CFO Stefan Döhmen hält ein Isolierpanel für einen der Container von Va-Q-Tec in der Hand.

Va-q-tec

18.12.20
Finanzierungen

Warum es Va-Q-Tec an den Schweizer Bondmarkt zog

Der Thermocontainer-Hersteller Va-Q-Tec hat am Schweizer Anleihemarkt Geld eingesammelt. CFO Stefan Döhmen erklärt, warum der deutsche Mini-Bond-Markt für ihn nicht in Frage kam und was er mit den frischen Mitteln vorhat.

Der Würzburger Mittelständler Va-Q-Tec hat im November eine Anleihe über 25 Millionen Franken aufgenommen. Für den Hersteller von Thermocontainern ist es der erste Schritt am Kapitalmarkt seit dem Börsengang 2016. Der Spezialist im Bereich der thermischen Isolation, der aus der Uni Würzburg ausgegründet wurde, hat im Corona-Jahr in den ersten neun Monaten einen Umsatz von 53,2 Millionen Euro erzielt – ein Plus von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Die Würzburger rechnen sich gute Chancen durch den bevorstehenden Bedarf an Transportlösungen für den Coronavirus-Impfstoff aus. Eine Vereinbarung mit einem Top-Pharmahersteller wurde dafür bereits abgeschlossen. Was das wiederum mit der aktuellen Finanzierung zu tun hat, erklärt CFO Stefan Döhmen im Interview.

Herr Döhmen, Sie haben 25 Millionen Franken mit einer Anleihe in der Schweiz eingesammelt. Damit haben Sie das obere Ende des gewünschten Volumens erreicht und konnten die Zeichnung sogar vorzeitig schließen. Gleichzeitig liegt der Kupon mit 3,75 Prozent aber am oberen Ende der Preisspanne. Sind Sie mit der Transaktion zufrieden?
Döhmen:
Ja, wir sind froh, dass die Transaktion so gut gelaufen ist. Natürlich hätten wir uns über einen etwas geringeren Kupon auch gefreut, aber für uns stand vor allem das Volumen im Fokus. Da freut es mich sehr, dass wir am oberen Ende gelandet sind. Und man muss auch sehen, dass das unsere Debüttransaktion war. Wir müssen uns dem Kapitalmarkt erst vorstellen und uns beweisen. Dafür zahlt man eben etwas mehr. Die Konditionen sind für uns aber auch im Vergleich zu anderen Finanzierungsmöglichkeiten sehr attraktiv. 

Aber warum haben sie sich dafür ausgerechnet den Schweizer Markt ausgesucht? Sie hatten ja keinen Frankenbedarf.
Das ist richtig, wir haben daraus eine synthetische Euro-Anleihe gemacht. Wir haben bereits seit dem Frühjahr über Finanzierungsmöglichkeiten nachgedacht. Aber dann brach die Coronakrise herein und die hat uns einige Türen hier in Deutschland verschlossen. Letztlich haben wir mit der Helvetischen Bank in der Schweiz einen sehr guten Partner für die Finanzierung gefunden. Denn die Bank bietet eine Festübernahme des Mindestvolumens an. Für uns war diese Transaktionssicherheit entscheidend, deshalb war das ein ausschlaggebender Faktor für die Platzierung in der Schweiz. Für die Investoren schafft diese Festübernahme der Bank übrigens auch Vertrauen in das emittierende Unternehmen. 

Va-Q-Tec CFO-Döhmen über Zurückhaltung bei Banken

Wie hat die Coronakrise Ihr Unternehmen denn genau getroffen?
Wir haben natürlich wie alle auch Worst-Case-Szenarien durchgerechnet. Aber letztlich wussten wir, dass wir auch in diesem Jahr weiterwachsen werden. Zum einen wegen des Transports der Corona-Test-Kits, der Temperatur-kontrolliert erfolgen muss. Zum anderen wegen der bevorstehenden Logistik beim weltweiten Transport von Corona-Impfstoffen und des generell hohen Anteils der Healthcare-Kunden an unserem Geschäft. Dazu sind auch weiterhin Investitionen nötig. Wir haben uns dafür über eine unserer Hausbanken einen KfW-Kredit über 3 Millionen Euro gesichert. 

Trotz dieser Wachstumsaussichten war für Sie aber eine Finanzierung in Deutschland selbst schwierig. Warum?
Im Frühjahr, gerade als wir auf der Suche nach Finanzierungsoptionen waren, waren viele Banken sehr stark mit den Auswirkungen der Krise beschäftigt. Man spürte, dass neue Projekte auf mehr Zurückhaltung trafen. Uns wurde da klar, dass es schwierig werden würde, neue Banken für uns zu gewinnen.

