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Dunkle Wolken über High-Yield-Bonds

Der Markt für Hochrisikoanleihen liegt brach. Wie geht es weiter? Foto lassedesignen - stock.adobe.com
Der Markt für Hochrisikoanleihen liegt brach. Wie geht es weiter? Foto lassedesignen - stock.adobe.com

Sowohl der deutsche als auch der europäische High-Yield-Bond-Markt liegen brach. In diesem Jahr wurden in Deutschland bislang nur Hochzinsanleihen in Höhe von 0,5 Milliarden Euro platziert. Im Vorjahr lag das Volumen zum gleichen Zeitpunkt schon bei 10,5 Milliarden Euro. Das ist ein veritabler Einbruch. Und nun kommt auch noch die Zinswende der EZB. Was heißt das für High-Yield-Bonds?

Credit Spreads der High-Yield-Bonds steigen

Die angekündigte Zinswende der EZB mit der ersten Zinserhöhung von wahrscheinlich vielen zur nächsten Sitzung am 21. Juli wirkt sich schon jetzt auf den Markt für Hochzinsanleihen aus. „Wir sehen bereits seit Jahresbeginn, dass höhere Zinserwartungen, Inflation, der Krieg in der Ukraine und insgesamt niedrigere Wachstumsaussichten auf den Markt wirken“, berichtet Simon Steffen, Head of Non-Investment Grade Origination bei Unicredit.

Dies wirkt sich besonders auf die Credit Spreads aus: Sie sind deutlich gestiegen und liegen wieder auf dem Niveau von zu Beginn der Corona-Pandemie. Der wichtige iTraxx Crossover Index notiert bei 525 Basispunkten, ein Anstieg von über 280 Basispunkten seit Jahresbeginn. Und Marktexperte Steffen erwartet für die nächsten Monate einen weiteren Anstieg der Spreads, wenn auch nur noch einen moderaten.

Die gleichzeitige Ausweitung von Spreads und Zinssätzen halten Emittenten davon ab, diesen Markt zu nutzen. Die meisten können sich das auch leisten, haben viele Unternehmen das Niedrigzinsumfeld der vergangenen Jahre doch genutzt, um sich langfristig zu finanzieren. Das vergangene Jahr war für den deutschen und europäischen High-Yield-Bond-Markt rekordträchtig, mit einem Gesamtemissionsvolumen von 15,3 beziehungsweise 145,6 Milliarden Euro. Laut einer Analyse der Unicredit gibt es in den nächsten 18 Monaten nur wenig Fälligkeiten.

Bonds vor allem für M&A-Aktivitäten

Obwohl es erst Juni ist, haben Experten das Emissionsgeschäft für das restliche Jahr schon abgeschrieben: „Wenn man von möglichen M&A-Aktivitäten absieht, gibt es auf Emittentenseite im Augenblick wenig Druck, neue Anleihen zu begeben“, glaubt Steffen.

Auch Mathias Blumschein, High-Yield-DCM-Chef bei der ING, rechnet mit Zurückhaltung der Unternehmen: „Wir sind in einer Zeit der Anpassung – es gibt jetzt eine neue Realität mit Volatilität, Inflation, ökonomischer Unsicherheit und höheren Zinssätzen.“

Doch irgendwann muss das Geschäft wieder anspringen. Gerade für die nicht bonitätsstarken Unternehmen gibt es in der Unternehmensfinanzierung häufig keine echte Alternative zum Kapitalmarkt. Eine Variable, die sich bei zurückkehrendem Neugeschäft in einer angespannten Marktlage verändern könnte, sind die Laufzeiten: „In einem Umfeld steigender Zinsen bevorzugen Investoren kurze Laufzeiten, beispielsweise fünf Jahre, oder sogenannte Floating Rate Notes. Hier ist der Kupon eine Prämie über dem jeweiligen Euribor“, berichtet Steffen.

Blumschein glaubt, dass diese Anpassungsphase dem Markt nicht schaden würde, im Gegenteil: „Die Anpassungszeit muss durchgestanden werden, außerdem sollte man sich bewusst machen, dass über einen längeren Zeitraum betrachtet das aktuelle Zinsenniveau nicht außergewöhnlich hoch, sondern immer noch niedriger als der Durchschnitt ist.“

Was machen die Ausfallraten?

Doch es gibt eine große Unbekannte: die Ausfallraten. Momentan sind es fast allein die steigenden Zinsen und die Unruhe im Umfeld, die die Renditen steigen lassen. Bald könnten sich zu diesen Renditetreibern aber auch noch steigende Ausfallraten hinzugesellen, erläutert Steffen: „Während Default-Raten in den vergangenen Jahren sehr niedrig waren, erwartet der Markt mittelfristig einen leichten Anstieg wegen des schwächeren Wachstums – vor allem, sobald Fälligkeiten anstehen.“

Auch die Deutsche Bank veröffentlichte kürzlich eine Studie, in der sie steigende Ausfallraten für Hochzinsanleihen in den USA und Europa prognostiziert. In Europa könnte die Ausfallrate nach Hochrechnung der Bank auf 3,8 Prozent zum Ende des Jahres 2023 steigen.

Das Problem: Selbst das wäre nicht viel. Wenn mehr Emittenten als erwartet in Schwierigkeiten geraten sollten, könnte dies den Markt ausgerechnet in einer sehr fragilen Marktphase treffen. Auf eine konstruktive Anpassungsphase sollten CFOs dann nicht mehr setzen.  

eva.brendel[at]finance-magazin.de

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Eva Brendel ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Kommunikationswissenschaft, VWL und Politik in Bamberg und Jena studiert. Neben dem Studium arbeitete Eva Brendel als freie Nachrichtenmoderatorin bei einem Lokalsender und moderierte eine eigene Podcast-Reihe.

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