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Kapitalspritze für angeschlagene Tele Columbus

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Der Umbau vom Kabel- zum Glasfaseranbieter erfordert bei Tele Columbus eine flexible Finanzplanung und großzügige Eigentümer. Foto: Thomas Söllner – stock.adobe.com
Der Umbau vom Kabel- zum Glasfaseranbieter erfordert bei Tele Columbus eine flexible Finanzplanung und großzügige Eigentümer. Foto: Thomas Söllner – stock.adobe.com

Bald dürften die Geldsorgen des Kabelnetzbetreibers Tele Columbus passé sein – zumindest kurzfristig. Die Berliner, die unter anderem für die Marke Pyur bekannt sind, befinden sich in „fortgeschrittenen Gesprächen“ mit ihren Kernaktionären über eine Kapitalspritze in Höhe von insgesamt 300 Millionen Euro. Gleichzeitig soll ein 462 Millionen Euro schwerer Kredit und eine 650 Millionen Euro Anleihe bis 2028 zu par verlängert werden. Zu den Kreditkonditionen ist bislang nichts bekannt.

Wegen der laufenden Verhandlungen hatte Tele Columbus den Anfang November fälligen Kupon auf die Anleihe nicht pünktlich bezahlt. Die „Wirtschaftswoche“ berichtet aus Insider-Informationen, dass das Unternehmen zwar in der Lage gewesen wäre, die Zahlung in Höhe von 12,5 Millionen Euro zu leisten, die Gespräche mit Geldgebern, um die Schulden neu zu strukturieren, allerdings weit fortgeschritten waren. Der Plan sei, die Zinszahlungen zu pausieren, bis die Gespräche abgeschlossen sind.

Problematisch wird die ausgesetzte Zinszahlung dabei erst ab Anfang Dezember, denn für die Zahlung gibt es eine Nachholfrist von 30 Tagen, die Tele Columbus nutzen kann.

Tele Columbus verhandelt schon länger um Geld

Die nun laufenden Gespräche schließen an eine Vereinbarung zwischen Tele Columbus und den Aktionären von Ende August an. Damals sprach das Unternehmen von einem Gesellschafterdarlehen in Höhe von 15 Millionen Euro, das den erwarteten Liquiditätsbedarf der Gruppe bis zum Jahresende 2023 decken würde. Zugleich sollte das Darlehen die Basis für weitere Verhandlungen mit den Gesellschaftern zur Sicherung der langfristigen Finanzierungsstruktur sein.

Die Verhandlungen finden damit im Wesentlichen zwischen drei Parteien statt. United Internet ist seit 2016 in Tele Columbus investiert. Ende 2020 war außerdem Morgan Stanley als Investor eingestiegen. Die Investmentbank und United Internet halten heute gemeinsam 95 Prozent an Tele Columbus. Die Beteiligung läuft über das Übernahmevehikel Kublai, an dem zu 60 Prozent Morgan Stanley investiert ist und zu 40 Prozent United Internet.

Mitte Oktober konnte Tele Columbus zunächst gute Nachrichten vermelden. Damals gaben die Berliner bekannt, 100 Millionen Euro frisches Kapital zu erhalten (inklusive der 15 Millionen Euro aus dem Gesellschafterdarlehen). Die Kapitalspritze unterstütze „die Wachstumsstrategie“ des Unternehmens, die maßgeblich „die Transformation hin zu einem Hochleistungs-Glasfasernetzwerk“ beinhaltet, teilten die Berliner damals mit. Dieses Geld scheint aber nicht zu reichen, weshalb Tele Columbus nun weitere 200 Millionen Euro von den Gesellschaftern erhalten soll.

CFO von Ratibor hat Tele Columbus schon verlassen

Die finanziellen Nöte des Unternehmens sind auch am Vorstand nicht spurlos vorbeigezogen. Anfang dieses Jahres wurde bekannt, dass CFO Eike Walter das Unternehmen verlassen wird, er ist heute Finanzchef bei dem Biotech-Unternehmen Tentamus. Seine Nachfolgerin wurde mit Wirkung zum 1. April dieses Jahres die Ex-Alvarez-Beraterin Jeannette von Ratibor.

Doch von Ratibor ist nicht mehr bei Tele Columbus tätig. Anfang September, also gerade einmal ein halbes Jahr nach ihrer Berufung, übernahmen zwei Tele-Columbus-Finanzer – der Head of Finance Joachim Lubsczyk sowie der Head of Controlling Nicolai Oswald – interimistisch das Ruder. Einen neuen CFO hat Tele Columbus bis heute noch nicht ernannt.

Tele Columbus muss Transformation stemmen

Auf der Agenda der Berliner steht aber nicht nur die Suche nach einem neuen Finanzvorstand. Der Kabelnetzbetreiber ist aktuell damit beschäftigt, den Umbau vom Kabel- zum Glasfaseranbieter zu vollziehen, und das kostet Geld. In den kommenden zehn Jahren fallen laut Tele Columbus Investitionen in Höhe von mehr als 2 Milliarden Euro an.

Gleichzeitig lasteten zum Halbjahr 2023 mit 1,1 Milliarden Euro hohe Schulden auf dem Unternehmen. Demgegenüber standen Zahlungsmittel in Höhe von gerade einmal 34 Millionen Euro, der operative Cashflow summierte sich auf 76 Millionen Euro.

In der ersten Jahreshälfte war zudem der Umsatz auf 221,3 Millionen Euro leicht zurückgegangen. So auch das operative Ergebnis (Ebitda), das bei 86,8 Millionen Euro lag (Vorjahr: 93,8). Zinsen und Abschreibungen führten bei Tele Columbus erneut zu roten Zahlen. Demnach wurde die erste Jahreshälfte mit einem Fehlbetrag von 49 Millionen Euro abgeschlossen.

Liquiditätslücke bei Tele Columbus war abzusehen

Ohne frisches Geld wäre Tele Columbus nach eigenen Angaben im Zwischenbericht gegen Jahresende in eine Liquiditätslücke gefallen – auch wenn der Kredit erst in einem Jahr und die Anleihe erst im Mai 2025 fällig werden. „Diese Liquiditätslücke ist durch die Aktionäre oder Dritte mittels liquider Mittel in Form von Eigen- oder Fremdkapital zu schließen“, kündigte das Unternehmen im Zwischenbericht, der im August dieses Jahres veröffentlicht wurde, an.

Wie gravierend die Lage bei Tele Columbus ist, lässt sich am Anleihekurs ablesen: Der Wert der Anleihen sank im Laufe des Jahres anhaltend, zurzeit handeln die Papiere bei rund 59 Prozent ihres ursprünglichen Werts.

Esra Laubach ist Redakteurin bei FINANCE und widmet sich schwerpunktmäßig den Themen Transformation, Restrukturierung und Recht. Sie ist Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin. Vor FINANCE war sie rund fünf Jahre als Legal-Journalistin für den Juve Verlag in Köln tätig, wo sie auch ihr journalistisches Volontariat absolvierte. Esra Laubach arbeitete während ihres Studiums multimedial u.a. für das ARD-Morgenmagazin, mehrere Zeitungen und moderierte beim Hochschulradio Kölncampus.