„Uns wurde klar, dass es schwierig werden würde, neue Banken für uns zu gewinnen.“ 

Stefan Döhmen, CFO Va-Q-Tec

Auch eine Konsortialfinanzierung, wie wir sie ursprünglich angepeilt hatten, war deshalb schwer umzusetzen. Dafür war die Bereitschaft mitten in der Krise nicht da. Wir haben es aber geschafft, mit unseren Hausbanken eine Multibankenlinie über 11 Millionen Euro zu verlängern, die in der Höhe schon seit 2016 läuft.

Aber für die 20 Millionen Euro frisches Kapital, das wir angepeilt hatten, mussten wir andere Finanzierungsoptionen prüfen. Am Schuldscheinmarkt war die Zurückhaltung recht hoch, unser Volumen ist dafür ohnehin etwas zu klein. Die Private-Debt-Optionen, die wir uns angesehen haben, wären für uns deutlich teurer gewesen.

Der deutsche Anleihemarkt hat Sie nicht gelockt?
Die Mittelstandsanleihe hat aus meiner Sicht in Deutschland immer noch keinen besonders guten Ruf. Das Segment wird von vielen Investoren sehr kritisch beäugt. In der Schweiz ist das anders. Uns hat auch nicht geschreckt, dass wir dort einen Prospekt erstellen mussten. Wir sind als im Prime Standard notiertes Unternehmen hohe Transparenzanforderungen gewohnt. Hinzu kam eben die bereits erwähnte Transaktionssicherheit. 

Va-Q-Tec-Platzierung mitten in der zweiten Welle

Wie genau lief der Platzierungsprozess ab? Haben Sie eine digitale Roadshow durchgeführt?
Der Prozess war sehr schlank. Insgesamt hat die reine Vermarktung etwa eine Woche gedauert. Davor kam eine Vorbereitungs- und Dokumentationsphase von gut zwei Monaten. Eigentlich wollten wir persönlich die Investoren in der Schweiz treffen. Aber unsere Platzierung fiel ja mitten in die noch andauernde zweite Welle. Daher fand letztlich alles virtuell statt.

Enthält der Bond Financial Covenants?
Ja, einige Bedingungen wurden vereinbart. So gilt zum Beispiel eine Mindesteigenkapitalquote von 30 Prozent. Das ist analog zu der Bedingung, die in unserer Multibankenlinie gilt. Die Verlängerung dieser Finanzierung mit unseren Hausbanken war außerdem eine Voraussetzung für die Anleiheplatzierung.

Wofür werden Sie die neuen Mittel konkret einsetzen?
Wir haben eine große Mietflotte mit thermischen Containern, die etwa zum Transport der Corona-Impfstoffe verwendet werden können. Normalerweise wächst diese Flotte pro Jahr um etwa 300 bis 400 Container. In diesem Jahr könnten es zwischen 600 und 800 Container werden. Wir werden zudem auch in die Flotte der Transportboxen investieren. Bislang haben wir dieses Wachstum über Sale & Lease-back finanziert. Nun nutzen wir dafür den Erlös der Anleihe.

Der Umsatz von Va-Q-Tec wächst von Jahr zu Jahr. Auch der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag in den ersten neun Monaten bei 9 Millionen Euro, 34 Prozent über dem Vorjahreswert. Unterm Strich schreibt Va-Q-Tec aber immer noch Verluste. Wann wird sich das ändern?
Dazu geben wir keine Guidance heraus, aber ich sehe Va-Q-Tec auf sehr gutem Weg dorthin. Ich betone immer: Wir sind keine Plattform, sondern sind ein produzierendes Unternehmen. Wir machen ein relativ kapitalintensives Geschäft und investieren nicht wenig. Aber ich gehe fest davon aus, dass wir mittelfristig profitabel weiterwachsen werden. Im kommenden Jahr wird es sicher Corona-bedingt einen besonderen Peak geben. Aber grundsätzlich sehen wir weiterhin ein Potential von 15 bis 20 Prozent Wachstum pro Jahr.

Was wird das für Ihre weitere Finanzierungsstrategie bedeuten?
Stand jetzt reichen unsere finanziellen Mittel für die Investitionen in den kommenden ein oder zwei Jahren. Wie wir danach weitermachen – ob wir dann wieder Mietkauflösungen zur Finanzierung nutzen oder andere Optionen – ist noch offen. Ich freue mich jedenfalls, dass wir den ersten Schritt zu einer bankenunabhängigeren Finanzierungsstruktur gemacht haben. Wie wichtig eine breitere Aufstellung für uns ist, haben wir in diesem Jahr deutlich gesehen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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