EnBW gehört zu den Konzernen, die in diesem Jahr bereits den Markt für Hybridanleihen angezapft haben. Der Energiekonzern setzte dabei erneut auf den Faktor grün.

EnBW/Uli Deck

06.08.20
Finanzierungen

Hybridanleihen wieder en vogue

Die Coronakrise hat dem Markt für Hybridanleihen einen herben Dämpfer versetzt. Doch seit Juni haben Corporates den Markt wiederentdeckt. Und die Pandemie könnte das Segment sogar für Neulinge interessanter machen.

Obwohl der Hybridanleihen-Markt wochenlang brach lag, sieht das Resultat für das erste Halbjahr insgesamt sehr versöhnlich aus. In Europa wurden Hybrids über rund 21 Milliarden Euro platziert, wie eine aktuelle Analyse der Ratingagentur Scope zeigt. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2019 lag das Emissionsvolumen nur bei knapp 15 Milliarden Euro.

Zu verdanken hat der Markt die guten Zahlen allerdings im Wesentlichen einer Transaktion: Der Ölkonzern BP hat im Juni Hybrid Bonds im Wert von über 10 Milliarden Euro in fünf Tranchen und drei Währungen platziert und ist damit für den Löwenanteil des gesamten Hybrid-Volumens in Europa verantwortlich.

„Abgesehen von diesem Ausreißer sieht man aber seit Juni auch ganz generell wieder verstärkt Emissionsaktivitäten am Markt für Hybridanleihen“, beobachtet Martin Wagenknecht, DCM-Chef der Société Générale für die DACH-Region. „Davor war der Markt faktisch zum Erliegen gekommen, die Spreads waren extrem nach oben gegangen.“

Der Renditeunterschied zwischen einer klassischen Anleihe und einem Hybrid Bond habe in der Spitze bei um die 400 Basispunkte gelegen. „Inzwischen hat sich das wieder verringert, wir liegen derzeit bei rund 200 Basispunkten“, erklärt der Experte. Im Vergleich: Im Januar – also vor dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie – betrug die Diskrepanz im Schnitt 120 bis 130 Basispunkte.

VW und Deutsche Börse zapften Hybrid-Markt an

Auch einige deutsche Unternehmen waren im ersten Halbjahr unter den Emittenten. So platzierte Volkswagen im Juni zwei Hybridanleihen und sammelte damit 3 Milliarden Euro ein. Die ersten Kupons der Bonds liegen bei 3,5 und 3,875 Prozent bei unendlicher Laufzeit.

Die Deutsche Börse zapfte den Markt ebenfalls im Juni an, allerdings mit einem kleineren Ticket. Der Börsenbetreiber refinanzierte einen Bond über 600 Millionen Euro mit einem neuen Papier mit gleichem Volumen. Die Transaktion war Unternehmensangaben zufolge siebenfach überzeichnet. Für die Deutsche Börse bedeutet die Emission einen handfesten finanziellen Vorteil: Der bisherige Bond war mit 2,75 Prozent verzinst, für den neuen müssen die Eschborner nun 1,25 Prozent bezahlen.

EnBW setzt Trend zur grünen Hybridanleihe fort

Der Energiekonzern EnBW sorgte zudem dafür, dass sich der Green-Finance-Trend auch bei den Hybrid Bonds weiter fortsetzt. Das Unternehmen emittierte eine 500 Millionen Euro schwere grüne Nachranganleihe. Mit dem Erlös haben die Karlsruher den Erwerb des französischen Windkraft- und Solarunternehmens Valeco refinanziert.

„Es ist das erste Mal, dass eine grüne Hybridanleihe ausschließlich zur Refinanzierung eines M&A-Deals verwendet wird“, kommentiert Martin Wagenknecht. Für den Bondexperten ist klar, dass der Trend zu nachhaltigen Bonds sich auch am Hybrid-Markt fortsetzen wird. Im ersten Halbjahr 2020 nahmen beispielsweise auch die Telekommunikationsunternehmen Telia und Telefónica Europe grüne Hybridanleihen auf.

Emissionsvolumen etwa auf Vorjahresniveau erwartet

SocGen-Experte Wagenknecht geht davon aus, dass der Markt für Hybridanleihen auch im weiteren Jahresverlauf laufen wird – vorausgesetzt eine zweite Corona-Welle und ein zweiter Marktschock bleiben aus. „Ich rechne damit, dass wir das Volumen aus dem vergangenen Jahr leicht übertreffen werden“, prognostiziert er. 2019 wurden insgesamt 28 Milliarden Euro begeben, 2020 könnten es um die 30 Milliarden Euro werden.

Trifft diese Prognose zu, würde das Emissionsvolumen im zweiten Halbjahr zwar nur etwa halb so groß ausfallen wie in den ersten sechs Monaten. Wagenknecht erklärt diesen Ausblick aber damit, dass viele Unternehmen mit anstehenden Refinanzierungen den Markt schon angezapft hätten. „Von den 16 Milliarden Euro an Hybrids, die 2021 einen Call-Termin haben, wurden rund 13 Milliarden Euro bereits refinanziert“, so der Banker.

Hybrid-Bonds als Ratingstütze

Allerdings geht der Experte auch davon aus, dass neue Unternehmen den Markt in Folge der Corona-Pandemie für sich entdecken werden. „In der aktuellen Lage locken Hybridanleihen mit ihren eigenkapitalähnlichen Features“, erklärt der Experte. Unternehmen könnte die Bonds daher dafür nutzen, das eigene Rating zu stützen, da die großen Ratingagenturen die Hälfte der Summe als in der Regel als Eigenkapital werten.

Die Optimierung der Bilanzkennzahlen war zuletzt der mit Abstand wichtigste Emissionsgrund: Einer Analyse der Société Générale zufolge wurden 73 Prozent der 2020 platzierten Hybrids begeben, um die eigene Bilanzstruktur zu stützen. Nur rund 18 Prozent wurden für Übernahmen verwendet, etwa 8 Prozent zur Finanzierung grüner Projekte.

Kuponzahlung verschieben wegen Corona?

Spannend wird zudem sein, ob es Emittenten geben wird, die ihre Kuponzahlungen verschieben. „Wenn keine Dividende ausgezahlt wird, dann haben die Unternehmen diese Möglichkeit“, so Wagenknecht. Auch den üblicherweise genutzten ersten Call-Termin könnte der eine oder andere Konzern verstreichen lassen, wenn die Liquidität im eigenen Haus dringend benötigt wird. Leichtfertig dürften CFOs diese Entscheidungen allerdings nicht treffen, da dies die Möglichkeiten für zukünftige Hybridemissionen deutlich einschränken würde.

Nicht nur für Investoren schlummern Risiken im Hybrid-Markt. „Für Unternehmen, die ihr Investmentgrade-Rating verlieren, könnte es unangenehme Folgen haben, wenn sie einen Hybrid Bond ausstehen haben“, erklärt Wagenknecht. Die Ratingagentur Moody’s berücksichtigt dann nicht mehr die 50 Prozent Equity Credit.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de