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20.05.19
Finanzierungen

Treasury-Chefs sind uneins über Green Finance

Nachhaltige Finanzierungen liegen im Trend. Viele Treasury-Chefs sind gegenüber Green Finance aufgeschlossen, doch es gibt auch zahlreiche Skeptiker. Sie stören sich vor allem an den Konditionen.

Viele Finanzverantwortliche können sich vorstellen, eine nachhaltige Finanzierung aufzunehmen. Das geht aus dem aktuellen Treasurer-Panel hervor, das die FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer in Kooperation mit der Deutschen Bank durchgeführt hat. Insgesamt haben sich 113 Finanzverantwortliche an der Umfrage beteiligt. 58 Prozent von ihnen sind grundsätzlich an Green Finance interessiert. 2 Prozent haben bereits eine nachhaltige Finanzierung aufgenommen.

Es gibt aber auch eine Reihe von Skeptikern unter den Treasurern: 40 Prozent der Befragten können sich derzeit nicht vorstellen, den Markt für grüne Finanzierungen anzuzapfen. Die Branchenzugehörigkeit spielt bei der Zurückhaltung nur eine untergeordnete Rolle: Zu den Zweiflern gehören Treasury-Vertreter aus nahezu allen Industrien – vom Maschinen- und Anlagenbau über Chemie bis hin zur Nahrungs- und Genussmittelbranche und dem Handel.

Green Finance: Es scheitert an den Konditionen

Die Umfrageergebnisse legen zwar nahe, dass der eine oder andere Finanzverantwortliche diese Haltung mit der Zeit verändern könnte, denn einige führen als Grund für ihre Ablehnung an, dass der Markt noch nicht ausgereift sei. Wichtigstes Gegenargument ist jedoch der Mangel an finanziellen Vorteilen – und ob sich das perspektivisch ändern wird, ist derzeit noch nicht absehbar.

Diese Einschätzung teilen im Übrigen auch einige Befragte, die grundsätzlich offen für grüne Anleihen, Schuldscheine und Kredite sind: 53 Prozent aller Panelisten sehen im fehlenden monetären Nutzen für Unternehmen die größte Hürde für eine breitere Nutzung grüner Finanzierungen.

Positive Incentive Loans noch nicht auf dem Radar

Am besten lässt sich ein monetärer Nutzen bei sogenannten Positive Incentive Loans quantifizieren. Bei diesen Krediten hängt die Höhe der Zinszahlung davon ab, wie nachhaltig das Unternehmen wirtschaftet. Die Bewertung übernehmen spezialisierte Ratingagenturen oder es werden bestimmte nichtfinanzielle Kennzahlen als Benchmark festgelegt. Solche Kredite haben beispielsweise der Anlagenbauer Voith und der Konsumgüterhersteller Henkel  aufgenommen.

Dennoch ist diese Art der Geldaufnahme das für Treasurer derzeit am wenigsten interessante nachhaltige Finanzierungsinstrument, wie die Umfrage zeigt: Nicht einmal jeder zehnte Befragte, der sich für grüne Finanzierungen interessiert, nähme derzeit einen solchen Kredit auf. Ein Grund dafür dürfte sein, dass ESG-linked Loans noch eine relativ junge Finanzierungsform darstellen, über die wenig bekannt ist.

Schaffen grüne Finanzierungen den Durchbruch?

So kommt es auch, dass sich die Treasury-Chefs deutscher Unternehmen noch keine eindeutige Meinung darüber gebildet haben, ob grüne Finanzierungsinstrumente die Zukunft darstellen oder nicht. 46 Prozent der Befragten rechnen damit, dass nachhaltige Finanzierungen hierzulande den Durchbruch schaffen werden.

Allerdings hält ein Drittel der Finanzverantwortlichen das noch junge Marktsegment für einen vorübergehenden Hype. Immerhin mehr als ein Fünftel traut sich derzeit noch keine Einschätzung zu. Fakt ist: Im vergangenen Jahr war der Green-Finance-Markt kaum vom Fleck gekommen, Anfang 2019 zog das Emissionsvolumen allerdings wieder deutlich an. 

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Was erhoffen sich Treasury-Chef von grünen Finanzierungen? Und welche Finanzierungsinstrumente würden sie konkret in Erwägung ziehen? Dies und mehr erfahren Sie im neuen Treasurer-Panel, das Sie hier herunterladen können.