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Eintracht Frankfurt sichert sich 22 Millionen Euro

Durch den Einstieg eines neuen Aktionärs erhält der Verein Eintracht Frankfurt 22 Millionen Euro.
Tobias Arhelger - stock.adobe.com

Der Fußballklub Eintracht Frankfurt stockt sein durch Corona angegriffenes Liquiditätspolster um 22 Millionen Euro auf. Die Finanzspritze kommt durch den Einstieg eines neuen Aktionärs: Die „Herzschlag Eintracht“ sichert sich 5 Prozent der Anteile an dem Verein. Das gaben die Hessen am Freitagnachmittag bekannt.

„Herzschlag Eintracht“ wird von dem Unternehmer und Digitalisierungsexperten Sven Janssen vertreten. Janssen steigt auch in den Aufsichtsrat von Eintracht Frankfurt ein, der nun aus acht Köpfen besteht. Die Gruppe wurde von der Kanzlei White & Case unter Federführung von Partner Karsten Wöckener (Capital Markets, Frankfurt) und Local Partner Peter Becker (Capital Markets, Corporate) beraten.

Eintracht Frankfurt jetzt 440 Millionen wert

Die jetzige Liquiditätsspritze wurde bereits 2018 im Rahmen eines größeren Finanzpakets vorbereitet, in dessen Folge sich einige Verschiebungen im Aktionärskreis von Eintracht Frankfurt ergaben. Damals bekam der Klub von dem neu eingestiegenen Aktionär „Freunde des Adlers“ 15 Millionen Euro zugeschossen und sicherte sich die Option, an verschiedene Gruppen bereits ausgegebene Aktien zurückzukaufen und neu zu platzieren.

Dafür erhielt die Gruppe 18,5 Prozent an der Profiabteilung des Klubs, im Gegenzug sank der Anteil des Aktionärs „Freunde der Eintracht“ von 28,5 auf 10 Prozent.

Auffällig ist, dass der Deal mit der Gruppe um Janssen für die Eintracht trotz Corona wirtschaftlich attraktiver ist als die Transaktion 2018. Damals hatten die „Freunde des Adlers“ in einem komplexen Deal 18,5 Prozent von anderen Aktionären erworben, Eintracht Frankfurt profitierte davon in Form eines Cash-Zuflusses in Höhe von 15 Millionen Euro. „Herzschlag Frankfurt“ zahlt nun pro Prozentpunkt rund das Fünffache in die Kasse von Eintracht Frankfurt – 4,4 Millionen Euro. Damit wird das gesamte Eigenkapital „post money“ neu mit 440 Millionen Euro bewertet.

CFO Oliver Frankenbach nutzt seine Optionen

Den damals vorbereiteten Schritt, Aktien umzuplatzieren, hat Eintracht-CFO Oliver Frankenbach jetzt umgesetzt. Die 5 Prozent der „Herzschlag Eintracht“ hat Frankenbach von den bislang drei Minderheitsgesellschaftern entnommen und anschließend zu einem offenbar deutlich höheren Preis an die neue Investorengruppe übertragen.

Die neue Anteilsverteilung sieht nun so aus: Die „Freunde des Adlers“ bleiben hinter dem Mutterverein, der rund 68 Prozent besitzt, der größte Aktionär mit 16,8 Prozent. Hinter dieser Gruppe stehen der frühere Goldman-Sachs-Banker und jetzige Aufsichtsratschef Philip Holzer und der Frankfurter Unternehmer Stephen Orenstein. Darauf folgen die „Freunde der Eintracht“, die noch 7,3 Prozent halten. Die Gruppe setzt sich vor allem aus Frankfurter Banken wie der Oddo-BHF-Bank, Metzler, der Helaba und der DZ Bank zusammen. Die wenigsten Anteile mit 3 Prozent besitzt die Steubing AG.

Für Finanzvorstand Oliver Frankenbach ist der 2018 gelegte Finanzierungsbaustein für die Stärkung des Eigenkapitals damit erfolgreich gesetzt: „Bereits 2018 ist es uns mit Weitblick gelungen, Finanzierungskonzepte zu erarbeiten, die wir jetzt umsetzen konnten.“ Die aktuelle Kapitalerhöhung sei „nicht nur ein weiterer großer Schritt zur Bewältigung der Coronakrise, sondern auch zur Steuerung weiteren Wachstums“.

FINANCE-Köpfe

Oliver Frankenbach, Eintracht Frankfurt Fußball AG

Frankenbach beginnt seine Karriere 1995 als Angestellter in einer Steuerberatungsgesellschaft. 1998 wechselt er zu Eintracht Frankfurt, wo er diverse Stationen durchläuft. Unter anderem ist er zwischen 2001 und 2010 Geschäftsführer der Tochtergesellschaft Eintracht Frankfurt Sport-Marketing Service. Seit 2007 ist Frankenbach auch Geschäftsführer des Eintracht Frankfurt Museums.Zwischen 2001 bis 2015 arbeitet er zudem er als Prokurist bei der Eintracht Frankfurt Fußball AG, in der der Bundesligaklub sein Profigeschäft bündelt. Im September 2015 wird er schließlich zum CFO befördert.

zum Profil

Eintracht Frankfurt: Corona verbrennt Rekordbilanz

Der Geldsegen kommt zu einem wirtschaftlich heiklen Zeitpunkt. Nach mehreren Rekordjahren hintereinander legte der Verein vor zwei Jahren ein großes Investitionsprogramm in den Kader, vor allem aber in die Infrastruktur auf. Gerade werden für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag ein neues Trainingsgelände und eine neue Geschäftsstelle gebaut. Die coronabedingten Einnahmeausfälle dürften die Eigenkapitalbasis, die sich 2019 noch auf fast 68 Millionen Euro verdoppelt hatte, jedoch schwer in Mitleidenschaft gezogen haben. Doch anders als der Krisenklub Schalke 04 hält die Eintracht an ihrem Ausbauprogramm fest. Schalke hingegen hat sein Infrastrukturprojekt „Berger Feld“ vor wenigen Tagen abgebrochen, um sich finanziell über Wasser zu halten.

In Frankfurt kündigen sich jedoch erhebliche Zusatzeinnahmen für die kommende Saison an. Die Mannschaft steht auf Platz 4 der Bundesligatabelle. Dieser Platz würde zur Teilnahme an der Champions League berechtigen. Zudem rechnet die Vereinsführung mit einer Rückkehr der Zuschauer in der kommenden Saison.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Info

Mehr News und Analysen zur finanziellen Entwicklung der Adler gibt es auf der FINANCE-Themenseite zu Eintracht Frankfurt. Mehr über den CFO erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Oliver Frankenbach

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