Der Wohnmobilhersteller Knaus Tabbert hat den Sprung auf's Parkett geschafft.

Knaus Tabbert

23.09.20
Finanzierungen

HTP macht Abstriche beim IPO von Knaus Tabbert

Der Finanzinvestor HTP sammelt mit dem Börsengang von Knaus Tabbert deutlich weniger ein als erhofft. Das hat vor allem zwei Gründe.

HTP muss Abstriche beim Börsengang seines Portfoliounternehmens Knaus Tabbert machen: Der Ausgabepreis der neuen Aktien liegt nur bei 58 Euro je Papier und damit am unteren Ende der Preisspanne. Ursprünglich waren 58 bis 74 Euro je Aktie anvisiert. Auch nach dem Börsendebut tritt der Wohnmobil-Hersteller am heutigen Mittwochvormittag auf der Stelle.

Am gestrigen Nachmittag kündigte das Unternehmen bereits an, dass der Börsengang kleiner ausfallen wird und weniger Aktien als geplant ausgegeben werden sollen. Statt der geplanten 4,945 Millionen Aktien wurden nun inklusive Greenshoe-Option 4,35 Millionen Aktien emittiert – davon sind 350.000 Aktien Primäraktien. Die Altaktionäre halten nach dem Börsengang noch 61,5 Prozent der Aktien. Im Streubesitz landen demnach 38,5 Prozent der Anteile, ursprünglich angepeilt wurden 48 Prozent.

Knaus Tabbert erlöst über 100 Millionen Euro weniger

Der Erlös beträgt damit 232 Millionen Euro. Erhofft hatten sich der Wohnmobilhersteller und sein Finanzinvestor HTP ein Volumen von 366 Millionen Euro. Den Bruttoerlös aus der Kapitalerhöhung beziffert Knaus-Tabbert auf 20,3 Millionen Euro, die Summe wollen die Niederbayern unter anderem für den Ausbau einer Produktionsstätte in Ungarn verwenden. Der Großteil des Erlöses fließt aber HTP zu, hinter dem die beiden niederländischen Mehrheitseigentümer Wim de Pundert und Klaas Meertens stehen.

Insgesamt kommt Knaus Tabbert nach dem Börsengang auf eine Marktkapitalisierung von 602 Millionen Euro. Wären die Aktien am oberen Ende der Preisspanne platziert worden, hätte Knaus Tabbert auf eine Marktkapitalisierung von knapp 770 Millionen Euro kommen können.

Erhoffte sich HTP zu viel von dem IPO?

Dass der Börsengang weniger eingebracht hat als erhofft, dürfte vor allem zwei Gründe haben. Einerseits galten die IPO-Pläne des niederländischen Finanzinvestors HTP als ambitioniert. HTP hatte Knaus Tabbert vor elf Jahren aus der Insolvenz heraus gekauft. Der Campingwagen-Hersteller ist inzwischen saniert und profitabel. Die Niederbayern sind die Nummer drei im europäischen Wohnmobilmarkt, nach dem französischen Wettbewerber Trigano und Hymer, der mittlerweile dem US-Konzern Thor Industries gehört.

Nun wollte HTP den aktuellen, Coronavirus-bedingten Camping-Boom für einen Teilausstieg nutzen. Die Zahlen des Caravaning Industrie Verbands (CVID) sprechen Bände: Im August dieses Jahres wurden fast 60 Prozent mehr Caravans zugelassen als im Vorjahr. Dementsprechend hatte HTP wohl sogar auf eine Börsenwert von rund 800 Millionen Euro gehofft, berichteten Medien.

Corona sorgt für Unsicherheit an den Märkten

Der zweite Grund: Das Umfeld für Börsengänge ist noch immer nicht ideal. Zwar haben sich die Aktienmärkte von den teils heftigen Auswirkungen der Coronakrise bereits wieder einigermaßen erholt, die Kurse haben wieder an Stabilität gewonnen. Doch die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie verleitet viele Börsenaspiranten noch immer dazu, den Markt vorerst nur weiter zu beobachten.

Marktexperten schätzen aber, dass es in den kommenden Monaten wieder mehr Börsengänge geben wird. Nächster deutscher Kandidat für einen IPO ist in den nächsten Tagen der Rüstungshersteller Hensoldt, bei dem der Finanzinvestor KKR einen Teil-Exit anstrebt. Geplant ist ein Emissionserlös von rund 400 Millionen Euro. Reuters zufolge dürften die Aktien auch hier mit 12 Euro an der unteren Spanne des Ausgabepreises ausgegeben werden.

olivia.harder[at]finance-magazin.de