Die Kreditvermittlungsplattform FinMatch geht eine Partnerschaft mit der KfW ein. Weshalb es dazu kam, erklärt ex-Manz-CFO und FinMatch-CEO Martin Hipp.

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02.10.20
Finanzierungen

Neuer Fintech-Partner für die KfW

FinMatch geht eine Partnerschaft mit der KfW ein. Die Kreditplattform hat in der Coronakrise zahlreiche Anträge auf KfW-Hilfen durchgeleitet. Die Partnerschaft mit FinMatch soll das Zusammenspiel jetzt vertiefen.

Die Kreditvermittlungsplattform FinMatch hat eine Kooperation mit der KfW abgeschlossen. FinMatch ist eine Plattform, über die Unternehmen eine Finanzierungsanfrage an Banken stellen können. FinMatch strukturiert die nötigen Unterlagen und übermittelt diese an eine Vielzahl von potenziellen Finanzierern, die an die Plattform angeschlossen sind.

Während Corona fuhr das Fintech die Strategie, bei den KfW-Corona-Hilfen für CFOs den kompletten Antragsprozess zu übernehmen. So wollten die Stuttgarter nicht nur die Finanzchefs, sondern dank der strukturierten Aufbereitung der Kreditanträge auch die Banken entlasten. „Wir haben in dieser Zeit noch intensiver mit der KfW zusammengearbeitet und standen im direkten Austausch“, erinnert sich FinMatch-CEO und -Gründer Martin Hipp. Die jetzt verkündete Partnerschaft soll die Zusammenarbeit zwischen der Plattform und der Förderbank noch weiter intensivieren. Ein wichtiger Hebel dafür: FinMatch soll mehr Informationen über die Kreditvergabeprozesse und -Kriterien der KfW bekommen.

Die Vermittlung von Förderkrediten steht seit der Gründung durch den ehemaligen Manz-CFO Hipp vor eineinhalb Jahren bei dem Fintech im Vordergrund. Dies betrachtet Hipp rückblickend als wichtige Grundlage für das Agieren in der Coronakrise: „Wir kennen uns mit der Antragstellung von Förderkrediten aus und können auf dieser Ebene intensiv mit den Hausbanken kommunizieren. Die Partnerschaft mit der KfW bestätigt das.“  

FinMatch-CEO bei FINANCE-TV

Hipp ist es – gerade in der jetzigen Zeit – wichtig, dass die Anträge „beim ersten Schuss“ sitzen. Er habe schon in seiner Zeit als CFO erlebt, dass viele Unternehmen und Hausbanken mit der Stellung und Bearbeitung von Kreditanträgen oft überfordert gewesen seien.

Die KfW will digitaler werden

Für FinMatch dürfte die Zusammenarbeit vor allem aus Prestigegründen wertvoll sein. „Die KfW ist die weltweit größte nationale Förderbank und die drittgrößte Bank Deutschlands. Für uns ist die Partnerschaft mit dieser renommierten Institution ein Ritterschlag“, freut sich Hipp.

Für die KfW ihrerseits ist der Deal ein weiterer Schritt in Richtung Digitalisierung. Die Förderbank hat es sich zum Ziel gemacht, das eigene Geschäft digitaler zu machen. In diesem Zuge will die Bank auch den Antrags- und Zusageprozess zwischen Hausbanken und KfW vereinfachen, und dies ist der Sweet Spot des Stuttgarter Fintechs.  „Derzeit erörtern wir gemeinsam mit der KfW die Realisierung einer technischen Schnittstelle“, beschreibt Hipp den aktuellen Stand des Projekts.

Sein Ziel: „Die gesamte Antragsstrecke von der Plattform über die Hausbank bis zur KfW soll digital werden.“ Die Partnerschaft ebne den Weg dafür – nicht nur bei Corona-Notkrediten, sondern auch für Fördermittel in den Bereichen ERP-Darlehen, Energieeffizienz und Innovation.

FinMatch wickelte 200-Millionen-Finanzierung ab

Nach eigenen Angaben liegen FinMatch gerade aktive Finanzierungsanfragen mit einem Volumen von rund 350 Millionen Euro vor. Aktive Finanzierungsanfragen sind Anträge von Unternehmen, die auf ihre Bonität geprüft wurden, und die dann an das Bankennetzwerk, das aktuell aus rund 250 Mitgliedern besteht, weitergeleitet wurden. Im aktuellen Jahr wurden über die Plattform bislang Finanzierungen mit einem Volumen im dreistelligen Millionenbereich abgeschlossen. Im April arrangierten die Stuttgarter ihre bisher größte Finanzierung: Für die Abeking & Rasmussen Schiffs- und Yachtwerft vermittelten sie eine strukturierte Finanzierung über 202 Millionen Euro. Laut den Stuttgartern ist dies die größte Finanzierung, die jemals in Deutschland über eine Fintech-Plattform lief.

Dennoch steckt der Markt der Kreditplattformen noch in den Kinderschuhen. So sehen zum Beispiel Konzerne mit großen Treasury-Abteilungen wenig Mehrwert in der Nutzung von Kreditvermittlungsplattformen. Bei vielen Banken hingegen hapert es noch am Willen, digitale Wege zu gehen und dafür mit externen Plattformen zusammenzuarbeiten.

Die Folgen der Coronakrise könnten die Marktnische nun jedoch vergrößern. Erst Anfang dieser Woche berichtete Tim Thabe, Chef der Kreditplattform Creditshelf, bei FINANCE-TV davon, dass die Krise die Nachfrage von CFOs nach schnellen Kreditentscheidungen massiv erhöht hat. Während Creditshelf sich auf bonitätsschwächere Emittenten und eher kurzfristige Finanzierungen konzentriert, setzt FinMatch auf bonitätsstarke Unternehmen und die Vermittlung längerfristigerer Kredite.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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