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MS Deutschland: Neues Rating und Ärger über Scope

Erleichterung dank Feri, Unmut über Scope: MS Deutschland hat nach vier Monaten wieder ein Rating für seine Mittelstandsanleihe.
MS Deutschland

Aufatmen bei der MS Deutschland: Die Mittelstandsanleihe der MS Deutschland erhält von der Ratingagentur Feri ein neues Rating und sichert sich so die Notiz im Entry Standard. Feri bewertet den 50-Millionen-Euro-Bond mit BB- und attestiert damit ein „erhöhtes Ausfallrisiko“.

Die Ratingnote entspräche den Erwartungen des Managements, hieß es in der Mitteilung der MS Deutschland. Die Gläubiger der Mittelstandsanleihe hätten indes womöglich mit einer besseren Bewertung gerechnet: Der Kurs des Bonds fiel heute Vormittag um 3 Prozent auf 65.

Nach vier Monaten ohne Rating ging es für das neue Management der MS Deutschland unter PE-Investor Callista aber wohl vor allem darum, wieder über einen glaubwürdigen Bonitätsausweis zu verfügen: „Wir sind erleichtert nunmehr wieder den Kriterien des Entry Standards zu entsprechen“, sagte Christopher Nolde, Geschäftsführer der MS Deutschland.

Rating: MS Deutschland geht mit Scope ins Gericht

In der aktuellen Mitteilung schlägt MS Deutschland nun ungewöhnlich offen kritische Töne gegenüber dem früheren Geschäftspartner Scope an: Das Rating sei „völlig überraschend“ zurückgezogen worden und dies „nachdem Scope nur rund zwölf Monate vorher noch ein Erstrating mit der Note A vergeben hatte“. Im September hatte Scope das Bondrating um vier Notches von A auf BBB- abgewertet.

Im vergangenen Dezember hatte Scope dann sowohl das MS-Deutschland-Anleiherating von BBB-, als auch sein Emittentenrating von CCC+ komplett zurückgezogen und dies mit einem nicht ausreichenden Informationsstand begründet. Daraufhin war die Mittelstandsanleihe von 60 auf 45 Prozent eingebrochen, hatte sich anschließend aber wieder erholt.

MS Deutschland hatte daraufhin im Februar ein Rating für den Minibond bei Feri in Auftrag gegeben. Feri bewertet unter anderem auch die Mittelstandsanleihe des strauchelnden Fahrradherstellers Mifa. Ein Emittentenrating für MS Deutschland gibt es nicht: „Das benötigen wir gemäß der Bedingungen des Entry Standards nicht, und auch der Anleiheprospekt verlangt es nicht“, sagte Christian Muschick, Leiter Investor Relations gegenüber FINANCE. „Als Unternehmen, das im Wesentlichen von einem Produkt und einem Asset lebt, ist es auch nicht notwendig.“ Das Emittentenrating bei Scope sei damals Teil des Anleiheratings gewesen und nicht extra bezahlt worden.

Scope ändert Ratingmethodik und zieht Unmut auf sich

Mit dem Unmut über Scope steht MS Deutschland nicht alleine da. Auch in anderen Unternehmen zeigten sich CFOs gegenüber FINANCE zuletzt nicht erfreut über die Vorgehensweise der Ratingagentur. Scope hatte jüngst die Ratings einiger Unternehmen unter Review für eine Herabstufung gesetzt, nachdem die Agentur ihre Ratingmethodik zur Bewertung von Unternehmen Ende März geändert hatte.

Mit der neuen Ratingmethodik reagiert Scope nach eigenen Angaben auf das „europaweit gestiegene Investoreninteresse an kleinen und mittelgroßen Unternehmen (SME) und das Bedürfnis nach stärker zukunftsgerichteten Kreditrisikoanalysen“. Die Ratingagentur war allerdings auch wegen einiger Bewertungen in die Kritik geraten – nicht zuletzt auch wegen dem Fall MS Deutschland: Das A-Rating, das Scope im November 2012 für die Mittelstandsanleihe erteilt hatte, galt schon damals vielen Marktexperten als fragwürdig, weil die Bonität der Bilanz und des Geschäftsmodells, also das quantitative Rating, nur mit CCC+ (Issuer Rating Notification) eingeschätzt worden war.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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