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Corestate steht am Abgrund

Der Immobilien-Investmentmanager Corestate spürt den Gegenwind am Immobilienmarkt durch die Inflation und Zinswende. Foto: picture alliance / imageBROKER / Karl-Heinz Spremberg
Der Immobilien-Investmentmanager Corestate spürt den Gegenwind am Immobilienmarkt durch die Inflation und Zinswende. Foto: picture alliance / imageBROKER / Karl-Heinz Spremberg

Der angeschlagene Immobilienfinanzierer Corestate Capital rutscht immer tiefer in eine Bilanzkrise hinein. Wie der Konzern am heutigen Dienstagnachmittag bekanntgab, muss er „substanzielle Wertanpassungen“ im Segment Real Estate Debt sowie eine Risikovorsorge für ausstehende Performance-Gebühren und Brückenfinanzierungen der Tochter Helvetic Financial Services (HFS) in Höhe von 392 Millionen Euro vornehmen. Darüber hinaus müssen bei der Corestate Bank die Firmenwerte um 61 Millionen Euro angepasst werden. In Summe sind das über 450 Millionen Euro, was die Bilanz in Schieflage bringen dürfte.

Nicht die erste Abschreibung bei Corestate in diesem Jahr

Das Corestate-Management um CEO und Großaktionär Stavros Efremidis, der selbst erst seit wenigen Monaten im Amt ist, begründet den Schritt mit den gestiegenen Unsicherheiten im Immobiliensektor, der Zins- und Inflationsentwicklung sowie mit Rückgängen im Transaktionsgeschäft. Corestate versucht schon länger, Assets abzustoßen, um seine Finanzlage zu verbessern.

Besonders schlecht dürfte am Kapitalmarkt ankommen, dass es erst Juni ist, Corestate aber schon zum zweiten Mal in diesem Jahr signifikante Wertberichtigungen vornehmen muss. Schon im April hatte der Vorstand den Goodwill der Tochter HFS um 175 auf 354 Millionen Euro korrigieren und darüber hinaus eine Risikovorsorge von 46 Millionen Euro bilden müssen. CEO Efremidis hatte damals um Verständnis gebeten und betont, dass noch einige Themen aus der Vergangenheit abzuarbeiten seien. „Das ist nicht immer leicht und kostet neben Zeit auch viel Energie“, sagte der CEO damals.

Corestate verliert fast Dreiviertel des Eigenkapitals

Dennoch war der Manager zuversichtlich, dass Corestate die Aufräumarbeiten in der Bilanz verkraften könne. Er verwies auf das bilanzielle Eigenkapitalpolster von „deutlich über 600 Millionen Euro“ und eine Substanz an Vermögenswerten und Co-Investments mit einem Wert von rund 1,4 Milliarden Euro.

Doch durch die heute vorgenommen Wertberichtigungen und Rückstellungen reduziert sich das Eigenkapitalpolster von 617 auf nur noch 164 Millionen Euro, und das bei einer Bilanzsumme von zuletzt 1,4 Milliarden Euro.

CEO Efremidis setzt den Rotstift an

Der Vorstand versucht nun, durch Kostensenkungen Schadensbegrenzung zu betreiben und den Umbau von Corestate zu einem effizienten und leistungsfähigen Investment-Haus voranzubringen. Dies soll durch den Verkauf von Randaktivitäten geschehen, Erfolge konnte Efremidis dabei aber noch nicht vermelden. Stattdessen stutzt er jetzt noch konsequenter die Organisation: Operative Bereiche sollen gebündelt, Doppelfunktionen und Overheads konsequent abgebaut, Büros geschlossen werden.  

Bei den Investoren kann der CEO damit das Ruder nicht mehr herumreißen, die Geduld der Aktionäre am Kapitalmarkt ist überstrapaziert. Nach zwei Jahren im Abwärtstrends sank die Corestate-Aktie am Dienstag erneut um über 3 Prozent. Damit liegt die Aktie nun auf ihrem Allzeittief bei noch 1,50 Euro. Im Februar lag sie noch bei 12 Euro, 2018 sogar noch bei über 50 Euro.

Jahreschart von Corestate zeigt den Wertverlust

Und Corestate kann zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht ausschließen, dass im weiteren Jahresverlauf noch weitere Wertberichtigungen folgen werden, schreibt der Konzern in seiner heutigen Mitteilung.

Stavros Efremindis war als CEO ein schweres Erbe angetreten

Damit setzt sich unter Konzernchef Efremidis die Pechsträhne fort, die auch René Parmantier verfolgt hatte. Noch unter dessen Ägide hatte Corestate im April wenig erfreuliche Jahreszahlen für 2021 vorlegen müssen, bei denen die Gewinnprognose von 90 bis 115 Millionen Euro nur ganz knapp erreicht wurde und Parmantier vor allem beim großen Thema Schuldenabbau seine selbst gesteckten Ziele verfehlt hatte. Das hatte ihn letztlich den Job gekostet, den dann Efremidis übernahm.

Die Aufgabe, die Nettoverschuldung substanziell und nachhaltig auf einen Leverage von 2x bis 3x Ebitda zu reduzieren, obliegt nun Efremidis. Eigentlich hatte dieser andere Pläne für Corestate. Zusammen mit Karl Ehlerding war er erst im Dezember vergangenen Jahres bei den Luxemburgern eingestiegen und wollte die operative Weiterentwicklung der Corestate-Gruppe antreiben. Zusammen hatten die beiden damit schon Erfolg gehabt, unter anderem bei der Wiederbelebung der Immobilienfirma WCM und dem Wohnimmobilienhalter KWG. Bei Corestate scheint die Rechnung nicht aufzugehen.

melanie.ehmann[at]finance-magazin.de

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Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.

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