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24.04.18
Finanzierungen

Finanzspritze für Eintracht Frankfurt

15 Millionen Euro frisches Eigenkapital für Eintracht Frankfurt machen Ex-Investmentbanker Philip Holzer zum neuen starken Mann bei dem Bundesligaklub. Eintracht-Finanzchef Oliver Frankenbach bezeichnet den Deal als „hervorragend“.

Eintracht Frankfurt hat eine Finanzspritze in Höhe von 15 Millionen Euro bekommen, die in voller Höhe das Eigenkapital des Fußballbundesligisten stärkt. Dadurch dürfte sich die Eigenkapitalbasis der Hessen in etwa verdoppeln. Gemäß der jüngsten verfügbaren Zahlen hatte Eintracht Frankfurt zum Ende der Saison 2015/16 ein Eigenkapital von 12,2 Millionen Euro. Damals lief es für die Eintracht wirtschaftlich deutlich besser als erwartet. Wie sich die Bilanz im Geschäftsjahr 2016/17 entwickelte, hat der Verein bislang nicht bekanntgegeben. 

Das frische Kapital fließt der Eintracht durch eine Verschiebung im Aktionärskreis zu. Die Aktionärsgruppe „Freunde der Eintracht“ reduziert ihren Anteil an der ausgelagerten Profi-Abteilung „Eintracht Frankfurt Fußball AG“ von 28,5 auf nur noch 10 Prozent. Hinter der Gruppe stehen vor allem Frankfurter Banken wie die BHF-Bank, Metzler, die Helaba und die DZ Bank. Die Gruppe hatte dem Bundesligaklub 2003 in einer existenzgefährdenden Lage 2003 finanziell unter die Arme gegriffen.

Neuer Eintracht-Gesellschafter ist die Gruppe „Freunde des Adlers“, die die frei gewordenen 18,5 Prozent der Anteile erwirbt. Hinter ihr steht der frühere Goldman-Sachs-Banker Philip Holzer, der schon seit acht Jahren im Aufsichtsrat von Eintracht Frankfurt sitzt. Weiterer Akteur des neuen Eintracht-Aktionärs ist der Frankfurter Unternehmer Stephen Orenstein, der dem Klub wie Holzer ebenfalls schon lange verbunden ist.

Echtes Eigenkapital statt Genussscheinen

Damit erreicht die Führung von Eintracht Frankfurt einen Meilenstein, den sie schon lange im Blick hatte: Sie stärkt das Eigenkapital. Eigentlich galt die Ausgabe von Genussscheinen als Mittel der Wahl, die Transaktion war sogar schon weit vorangeschritten. Doch im Frühjahr 2016, als die Eintracht auf sportlicher Talfahrt war, stoppte das Management die geplante Genussscheinemission. „Das Produkt Eintracht Frankfurt hängt momentan“, ließ sich Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing damals zitieren, der selbst 3,6 Prozent der Eintracht-Anteile besitzt.

Nun aber erhält Eintracht Frankfurt das Eigenkapital offenbar sogar in reiner Form. Bei Genussscheinen wären im Erfolgsfall gewinnabhängige Zahlungen an die Investoren fällig geworden. Ob es Ausschüttungen gibt, dürfte in der nun gefundenen Lösung allein in der Hand des Managements und des Muttervereins Eintracht Frankfurt liegen, der mit unverändert 67,9 Prozent weiterhin der größte Aktionär der ausgelagerten Profi-Abteilung ist. Eintracht-CFO Oliver Frankenbach ist mit der Lösung sehr zufrieden. Er bezeichnet die Konditionen der Kapitalerhöhung in einem Presse-Statement als „hervorragend“. 

Eintracht Frankfurt muss investieren

Neu-Investor Holzer lässt verlauten, dass seine Gruppe „sicherstellen will, dass die großen sportlichen und strukturellen Herausforderungen der nahen Zukunft gut gemeistert werden können“. Dazu gehört vor allem der Bau einer neuen Geschäftsstelle inklusive moderner Sportanlagen, in die Eintracht Frankfurt bis zu 30 Millionen Euro investieren will. „Rund ein Viertel davon müssen wir aus Eigenmitteln beisteuern“, sagte Finanzchef Oliver Frankenbach im vergangenen Jahr gegenüber FINANCE.     

„Wir wollen sicherstellen, dass die großen sportlichen und strukturellen Herausforderungen der nahen Zukunft gut gemeistert werden können.“

Eintracht-Frankfurt-Investor Philip Holzer

Der Klub plant überdies, den Kader weiter zu verstärken. Eintracht Frankfurt steht im Pokalfinale und drei Spieltage vor Saisonschluss auch noch auf einem Tabellenplatz, der zur Teilnahme an der Qualifikation zur Europa League berechtigen würde. Sollte die Mannschaft diese Position verteidigen können, halten Experten eine deutliche Verstärkung des Kaders für notwendig. Nur so sei der Verein, der vor zwei Jahren noch fast abgestiegen wäre, für die Doppelbelastung Bundesliga und Europa League gewappnet.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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