „Dieser Verantwortung hat sich der Vorstand bisher nicht gestellt“, stellt Enkraft fest und wirft dem Vorstand auch noch Überforderung vor.

So halte die RWE-Führung an alten Verhaltensweisen fest, gesetzliche Änderungen zu bekämpfen, statt das eigene Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. „Dies ist nicht nur für die Eigentümer schwer akzeptabel, sondern führt für die gesamte RWE zu Risiken und zu einer Komplexität, die eine erfolgreiche zukünftige Entwicklung einschränken und gegebenenfalls sogar die Unabhängigkeit der RWE gefährden.“

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Stattdessen fordert der aktivistische Investor vom RWE-Chef die Abtrennung des Kohlegeschäfts und die Fokussierung auf das Feld der erneuerbaren Energien. Die Konzentration auf das Geschäft mit den Erneuerbaren, das RWE in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut hat, biete ein enormes Wertsteigerungspotenzial für alle Stakeholder, ist der Investor überzeugt. So könnten unter anderem die Kosten für CO2-Emissionsrechte durch die Trennung vom Kohlegeschäft deutlich verringert werden. Diese beziffert die aktuelle Bilanz auf insgesamt 13 Milliarden Euro.

Drückt das Kohlegeschäft den Aktienkurs von RWE?

Zudem würde die Abspaltung den Kurs der RWE-Aktie deutlich näher an die Bewertung vergleichbarer Unternehmen bringen, glaubt Enkraft. Schuld an der seiner Meinung nach unbefriedigenden Bewertung der RWE-Aktie sei, dass die „ökonomisch vernachlässigbaren Braunkohleaktivitäten“ die Stärken des Konzerns deutlich überlagern würden. Insbesondere die massiven Treibhausgasemissionen stünden laut dem Investor „im krassen Widerspruch zur eigentlichen Kapitalmarkt- und Unternehmensstrategie, ein führender Produzent von erneuerbaren Energien zu sein“.

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Dr. Markus Krebber, RWE AG

Dr. Markus Krebber

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Nicht nur an dem Geschäftsmodell stört sich der Investor: Zugleich wirft Enkraft RWE auch noch Intransparenz in Bezug auf die Konzernbilanz vor. „Teilweise drängt sich fast auf, dass RWE diese Intransparenz sogar fördert beziehungsweise gezielt erreichen will“, heißt es in dem Schreiben. So werde in der Segmentberichterstattung die Braunkohleaktivitäten mit den ebenfalls in Abwicklung befindlichen Nuklearaktivitäten zusammengefasst, sodass eine eindeutige Abgrenzung nicht möglich sei.

Auch habe der Energieriese in den vergangenen zehn Jahren gleich sechs Mal die Segmentberichterstattung geändert und dabei drei Mal die Braunkohleaktivitäten mit unterschiedlichen Aktivitäten vermengt, behauptet Enkraft. Mit diesem Vorwurf, wird sich nun der neue RWE-Finanzchef Michael Müller beschäftigen müssen.

Müller hat erst im Juli den CFO-Posten bei RWE übernommen und soll die Transformation Richtung Erneuerbare Energien vorantreiben. Allerdings tangieren Enkrafts Vorwürfe bezüglich der Konzernberichterstattung der vergangenen Jahre auch noch CEO Markus Krebber, der zwischen Oktober 2016 und Juli 2021 selbst Finanzchef des Unternehmens war.

Enkraft droht RWE-Vorstand mit Personaldebatte

Als aktivistischer Investor will Enkraft Capital durch den geforderten Strategiewechsel vor allem den Wert seines Investments erhöhen. Bei den Forderungen an RWE sind sich die Unterhachinger der Unterstützung der Aktionäre gewiss und drücken aufs Gaspedal: „Plattform für eine Neuausrichtung könne der RWE-Kapitalmarkttag am 15. November sein“, heißt es in dem Brief. Zugleich droht Enkraft dem RWE-Management aber auch bereits mit einer Personaldebatte: „Sollte der jetzige Vorstand und Aufsichtsrat nicht bereit sein, die notwenigen Schritte im Interesse aller Stakeholder einzuleiten, sind allerdings grundlegendere Fragen über die richtige Zusammensetzung der Gremien zu stellen.“ RWE bestätigt zwar den Erhalt des Briefes, eine Stellungnahme zu den Vorwürfen des Investors gab es auf FINANCE-Anfrage zunächst jedoch nicht.

Es ist nicht das erste Mal, dass Enkraft Capital mit einem vergleichsweise geringen Anteil versucht, die strategische Ausrichtung bei einem seiner Investments zu beeinflussen. So hatten die Unterhachinger etwa im vergangenen Jahr bei der gescheiterten Übernahme des Windanlagenbauers PNE durch den Infrastrukturfonds von Morgan Stanley und dem anschließenden Machtkampf des Unternehmens und seiner Investoren um ihre Interessen kräftig mitgemischt.

Nach eigenen Angaben hatte Enkraft 2,9 Prozent der Anteile an PNE gehalten. Geschäftsführer Benedikt Kormaier hatte während des Übernahmeprozesses vehement einen höheren Kaufpreis gefordert und lautstark das PNE-Management um CEO Markus Lesser und CFO Jörg Klowat kritisiert.

thomas.holzamer[at]finance-magazin


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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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