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Deutsche Leasing will Deutsche Factoring Bank schlucken

Entsteht hier ein neuer großer Player? Die Deutsche Leasing plant den Kauf der Deutschen Factoring Bank. Das muss nicht der letzte Deal bleiben.
Deutsche Leasing

Die Deutsche Leasing will die Deutsche Factoring Bank übernehmen. Der Leasing-Branchenprimus fasst damit in der Forderungsfinanzierung stärker Fuß, um von der erwarteten positiven Marktentwicklung „überproportional zu profitieren“, wie es gegenüber FINANCE hieß.

Für die Deutsche Leasing macht der Schritt strategisch Sinn, kann sie doch stärker am wachsenden Factoringmarkt partizipieren. Dieser legt im vergangenen Jahr mit mehr als 10 Prozent auf den historischen Höchststand von 190 Milliarden Euro zu. Das Leasinggeschäft leidet hingegen seit längerem unter dem Investitionsstau und der zunehmenden Regulierung.

Deutsche Leasing bündelt das Factoringgeschäft

Deshalb will die Deutsche Leasing das Geschäft der Deutschen Factoring Bank und der bereits 2012 von der WestLB gekauften Universal Factoring unter dem eigenen Dach bündeln. Hierzu wollen die Bad Homburger die Anteile der BayernLB, der Bremer Landesbank, der NordLB und der SaarLB an der Deutschen Factoring Bank übernehmen und somit voraussichtlich 53 Prozent des Konglomerats kontrollieren.

Die Sparkassen, allen voran die Haspa sowie die Bremer und Berliner Sparkasse, werden ihre restlichen Anteile dagegen behalten. Die Deutsche Leasing soll jedoch die unternehmerische Führung übernehmen, wenn der Deal wie geplant noch in diesem Jahr über die Bühne geht. Er muss jedoch noch von der Bundesbank, der Bafin und den Kartellbehörden abgesegnet werden.

Deutsche Leasing stärkt ihre Marktposition

Im Sparkassensektor entsteht durch die Fusion ein stärkerer Factoring-Spieler. Die Deutsche Factoring Bank ist derzeit laut der Deutschen Leasing der fünftgrößte Anbieter in Deutschland mit einem jährlichen Factoringvolumen von mehr als 10 Milliarden Euro. Universal Factoring erzielte im vergangenen Jahr hingegen lediglich einen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro.

Es gibt aber mit der LBBW-Tochter SüdFactoring und der S-Factoring, die ebenfalls zur Sparkassen-Gruppe gehören, noch weiteres Potential für Zusammenschlüsse. Stellt sich die Frage, was mittelfristig mit diesen Gesellschaften passiert. Eine Bündelung der vier Anbieter unter dem Dach der Deutschen Leasing würde die Marktposition erheblich stärken und einen wirklich nennenswerten Player formen.Über weitere Zukäufe werde bei der Deutschen Leasing derzeit jedoch nicht nachgedacht, stellt eine Unternehmenssprecherin gegenüber FINANCE klar. Auch für die SüdFactoring stehe ein Zusammenschluss mit der Deutschen Leasing derzeit nicht zur Debatte, wie ein Sprecher gegenüber FINANCE betonte. Vielmehr sei das Factoring ein fundamentaler Bestandteil der integrierten Corporate-Finance-Kompetenz der LBBW-Gruppe.

Mit der aktuellen Fusion ist der Factoringmarkt derzeit in Bewegung wie lange nicht mehr: Der Marktführer GE Capital steht zum Verkauf. Auch das Schicksal der Factoringtochter der Postbank, PB Factoring, ist nach dem Verkauf durch die Deutsche Bank ungewiss. Die Deutsche Factoring Bank selbst sieht sich einem stetig steigenden Wettbewerb ausgesetzt, wie ihr CEO Hendrik Harms erst gestern bei FINANCE-TV betonte: „Neue Anbieter entdecken den Markt. Insbesondere die Franzosen sind sehr aktiv.“

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Info

Der Factoringmarkt in Deutschland boomt wie lange nicht. Doch die Konkurrenz auf dem Markt nimmt zu. Welche neuen Anbieter auf den Markt drängen, sehen Sie in unserer neuesten Ausgabe von FINANCE-TV.