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22.01.19
Finanzierungen

Green Finance kommt 2018 nicht vom Fleck

Der Markt für Grüne Finanzierung hat sich 2018 weniger rasant entwickelt, als einige gehofft hatten. Dafür hielt ein neues Instrument Einzug in der DACH-Region.

Der große Durchbruch bei den Green Bonds ist ausgeblieben: Nach einem Rekordjahr 2017, als weltweit noch 141 Milliarden Euro an grünen Finanzierungen herausgegeben wurden, waren es 2018 nur rund 124 Milliarden Euro. Das zeigen zumindest die Daten der Beratungsgesellschaft Capmarcon (mehr zur Methodik siehe Infobox am Ende des Artikels).

Ob der Knick beim Wachstum, der sich im Jahresverlauf bereits angedeutet hat, allerdings wirklich mit einem abnehmenden Interesse an dem Grünen Markt zu tun hat, oder lediglich die Entwicklungen am allgemeinen Anleihemarkt widerspiegelt – auch hier gingen die Volumina zurück –, muss sich erst noch zeigen. In Deutschland hielten sich die Aktivitäten in dem Segment stabil. Laut Capmarcon wurden 2017 und 2018 jeweils rund 8 Milliarden Euro an Green Bonds und Co. hierzulande platziert.

Deutsche Corporates nach wie vor zurückhaltend

Einige deutsche Banken haben im vergangenen Jahr zum ersten Mal diesen Markt angezapft. So positionierten sich etwa die Commerzbank und die DZ Bank mit grünen Debütanleihen. Das deckt sich auch mit dem globalen Trend für das vergangen Jahr. Das Engagement der Geschäftsbanken und Finanzierungsgesellschaften sei deutlich angestiegen, heißt es in der Analyse von Capmarcon.

Bei den Corporates herrscht dagegen nach wie vor Zurückhaltung: Mit dem Energieversorger EnbW verzeichnete Deutschland im vergangenen Jahr erst die zweite Green-Bond-Emission eines Unternehmens in Benchmark-Größe. Der Konzern sammelte 500 Millionen Euro ein. Den Auftakt hatte 2017 Innogy mit einem Bond über 850 Millionen Euro gemacht.

Darüber hinaus sind auch nach wie vor vereinzelt grüne Schuldscheine zu sehen: So platzierte der Solar- und Windparkinvestor Encavis vergangenes Jahr ein solches Papier über 50 Millionen Euro. Der Windturbinenhersteller Nordex, der als eines der ersten Unternehmen überhaupt ein solches Papier begeben hatte, refinanziert den Schuldschein allerdings zum Jahresauftakt 2018 mit einer grünen Anleihe über 275 Millionen Euro.

Bei den Corporates herrscht nach wie vor Zurückhaltung.

Kredite mit Nachhaltigkeitskomponente im Aufwind

Es wird deutlich: Der Markt befindet sich nach wie vor im Aufbau, und auch im vergangenen Jahr entwickelte er sich weiter. Gerade der Dezember 2018 erwies sich als spannend: Mit dem österreichischen Stromversorger Verbund und dem deutschen Konsumgüterkonzern Henkel stießen gleich zwei Corporates aus der DACH-Region in den Markt für Kredite mit Nachhaltigkeitskomponente hervor. Henkel schloss einen Kredit über 1,5 Milliarden Euro ab. Verbund hatte im selben Jahr bereits einen Green Schuldschein platziert und sicherte sich im Dezember einen Green Loan über 500 Millionen Euro.

„Häufig sind die Zinsvorteile eher homöopathischer Natur.“

Hans-Werner Grunow, Geschäftsführer, Capmarcon

Das Besondere an dieser Art der grünen Kredite: Sie knüpfen den Zinssatz an die Erfüllung bestimmter Nachhaltigkeitsziele. Je nachhaltiger ein Unternehmen agiert, umso günstiger wird die Finanzierung. Damit löst das Instrument gleich zwei Schwierigkeiten des Marktes: Zum einen sind Unternehmen über diese Finanzierungsform bei der Verwendung der eingesammelten Mittel nicht auf klar abgegrenzte nachhaltige Projekte festgelegt. Das Geld kann für alle betrieblichen Zwecke eingesetzt werden. Zum anderen wird bei diesem Kredit ein tatsächlicher finanzieller Vorteil sichtbar. Der hatte sich am Markt für Green Bonds bislang nicht oder kaum gezeigt.

Hans-Werner Grunow, Geschäftsführer von Capmarcon, ist dennoch skeptisch: „Häufig sind die Zinsvorteile, die ein Unternehmen damit erzielen kann, eher homöopathischer Natur und spielen sich in der Höhe einstelliger Basispunkte ab“ , sagt Hans-Werner Grunow.

Deutsche Börse startet Green-Bond-Segment

Abgesehen von einzelnen Transaktionen, die für Aufmerksamkeit sorgen, entwickelt sich der Markt auch in anderer Hinsicht weiter. Im Dezember startete die Deutsche Börse ein neues Segment für Grüne Anleihen, in dem Papiere gelistet sind, die den Green Bond Principles der International Capital Markets Association entsprechen. Damit will der Börsenbetreiber „der global steigenden Nachfrage zu nachhaltiger Finanzierung Rechnung“ tragen, teilte das Haus mit.

Für Anleger, die ausschließlich in grüne Papiere investieren wollen, ist das Angebot nach wie vor äußerst beschränkt. Ein Problem ist, dass es nach wie vor eine hohe Konzentration auf einzelne Branchen gibt. Laut der Analyse von Capmarcon werden 13 Prozent des Emissionsvolumens von Versorgungs- und Energieunternehmen beigesteuert.

Allerdings entwickelt sich neben dem Green-Finance-Markt auch das Segment der Social Bonds immer weiter – ein Nischenmarkt, der Investoren zu mehr Diversifikation verhelfen könnte.

EU bemüht sich um Standardisierung

Abgesehen von neuen Angeboten seitens Börsen und Assetmanagern beschäftigt sich auch der Regulator mit dem Markt. Die EU plant im Rahmen einer EU Taxonomy, einen Standard für Green Bonds zu entwickeln. Ziel ist es, Investoren mehr Klarheit zu verschaffen, was auch die Gefahr des Green Washing senken soll.

Kritische Stimmen gibt es zu solchen Plänen allerdings auch: Einige Beobachter befürchten, dass damit ein höherer Dokumentationsaufwand auf Emittentenseite einhergehen könnte, der die grünen Instrumente für Unternehmen unattraktiver machen würde.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Die Zahlen von Capmarcon umfassen grüne Anleihen, Schuldscheine und Kreditfinanzierungen. Die Ursprungsinformationen stammen nach Angabe der Beratungsgesellschaft von Bloomberg und Thomson Reuters.

Bei den Marktzahlen zu grünen Finanzierungen gibt es starke Diskrepanzen zwischen verschiedenen Quellen. Grund dafür ist, dass es keine einheitliche Definition für diese Instrumente gibt.

In einigen Statistiken wird für 2018 im Green-Finance-Segment sogar ein höheres Volumen als im Vorjahr verzeichnet. Es blieb allerdings trotzdem deutlich hinter den hohen Wachstumserwartungen zurück.