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Mini-Bond-Emittent Eterna plant Schuldschein

Der Modehändler Eterna geht die Refinanzierung seiner 55 Millionen Euro schweren Mittelstandsanleihe an. Dafür setzen die Passauer in großen Teilen auf einen Schuldschein.
Eterna

Der Modehersteller Eterna geht die Refinanzierung seiner 55 Millionen Euro schweren Mittelstandsanleihe an, die im Oktober dieses Jahres zur Rückzahlung fällig wird. Dafür will das Passauer Unternehmen ein Schuldscheindarlehen im Wert von 33 Millionen Euro aufnehmen, das bis 2021 läuft.

Das Darlehen wird von einem „führenden deutschen Kreditinstitut“ gewährt, schreibt Eterna in einer Mitteilung, ohne die Bank zu benennen. Die Tochter Eterna Mode nimmt den Schuldschein auf, besichert diesen und garantiert das Darlehen gemeinsam mit ihrer slowakischen Tochtergesellschaft.

Eterna ist kein klassischer Schuldschein-Emittent: Für gewöhnlich machen Investmentgrade-Unternehmen von dem Finanzierungsinstrument Gebrauch. Zu diesen dürfte Eterna nicht gehören, was auch daran abzulesen ist, dass der Schuldschein mit 4,75 Prozent über dem 3-Monats-Euribor für heutige Verhältnisse hoch verzinst ist. Momentan liegt der 3-Monats-Euribor bei minus 0,33 Prozent. Dennoch zapfen immer wieder Unternehmen aus dem Crossover-Bereich den Markt an. Eterna dürfte offiziell noch kein Crossover-Kandidat sein: Creditreform bewertet Eterna derzeit mit B+.

Eterna soll erneute eine Mittelstandsanleihe platzieren

Der Schuldschein-Deal hängt jedoch an einer entscheidenden Bedingung: Damit das Darlehen gewährt wird, muss Eterna eine Mittelstandsanleihe im Volumen von 25 Millionen Euro platzieren. Das Projekt geht Eterna bald an: Die Angebotsfrist soll vom 8. Februar bis zum 1. März dauern. Der angebotene Zinssatz steht noch nicht fest, die Passauer machen ihren Alt-Investoren jedoch ein Umtauschangebot: Diese erhalten eine Prämie von 25 Euro je Teilschuldverschreibung in Höhe von nominal 1.000 Euro. Die Emission soll über ein öffentliches Angebot sowie über eine Privatplatzierung geschehen.

Eterna hatte die Mittelstandsanleihe im Jahr 2012 im Volumen von 35 Millionen Euro zu einem aus heutiger Sicht hohen Zinssatz von 8 Prozent platziert. Schnell geriet das Unternehmen in Schwierigkeiten, bis es im Juni 2013 mit dem Rücken zur Wand stand. Damals musste der Private-Equity-Investor und Mehrheitseigner Quadriga mit seinem Gesellschafterdarlehen in Nachrang treten, so dass die Passauer die Anleihe um 20 Millionen Euro aufstocken konnten.

Noch Mitte 2016 notierte das Papier bei 85 Prozent deutlich unter Par. Die Modebranche steht stark unter Druck. Auch andere Mini-Bond-Emittenten aus dem Sektor wie Laurel, Wöhrl und René Lezard bekamen massive Probleme.

Sucht PE-Investor Quadriga den Exit bei Eterna?

Mittlerweile scheint sich Eterna gefangen zu haben. Der Bruttoumsatz ist laut vorläufiger Geschäftszahlen im Jahr 2016 um 4,2 Prozent auf knapp 107 Millionen Euro gestiegen. In den ersten neun Monaten des Jahres lag die Marge gemessen am Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bei 9,6 Prozent.

Aufgrund von Abschreibungen auf den Firmenwert dürfte das Konzernergebnis unter dem Strich trotzdem auch 2016 negativ gewesen sein. Nach den ersten neun Monaten lag dieses bei minus 4,1 Millionen Euro. Das Konzernergebnis hat Eterna in den vorläufigen Zahlen für das gesamte Jahr ebenso wie die Ebitda-Marge nicht explizit ausgewiesen.

Die verbesserte operative Performance scheint den unbekannten Schuldschein-Investor in jedem Fall positiv gestimmt zu haben, dass das Modeunternehmen das geliehene Geld zurückzahlen können wird. Die Anleihe notiert derzeit wieder bei Par. Durch die neue Finanzierungsstruktur aus Schuldschein und Anleihe dürfte Eterna dank der verbesserten Performance und des Niedrigzinsumfelds jährlich mehrere Millionen Euro an Finanzierungkosten sparen.

Medienberichten zufolge sucht Quadriga seit dem Frühjahr 2016 nach einem Käufer für Eterna. Bisher hat der PE-Investor jedoch noch keinen gefunden.

Mini-Bond-Emittenten flüchten in den Schuldschein

Eterna folgt mit der geplanten Schuldschein-Emission dem Trend, dass immer mehr Mini-Bond-Emittenten dem in Verruf geratenen Markt für Mittelstandsanleihen den Rücken kehren und auf das urdeutsche Finanzierungsinstrument setzen. Das Pharmaunternehmen Sanochemia hatte seine Anleihe bereits über einen Schuldschein refinanziert ebenso wie der Eigenheimbauer Helma.

Andere Unternehmen flüchten sich nach dem Ausflug ins Mini-Bond-Segment in den klassischen Konsortialkredit. So setzte der Verlag Bastei Lübbe auf syndizierte Linien. Der Getränkehersteller Berentzen hatte seine Anleihe erst vor wenigen Wochen über einen Kredit refinanziert. CFO Ralph Brühöfner hatte den Schritt damit begründet, dass man sich von der „Konnotation der Mittelstandsanleihe“ befreien wolle.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Info

Lange sah es so aus, als würde Eterna bei der Refinanzierung des Mini-Bonds Probleme bekommen. Erfahren Sie alles Wissenswerte über die jüngere Geschichte der Passauer auf der FINANCE-Themenseite Eterna.

Das Mini-Bond-Segment ist in Verruf geraten. Doch wer geht pleite und wem gelingt die Refinanzierung? Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unserer Themenseite Mittelstandsanleihen.

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Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.

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